Es war ein ganz normaler Samstag im Mai, als dieses Wesen plötzlich Einzug nahm. Obwohl der Nachmittag bereits anbrach, war ich erst aufgewacht und hatte mich vom Bett, ohne Umwege, direkt auf das Sofa im Wohnzimmer begeben. Dort lag ich nun, fühlte durch den dünnen Pyjamastoff das kalte Leder, den Blick nach oben auf die Zimmerdecke gerichtet. Mein Puls war viel schneller als sonst, mein Körper kribbelte. Ich konnte mich nicht mehr bewegen, das Atmen fiel mir schwer. Die Gedanken kreisten um die Vergangenheit, um das Jetzt, um die Zukunft – und alles schien aussichtslos. Mein Leben lief perfekt, aber ich wusste nicht weiter. Hatte Angst, wollte weinen und schreien, es kam allerdings nichts. Was war geschehen? Gestern Abend war ich mit Freundinnen unterwegs gewesen. Ich hatte mich nicht gut gefühlt, war unerwartet traurig geworden und deshalb früh nach Hause gegangen. Im Nachhinein kann ich sagen, dass der Dämon an jenem Abend sein Ziel – meinen Kopf – erreicht hatte. Ich hätte ihn kommen sehen müssen, doch war in meinem perfektionistischen Leben kein Platz für Aufmerksamkeit gewesen. Ich durfte schließlich nicht müde sein, abschalten oder entspannen. Ich war noch jung, musste Energie in meine Zukunft investieren, feiern, leben und sollte keine Gelegenheit verpassen – so konnte er sich unbemerkt anschleichen.

„Mama, du musst kommen, irgendwas stimmt nicht mit mir“, hauchte ich in mein Handy, nachdem ich mich nach Stunden aufgerafft und die Kurzwahltaste gedrückt hatte.

An diesem und dem darauffolgenden Tag konnte ich nichts mehr essen. Das lähmende Gefühl fesselte mich ans Bett. Sicher die Hormone, dachte ich, stand nicht meine Periode bevor? Nach und nach realisierte ich jedoch, dass ich das Opfer eines Dämons geworden war, den ich ab sofort immer besser kennenlernen würde – denn nun hatte er meine ganze Aufmerksamkeit gewonnen.

Der Frühling verging, es wurde Sommer. Morgens kam die Sonne zum Fenster herein und ich sollte eigentlich geweckt werden – eigentlich. Der Dämon nahm mir stattdessen das Licht, außerdem den Atem und die Tränen. Wie gerne hätte ich geweint, doch ich fühlte nichts. Und das seit vielen Wochen.

„Depressionen sind heilbar!“ Mir gingen die Worte von Doktor Fröhlich durch den Kopf, den ich nun regelmäßig besuchte. Ich wusste, er konnte den Dämon nicht töten, dafür konnte er mir sagen, wie Dämonen zu zähmen waren.

Ich traf eine Freundin, hörte aber nur diesem Biest in meinem Kopf zu. Sie erzählte mir von ihrer Arbeit, der Dämon flüsterte: „Nachher bist du wieder allein.“

Er wusste genau, wie er mir Angst machen konnte. Alleinsein bedeutete Lähmung. Im schlimmsten Fall eine Panikattacke. Nicht einmal das Stück Schoko-Sahne-Torte, das vor mir stand, nährte meine Seele. Für mich war es wie die ganze Welt um mich herum: einfach nur dunkel. In etwa so, als würde man sich die Schoko-Sahne-Torte in schwarz-weiß vorstellen. Da verlor sie ganz schnell ihren Reiz. Ich versuchte zuzuhören, wenn mit mir geredet wurde, der Dämon redete lauter. Ich sollte ihn nicht beachten, mich stattdessen auf das Außenleben fokussieren, wie mir Doktor Fröhlich geraten hatte.

Manchmal gelang es mir. Dann konzentrierte ich mich zum Beispiel auf eine schöne Blume, analysierte die Menschen in der Bahn oder lenkte meinen Blick einfach nur auf einen Punkt in meinem Zimmer. Ich entdeckte das Schreiben für mich, tauchte ein in Fantasiewelten. Dort war ich stark, schon längst der Held, kannte keinen Dämon. Dort musste ich aber auch nicht erwachsen sein, musste nicht funktionieren, hatte keine Pflichten – und doch funktionierte ich dort mehr als in der Realität. Ich konnte beobachten, wie der Dämon sich anfing zu langweilen, wenn er keinen Zuhörer hatte. Dann verstummte er plötzlich. Manchmal akzeptierte ich, dass er in mir sein Unwesen trieb. Ich merkte, dass Annahme eine weitere effektive Methode war, die den Dämon ruhigstellte. Womöglich, weil so kein Kampf zwischen uns zustande kommen konnte.

Es kamen Tage, an denen sich die Gefühlslosigkeit in Wut umwandelte. Man sollte meinen, Wut sei ein negatives Gefühl, doch wenn ein Mix aus Trauer und Gefühllosigkeit plötzlich in Wut umschlägt, ist das ein ziemlicher Erfolg. Vielleicht war diese Wut stark genug, den Dämon zu verjagen? Mir erschien es jedenfalls effektiver, ihn anzuschreien, als mich von ihm unterdrücken zu lassen.

Ich erinnere mich genau an diesen einen Moment, als ich spazieren ging, es muss ungefähr im November gewesen sein. Kalt war es geworden, aber die Sonne strahlte. Es sollte einer dieser kraftspendenden meditativen Spaziergänge werden. Den Dämon würde ich ignorieren, meinen Blick auf die Bäume lenken, welche gerade ihre bunten Blätter verloren und auf jene, die schon komplett kahl waren und den Beginn des Winters aufzeigten. Dennoch wusste ich, es würde nicht funktionieren – ein schwarzes Tuch lag über der Welt und machte sie für mich farblos. „Trainiere, gib nicht auf“, sagte Doktor Fröhlich und deshalb hatte ich meine wenigen, übrig gebliebenen Energiereserven angezapft und war nach draußen gegangen. Aufgeben würde ich garantiert nicht. Ich lief vorbei an den Wohnhäusern, mein Weg bahnte sich in Richtung See, dorthin, wo das Dorf endete und mich ein kleiner Feldweg im Nirgendwo von dem Nachbardorf trennte. Heute war etwas anders, das merkte ich bereits nach wenigen Metern. Roch die Luft heute nicht viel frischer? Wirkte nicht alles irgendwie … lebendiger? Ich lief und lief und plötzlich passierte etwas, was ich bis heute nicht vergessen habe. Auf einmal spürte ich, wie mich die Strahlen der Sonne trafen, sie kamen gebündelt von oben, breiteten sich aus und umfingen mich mit ihrer Wärme. Ich lächelte, nicht so, wie ich es die letzten Monate gemacht hatte, um den Leuten zu zeigen, dass es mir gut ging. Das Lächeln kam von Herzen und es fühlte sich richtig an. Und zudem so, als würde es plötzlich die Welt wieder zum Leben erwecken, nachdem diese seit Monaten geruht hatte. War der Dämon besiegt?

Heute, einige Jahre später, kann ich sagen: Nein, zu dem damaligen Zeitpunkt war der Dämon nicht besiegt – er kam wenige Stunden später zurück. Allerdings hatte ich das erste Mal so richtig die Kontrolle über ihn gehabt und dadurch Hoffnung geschöpft, ihn irgendwann zähmen zu können. Das ist mir gelungen, nach etlichen Kämpfen mit diesem Ding – mal hatte er die Oberhand, mal ich. Zweitere Phasen wurden immer häufiger. Seit bestimmt vier Jahren hat er sich nicht mehr gemeldet. Vielleicht sind wir sogar zu einem eingespielten Team geworden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er mich jemals wieder provozieren wird. Und wenn ich mich täusche, weiß ich jetzt, wie ich mir mein Licht zurückhole!

Freiheit ist Gerechtigkeit.

„Die Angeklagte wird freigesprochen. Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse.“
Monas Beine zittern, ihre Finger umklammern die hölzerne Anklagebank, damit sie nicht umfällt. Der Richter erzählt jede Menge über Haustyrannen und Notstand. Juristisches Geschwätz, das sie nicht versteht.
„Herzlichen Glückwunsch, Frau Ruß. Sie sind jetzt frei.“
Die Worte von Herrn Spieker, ihrem Verteidiger, klingen mitleidig. Mona nickt mechanisch. Frei. Als sie auf ihre Hände schaut, meint sie, das Blut zwischen ihren weiß hervorstehenden Fingerknöcheln noch zu sehen.

Freiheit ist der Mut der Verzweiflung.

Monas Finger umklammern das Heft des Messers.
Ich bringe dich um. Dieses Mal bringe ich dich wirklich um! Seine Worte hallen durch ihren Kopf. Ihr ist schlecht und ihr zugeschwollenes linkes Auge pocht unangenehm.
„Diesmal nicht“, murmelt sie. Er schnarcht und dreht den Kopf zur Seite. Mona schaut ihn fest an und sticht zu. Mehrmals. Das Laken sieht aus, als sei sein billiger Rotwein darauf ausgekippt. Sie erbricht sich zitternd neben das Bett.

Freiheit ist ein Neuanfang.

Presselichter flammen auf. Mörderin. Mörderin. Mörderin. „Verzweifelte Frau tötet nach jahrelanger Misshandlung ihren schlafenden Mann – und wird freigesprochen.“ Der Reporter zitiert den reißerischen Titel, bevor er ihr das Mikrofon unter die Nase hält.
Herr Spieker schiebt sich zwischen Mona und die Presseaasgeier und bringt sie zu einem Nebenausgang.
„Passen Sie auf sich auf“, sagt er. Mona sieht ihm hinterher und hat keine Ahnung, wohin sie gehen soll. Was sie machen soll. Wie sie auf sich aufpassen soll. Sie lächelt, ganz vorsichtig, als sie nach draußen schleicht, und die Sonne über ihrem neuen Leben lacht.

Freiheit ist eine Bürde.

Mona lächelt die Verkäuferin versteinert an.
„Ich möchte nicht neugierig sein, Frau Ruß, aber…“
Mona will die Hände auf die Ohren pressen, um die Worte nicht mehr zu hören. Frau Weiler möchte nicht neugierig sein. Ebenso wenig wie Frau Müller, die Friseurin und Herr Polka, der Metzger oder Janet, die Fitnesstrainerin. Mona sieht die Neugierde in ihren Blicken, den Ekel, die Faszination.

Freiheit ist eine Illusion.

„Du bist Abschaum.“ Tritt. „Ein Niemand.“ Tritt. „Eine billige Hure.“ Tritt. „Ein nutzloses Dreckstück.“
Ted schwenkt die zerbrochene Weinflasche über ihr. Mona kauert in der Ecke.
„Du wirst mich nie los, nie! Außer du verreckst“, lacht er. Fußtritt. Lachen. Fußtritt.
„Aber selbst dafür bist du zu blöd.“ Rettende Schwärze.

Freiheit ist die bittere Pille der Flucht.

Mona verlässt die Party, auf der sie nur ihrer Freundin Silke zuliebe ist. Silke, die fröhlich lacht und ihr ein Sektglas in die Hand drückt.
„Gut, dass du ihn endlich los bist.“
Silke, die ihren so attraktiven Kollegen aus dem Tennisclub vorstellt und dabei zwinkert. „Hab‘ doch mal Spaß.“, „Lach‘ doch mal.“ „Leb‘ doch endlich.“ Als ob das ginge.
Mona ist so wütend, dass der Kokon der Gleichgültigkeit ein bisschen aufbricht. Nicht viel. Aber so weit, dass die kalte Luft, die vom Rhein weht, hineinkriecht und sie ruft.

Freiheit ist die Verlockung des Loslassens.

Mona sitzt auf dem breiten Geländer der großen Rheinbrücke. Das Wasser lockt mit süßem Vergessen. Komm schon. Du willst doch vergessen. Panta rhei. Alles fließt. Fließ fort mit mir. Sei frei. Keine Blicke mehr, keine Fragen.
„Sie sollten da runterkommen, sonst fallen Sie noch.“
Eine alte Frau mit öliger Mütze und tiefen Furchen im Gesicht zerrt an ihrem Ärmel.
„Was geht Sie das an?“, fährt Mona sie an.
„Ich weiß, wer Sie sind.“ Die Frau mustert sie. Ihr Blick ist wissender, als Mona lieb ist.
„Na toll.“ Mona dreht ihr wieder den Rücken zu.
„Glauben Sie, es ist besser, wenn einen niemand kennt?“, fragt die Frau. Ihre Stimme klingt bitter.
„Dann könnte ich wenigstens neu anfangen“, murrt Mona und sieht sie doch wieder an. Ihr Murren ist halbherzig.
„Man kann das Leben nicht zurückspulen und neu bespielen wie eine alte Kassette. Man kann es nur ändern. So wie Sie damals. Machen Sie doch was draus.“
Ihr Blick gleitet suchend über Monas Gesicht. Die kalte Luft vom Wasser lockt nicht mehr, sie lässt Mona frösteln.
„Geben Sie ihm keine Macht mehr“, sagt die Frau. Dann schlurft sie weiter.
Mona rutscht ein Stück zurück, weg vom Wasser. Sie schaut in den Himmel. Die Sterne leuchten hell in der klaren Nacht. Ab und an werden sie von einer Wolke verdeckt. Es kümmert sie nicht. Sie funkeln einfach weiter und warten, bis die Wolke vorbei zieht.

Freiheit ist der Geschmack der Hoffnung.

„Ich habe beschlossen, es noch mal zu versuchen. Das mit dem Leben. Gewinnen hat Ted nicht verdient“, beendet Mona ihre Erzählung in der Gruppe. Jedes Wort hat ihren Schutzkokon ein bisschen mehr zerrissen, und als er am Ende komplett aufbricht, fühlt sie sich nicht nackt. Sie ist erleichtert. So als hätte er sie gar nicht geschützt, sondern ihre Brust eingeschnürt.
„Das erste Mal ist es am schwersten“, meint Lisa, ein Mädchen mit Narbe auf der Wange und leuchtenden Augen, später zu ihr. „Aber dranbleiben lohnt sich. Es kann auch ziemlich gut sein, das mit dem Leben.“
Mona lächelt ganz leicht. So schmeckt also Hoffnung.

Vor dreizehn Tagen hatte ich den Schritt gewagt, meinen Eltern ihren tatsächlichen Sohn zu präsentieren. Mich, wie ich war und in Zukunft leben wollte. Das einstudierte Bündel genormter Erwartungshaltungen hatte ich – aus Angst vor Ablehnung – schon viel zu lange getragen. Nun war es mir zu schwer geworden, und ich hatte damit begonnen, es abzulegen.

Seit diesem Tag fühlte es sich an, als gäbe es in unserem Haus nicht mehr genügend Luft zum Atmen. Oder als würde sie mir nicht länger zugestanden. Meine Eltern und ich, wir saßen im selben Boot, in dieser jämmerlichen Nussschale von Familie. Ich hatte das Rudern übernommen und war dabei über Bord gegangen. Als winkender Nichtschwimmer. Jetzt war es an ihnen, das Steuer zu übernehmen, mich einzusammeln, den Kurs zu korrigieren und das Riff zu umschiffen.

Nie zuvor hatte ich mich so verletzlich gefühlt. Dabei war ich groß, stark; in meiner Klasse eilte mir ein gewisser Ruf voraus, den ich mir durch vereinzelte Schlägereien hart erarbeitet hatte.

Ich ließ meinen Bleistift sinken und blickte auf. Die Atmosphäre im Klassenzimmer hatte sich in den letzten Sekunden merklich verändert. Als sei ein kalter, schneidender Luftzug hindurch gefegt. Das blutüberströmte Vampirmädchen, das ich noch eben in mein Heft gekritzelt hatte, entließ mich aus seinem Bann.

„Echt, du bist lesbisch?“ Das war Ahmad. Ein Macho wie aus dem Lexikon. In seiner Frage schwang Ekel mit. Er schaute in Leylas Richtung, mied aber ihren Blick.

Leyla war vor Kurzem neu in unsere Klasse gekommen, ein toughes Mädchen: zerrissene Jeans, schwarzgefärbte Haare, Nasenpiercing. Ständig trug sie Pullover irgendwelcher Bands, von denen noch nie jemand gehört hatte. Sie war selbstbewusst, ein bisschen wie Super Girl. Bloß sympathischer. Und ja, sie war lesbisch. Für die Aufmerksamen hatte sie daraus von Beginn an kein Geheimnis gemacht. Der kleine regenbogenfarbene Aufkleber auf ihrer Federmappe, ihr Armband: Wie Brotkrümel hatte sie die Botschaft an alle gesendet, die zuhören wollten, ohne dass sie es hatte aussprechen müssen. Für sie gab es auch gar nichts, was unbedingt hätte ausgesprochen werden müssen. Man kommt schließlich auch nicht neu in eine Klasse und outet sich als Hetero.

Ahmad sah das anders und viele standen hinter ihm. Auch die schweigende Masse stand ihm nicht im Weg.

Er versuchte, sich an irgendeine Passage aus dem Koran zu erinnern. Christina, Leylas rechte Sitznachbarin, bediente sich an der Bibel und rückte etwas von ihr ab. Gott sollte ihr keine Komplizenschaft unterstellen können. Zwei Wochen lang hatte sie den Aufkleber vor ihrer Nase gehabt und ignoriert – wie konnte sie diesem Detail plötzlich solche Bedeutung beimessen?

Erst versuchte Leyla noch, sich der Diskussion zu stellen. Dieser Diskussion, die mit jedem weiteren Beitrag den Deckmantel der sensationslüsternen Neugierde abstreifte und zunehmend feindlich wurde. Ein richtiger Mindfuck. Für sie. Und für mich. Dann begann sie zu schluchzen, Stimmen prasselten von allen Seiten auf sie ein. Selbst die größte Stärke ist begrenzt, jeder hat sein Kryptonit.

Ich sah ihr an, dass sie am liebsten aufgestanden wäre und den Raum verlassen hätte. Doch sie blieb sitzen. Wie ich. Ich wollte ihr so gerne helfen. Doch hatte ich bisher noch nie auch nur ein einziges Wort mit ihr gewechselt. Ich war ein stiller Bewunderer, aber kein Beistand.

Sophie, Leylas linke Sitznachbarin, reichte ihr ein Taschentuch und streichelte kurz über ihren Arm.

„Scheiße, und mit der habe ich nach Sport geduscht“, warf Natascha in den Raum, so als hätte Leyla diesen tatsächlich verlassen.

Unser Lehrer stand Leyla zur Seite und übernahm wieder die Gesprächsleitung. Er war ein liberaler Typ, der sich dem täglichen Chaos unserer Klasse meistens mit stoischer Gelassenheit stellte, jedoch wichtige Grenzen aufzeigte und unsinnige überwand. Doch manchmal ist ein Lehrer eben nur Lehrer und seine Worte finden kein Gehör, wie rational oder vernünftig sie auch sein mögen.

Er wandte sich Steven zu, der durch einen weiteren, beinahe geflüsterten Kommentar in seine Schusslinie geraten war.

Ich kannte Steven seit der Grundschule und wir waren so etwas wie beste Freunde. Doch manchmal war er einfach ein riesiges Arschloch und ein noch größerer Idiot. Wie jetzt gerade: „Meinetwegen können die Homos machen, was sie wollen. Solange sie mich nicht anschwulen. Sind ja trotzdem Menschen. Ich mein, ich find das eklig, aber ich bin ja tolerant, ich schlag die nicht gleich oder so. Aber wehe, die kommen mir zu nah …“

Unser Lehrer versuchte, die Stimmung etwas zu entspannen: „Steven, du hast also Angst, dass alle Schwulen auf der Straße über dich herfallen könnten. Wie oft passiert dir das denn bei Mädchen?“

„Hä?“

„Du traust dich ja auch raus, obwohl es da draußen Mädchen geben könnte, die auf dich stehen. Hältst du dich wirklich für so attraktiv, dass du dir darüber Gedanken machen musst?“ Ein paar Lacher, aber keine Entspannung. „In Ordnung, ich versuche es mal anders. Aber bevor du antwortest, überlege dir bitte genau, was du sagst. Stell dir vor, dein bester Freund wäre schwul – Wie könnte er sich dir da anvertrauen? Und meinst du wirklich, das würde etwas daran ändern, dass ihr seit Jahren beste Freunde seid?“

„Ja, dann wäre er ein anderer Mensch und ich würde ihm die Freundschaft kündigen …“

Unser Lehrer schüttelte resigniert den Kopf und versuchte, sein Anliegen durch ein persönliches Beispiel zu verdeutlichen. In seiner Clique gab es zwei Mädchen, die ihre Beziehung selbst vor den engsten Freunden mehrere Jahre geheim gehalten hatten. Als sie den Mut fanden, fanden ihn auch drei weitere, was am Ende den halben Freundeskreis ausmachte.

Nach diesem Beispiel wiederholte unser Lehrer seine Frage. Und Steven wiederholte seine Antwort.

In mir rumorte es, meine Hände zitterten. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Für diese klägliche Nussschale von Familie. Für Leyla, die Tapfere. Für alles, was vernünftig war. Und am meisten … für mich!

Ich stand auf. Und laut, ganz ohne Räuspern sagte ich: „Ich bin übrigens schwul.“

Ich wunderte mich selbst, wie groß ich war. Wie stark ich war. Ich war ein Fels in der Brandung.

Leyla lächelte. Steven errötete.

Die feindseligen Stimmen verstummten.

A wie Anklopfen. Ich merke, wie mein Handgelenk die gewünschte Bewegung ausführt, ohne dass meine Fingerknöchel die Tür berühren. Die Übelkeit schießt meinen Körper empor und ich lasse die Hand fallen. Die Stimmen hinter der Tür klingen verschmiert und zermatscht. Ich kann ihren Sinn nicht erkennen, verstehe nur die Hälfte und halte mir die Ohren zu, als würde mich die Stille hier rausbringen. Aber ich bin noch da. Reglos starre ich auf die Wände, die mich umgeben. Eierschalengelb. Oder weiß, oder braun. In jedem Falle eierschalig. Mir fehlen die Farben, um sie beschreiben zu können und die Worte, um sie zu sehen. Mein Gehirn ist eine Schlange, die sich selbst verknotet hat, und blind vor Panik versucht zu fliehen. Doch ich kann nicht fliehen und so bleibt die Schlange, wo sie ist, windet sich still und leidet leise. Sie vermisst die Tänzer genauso wie ich. Vermisst ihre Pirouetten, ihre Sprünge, ihren Tanz. Fast tut sie mir leid, dabei will ich sie hassen. Dabei muss ich sie hassen. Ich versuche, ruhig zu atmen, versuche überhaupt zu atmen, obwohl ich jedes Mal aufpassen muss, dass nur Luft meinem Körper entweicht und keine Flüssigkeiten, die er versucht loszuwerden. A wie Atmen. Die Vase neben der Tür, vor der ich stehe, erinnert mich an die Tassen. Alles erinnert mich an die Tassen. Bei dem Gedanken spüre ich, wie die Schlange ihr Maul öffnet und ihre Reißzähne in den eigenen Körper bohrt. Auch sie muss an die Tassen denken und daran, was mit ihnen passiert ist. A wie Aufstoßen. Ich schlucke die Säure wieder hinunter, streiche mir über die Lippen, obwohl nichts sie verlassen hat. Keine Säure, kein Wort, keine Luft.

Meine erste Tasse Alkohol habe ich heimlich getrunken. Mehr aus Verzweiflung als aus Neugier, mehr aus Unwissen als aus Rebellion und mehr aus Dummheit als aus irgendetwas sonst. A wie Alkohol. Es war keiner da, der mich hätte aufhalten können, der den Alkohol hätte verstecken können. Und so öffnete ich die erste Bierflasche meines Lebens und schüttete den Inhalt in eine pinke Tasse mit Blumenmuster. Ich brauchte die Tasse. Eine unschuldige Verkleidung der Sünde, ein niedliches Kostüm, das seinen Träger verbirgt, ihn seiner Würde beraubt, ihn harmlos macht. In pinken Tassen mit Blumenmuster war das Bier bloß ein widerlicher Kakao. Ich habe keinen Schluck davon genossen, habe es hastig hinuntergekippt, das Gesicht dabei verzogen und die letzten Schlucke wieder ausgespuckt. A wie Ausspucken.
In der zweiten Tasse war kein Bier. Allerdings weiß ich auch nicht, was es stattdessen war. Jemand hatte es umgefüllt und mit Ananassaft verdünnt. Und jemand hatte die Flüssigkeit unter all den anderen Flaschen auf der Anrichte stehen lassen, war gegangen, hatte mich allein gelassen. A wie Allein. Jemand war zu einem Niemand geworden und niemand konnte mich von meinem Vorhaben abhalten. Die zweite Tasse Alkohol hat besser geschmeckt. Süß, ungefährlich, gut. Es war der Abend, der meine Gedanken zu Tänzern machte. Tänzer, die in grazilen Drehungen um mich schwebten, Bewegungen so flüssig wie der Alkohol, der in der Tasse schwappte, als wiege auch er sich zu einem stummen Takt. Und ich tanzte mit ihnen, ließ mich von ihnen führen und staunte über die Farben, die uns umgaben und die ebenfalls zu tanzen schienen. Es war jener Abend, an dem ich mich in die Tänzer verliebte. Und als sie mich gemeinsam mit dem Alkohol wieder verließen, den ich erbrach, ward die Schlange geboren.
Die Schlange war kein Tänzer, besaß keine Arme, die sie in die Lüfte strecken konnte, keine Flügel, die sie in ebenjene tragen würden, und auch keine Beine, die ihr das Fliegen auf dem Boden ermöglicht hätten. Doch der Wille der Schlange übertraf den meinen und so lenkte sie mich von der Stunde ihrer Geburt an. S wie Schlange. S wie Sucht. A wie Abhängig.
An meine dritte Tasse Alkohol kann ich mich nicht erinnern. Von der vierten weiß ich, dass sie mit Bier gefüllt war. Genauso wie die fünfte, die sechste und die siebte. Die Achte enthielt eine Mischung der Reste, die ich fand.
Die Schlange war gierig, ich war gehorsam und wir beide liebten die Tänzer. Nach Tasse elf hörte ich auf zu zählen und begann zu überschlagen. Ab Tasse zwanzig trank ich zwei pro Abend, brauchte mehr, um der Schlange zu geben, was sie wollte, mehr, um die Tänzer zu wecken. Sie waren nachtaktive Geschöpfe, die mich in ihren Armen wogen wie ein kleines Kind, die mich an den Händen nahmen und in ihre Welt voller Farbe zogen. Tänzer, die nach dem Leben gierten, genauso hungrig waren wie ich und niemals genug bekamen. Sie sogen die Farben in sich auf, ließen sich von der Melodie durch die Welt führen. Sie brachten mich zum Weinen, offenbarten mir den bittersüßen Geschmack der Trauer und lehrten mich das Lied des Lachens. Ich holte sie Abend um Abend zurück, brachte ihnen nach neunundneunzig Tassen bei, auch am Tage zu tanzen, zeigte ihnen die Schönheit des Sonnenaufgangs, lehrte sie unter dessen orangerotem Licht zu tanzen wie in der Dunkelheit der Nacht. Einhundertsiebzig Tassen vergingen, einhundertachtzig Tassen folgten. Einhundertneunzig Tassen jagten zweihundert nach. Ich hörte auf zu zählen, ich begann wieder bei null. Und ich fürchtete mich. Dreihundert Tassen zerbarsten an Wänden. Ihre Scherben spiegelten die Grimasse der Angst. Zweihundert weitere zersplittern am Boden. Ihre Scherben spiegelten die Fratze der Panik. Und ich tanzte weiter. Tanzte im orangeroten Licht des Sonnenaufgangs, tanzte durch die heiße Luft der Mittagshitze, tanzte in die Abenddämmerung hinein und aus der Finsternis der Nacht hinaus. Fünfhundert Tassen und die Tänzer verließen mich nicht mehr, sechshundert Tassen und ich hörte nicht mehr auf zu tanzen, siebenhundert Tassen und das Tanzen tat mir weh. Eine letzte Tasse zerbrach an der Wand. In den Scherben spiegelte sich nichts, denn ich konnte nichts mehr erkennen.

Die Wände sind eierschalengelb. Oder weiß, oder braun. In jedem Falle eierschalig. Das Klopfen ist lauter als das Schreien der Schlange. Die matschigen Stimmen verstummen. Mir wird geöffnet. Der Flur dreht sich linksrum, mein Magen rechtsrum, mein Kopf mal so, mal so. Mir ist schlecht. Ein Mann steht vor mir. Er ist alt, doch er hat den Körper eines Tänzers.

„Tut mir leid, aber wir befinden uns mitten in einer Sitzung“, sagt er.

„Ich weiß. Ich will teilnehmen“, sage ich.

„Das ist das Treffen der Anonymen Alkoholiker“, sagt er.

„Ich weiß. Ich will teilnehmen“, sage ich.

Er schaut mich lange an. Sein Urteil fällt und stürzt auf die Schlange. Ihre Schreie zerfetzten meine Ohren, meinen Kopf, mich.

„Wie alt sind sie denn, wenn ich fragen darf?“

Ich jage dem Wort für einige Zeit nach, ehe ich es fangen kann.

„Vierzehn“, sage ich.

Ungelenk liest sie ein Ahornblatt auf, lässt sich dann schwerfällig auf die Parkbank sinken. Ihre Fingerspitzen reiben das lederne Rotbraun, Relikt des Herbstes im letzten Winterweiß am Wegrand. Tränen tropfen darauf. Tränen, deren Ströme sie längst versiegt glaubte.

„Kann ich Ihnen helfen?“ Sie blickt ins besorgte Gesicht einer älteren Frau. „Nein danke, alles in Ordnung. Es geht schon wieder“, antwortet sie mit mechanischem Lächeln. Müdes, verbrauchtes Lächeln, fürs Umfeld in Monaten eingeübt. Die Frau geht weiter, schaut sich noch einmal um.

Nichts ist in Ordnung! Er ist tot, tot, tot! Und sie muss weiterleben. Leben? Von einer Sekunde zur anderen ist ihres zerbrochen. Ein unachtsamer Autofahrer, ohrenbetäubendes Krachen, alles verschlingende Finsternis. Er ist tot! Warum nicht auch sie? Der Wille zum Weiterleben harsch erstickt.

Monatelang hatte man sie zusammengeflickt, dann die Reha. Liebevoll umsorgten sie Ärzte, Schwestern. Freunde und Familie bedachten sie mit Trost, halfen ihr, regelten für sie die notwendigen Dinge. All das hatte sie abgestumpft über sich ergehen lassen, hatte zum Schein brav mitgespielt. „Es geht mir schon viel besser“, hatte sie ständig beteuert. Gleich einem Mantra, begleitet von dem unechten, aufgesetzten Lächeln. Geheuchelte Gefasstheit am Grab. Die ihr gereichten Hände, die tröstenden Worte nahm sie mit tränenlosem Nicken entgegen. Doch ihr Wunsch, zu ihm in die Gruft zu springen, mit ihm begraben zu werden, war magnetisch stark. Verlockend zog die ausgehobene schwarze Erde an Herz und Gliedern.

Geduld müsse sie haben, wurde ihr wieder und wieder von den Ärzten versichert. Zwar würde ihr Bein nie mehr vollkommen tauglich werden, doch wenn sie fleißig trainiere, würde es sich erheblich bessern. Als Antwort zeigte sie stets das vorgetäuschte, vermeintlich dankbare Lächeln, kaschierte so die abgrundtiefe Verzweiflung. Ihre Gedanken jedoch kreisten und kreisen beharrlich nur um das Eine: Er ist tot und ich muss ungefragt weiterleben!

Ein endlos sich wiederholender Kehrreim.

Die Trümmer ihres Lebens noch einmal zusammenfügen? Ein neues aufbauen? Für wen? Für was? Wozu? Er ist tot, tot, tot! Nur das hämmert beharrlich in ihrem Kopf, lässt sie jeden Morgen aufs Neue schaudern. Jeder Tag eine sinnlose Herausforderung.

Ein behagliches Heim hatten sie sich geschaffen. Und um ihre tiefe Liebe zueinander zu krönen, planten sie nun, sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Noch waren sie jung.

Der Traum jetzt zerbrochen! Unerfüllt zerstört! Zerplatzt! Mit leeren Händen und leerem Herzen durchwandert sie rastlos Tag für Tag die leeren Räume. Sie verhöhnen sie unerträglich hartnäckig, ohne jedes Mitleid.

Sie stiert auf das Herbstblatt in ihren Händen, reibt es ruhelos ohne Unterlass. Wischt über das Tränennass.

„Als meine Oma gestorben ist, habe ich auch ganz, ganz doll geweint!“ Sie blickt in ein vertrautes Kindergesicht. Woher kennt sie es? Kleine Hände legen sich sanft auf ihre Knie.

„Im Kindergarten haben sie uns erzählt“, fährt das Kind fort, „warum du nicht mehr zum Vorlesen kommst. Das ist ja schrecklich schlimm! Wir sind alle mit dir ganz furchtbar traurig. Aber kommst du trotzdem wieder? Wir warten so, so sehr auf dich!“

Ihre Vorlesekinder! Natürlich! Mit ihnen hatte sie stets unendlich viel Spaß, so große Freude! Tief waren sie ihr ans Herz gewachsen … damals … Inzwischen sind sie ihrem Gedächtnis entglitten.

„Meine Mama ruft schon nach mir.“ Das Kind zeigt auf eine junge Frau am Ende des Parkwegs, die die Arme lachend schwingt. „Ich muss jetzt weg“, sagt das Kind.

Sie antwortet nicht.

„Kommst du wieder?“, fragt das Kind erneut. Sie zuckt apathisch mit den Schultern, bringt dann ihr hartes einstudiertes Lächeln zustande: „Vielleicht…“

„Bitte! Wir kitzeln dich dann alle auch ganz lange ganz feste. Dann musst du wieder lachen“, ruft das Kind flehentlich.

Für einen Augenblick herrscht Stille. Während das Kind sie unentwegt eindringlich anblickt, widmet sie sich mit gesenktem Kopf erneut dem Herbstblatt.

„Ja“, erwidert sie plötzlich entschlossen, „ich komme bald zu euch!“. Dieses Mal mit einem ehrlichen, weichen Lächeln. Sie weiß, dass sie ihr Wort halten muss, die Kinder nicht enttäuschen darf. Und das wird sie auch tun. Gleich wenn sie nach Hause kommt, wird sie nach neuen lustigen oder verzaubernden Kinderbüchern im Internet surfen und in den nächsten Tagen im Buchladen herumstöbern.

Sie spürt, wie ein winziges Glimmen von Mut in ihrem zersplitterten Herzen aufflammt.

Das Kind springt winkend davon: „Wir kitzeln dich dann ganz, ganz dolle! Versprochen!“, ruft es noch einmal zurück.

Da entringt sich ihrer Brust unerwartet ein kleines, scheues Lachen, fast nur ein Glucksen. Das erste seit unermesslich langer dunkler Zeit…

Es ist kalt. Es ist grausam. Es ist scheinheilig. Es lässt mich Dinge sagen, die ich nicht sagen will, Dinge tun, die ich nicht tun will. Der Name: Anorexia Nervosa. Das Opfer: ich.

Sechsundsechzig Kilogramm – okay, aber mehr sollten es nicht sein, überlegte sie im November. Sie gefiel sich wie sie war, aber es war ja allgemein bekannt, dass man über die Weihnachtsfeiertage zunahm. Also beschloss sie, ein paar Kilo müssten runter. Viermal die Woche ein kleines Workout, keine Süßigkeiten mehr zwischen den Mahlzeiten, und nicht mehr als zwei Portionen beim Abendessen. So würde es klappen, hoffte sie.

Es ist kalt.

Zweiundsechzig Kilogramm – es funktionierte tatsächlich, sie nahm vier Kilo ab und genau dieses Gewicht über Weihnachten auch wieder zu. Noch an Silvester fasste sie den Beschluss, es noch einmal zu probieren – aber diesmal das niedrigere Gewicht zu halten. Denn etwas in ihr sagte ihr, sie sei nur schön, wenn sie wieder abnehme und diesmal die Kontrolle behielt.

Es ist grausam.

Vierundfünfzig Kilogramm – ihr Ziel war inzwischen die Fünfzig. Jedes Kilo, das sie verlor, machte sie stolz und glücklich, sie arbeitete hart dafür: Nicht mehr als 900 Kalorien am Tag, mindestens zwei Stunden Sport. Keine Ruhetage. Doch mit jedem Kilo, das sie verlor, hasste sie sich mehr. Immer mehr Fett fiel ihr auf, sie konnte kaum noch in den Spiegel sehen. Wie ein hässliches Schwein kam sie sich vor. Weniger Essen, mehr Bewegung, nahm sie sich vor, um endlich schön zu sein.

Es ist scheinheilig.

Fünfzig Kilo – ihr Ziel hatte sie damit erreicht, zufrieden war sie noch lange nicht. Ihre Eltern bemerkten, dass sie ein Problem hatte, immer öfter wurde sie auf ihren Gewichtsverlust angesprochen. Sie nahm sich vor, nur noch zwei Kilo abzunehmen, weil sie von einer Frau gelesen hatte, die bei diesem Gewicht in eine Klinik für Essstörungen gekommen sei. Dann müsste sie ja dünn sein. Aber auch das reichte ihr nicht. Noch ein Kilo, dann höre ich auf. Es reichte nicht. Noch ein Kilo, dann erlaube ich mir zu essen. Aber sie erlaubte es sich nie.

Es lässt mich Dinge sagen, die ich nicht sagen will.

Sechsundvierzig Kilo – danke, ich bin satt. Ich habe keinen Hunger. Ich esse zu Hause. Ich habe in der Schule gegessen. Mir schmeckt kein Ei. Ich vertrage keine Milch. Ich bin Vegetarierin. Für mich nur einen Salat. Sie log viel, aber eine Lüge überragte alles: Mir geht es gut.

Dinge tun, die ich nicht tun will.

Sechsundvierzig Kilo – ihre Mutter machte ihr jeden Morgen ein Schulfrühstück, das routinemäßig seinen Weg in den Mülleimer fand. Sie nahm Essen aus der Küche und deponierte es unter ihrem Bett, damit es den Anschein hatte, sie würde etwas zu sich nehmen. Morgen esse ich, nahm sie sich jeden Abend vor, aber mehr als 400 Kalorien am Tag schaffte sie nie. Vor dem Wiegen trank sie, ihre Therapeutin und Eltern belog sie. Ihren Freund quälte sie mit ihrem Verhalten, aber sie konnte es nicht lassen. Sie war süchtig.

Der Name: Anorexia Nervosa.

Fünfundvierzig Kilo – das erste Mal sah sie die Diagnose auf Papier gedruckt und das erste Mal nahm sie wahr, dass sie krank war. Magersucht, sie kannte den Ausdruck. Aber sie, magersüchtig? Dafür müsste sie doch dünner sein. Sie wollte es nicht glauben. Jeder wollte sie überreden, in eine Klinik zu gehen. Sie sei krank. Sie sei tödlich krank. Aber sie wollte es nicht glauben.

Das Opfer: ich.

Vierundvierzig Kilo – sie war schwach. Die Krankheit hatte eine lebende Leiche aus ihr gemacht. Jeden Tag schleppte sie sich müde in die Schule, schaute zu, wie ihre Freundinnen lachten und ihre Pausenbrote aßen, ging wieder nach Hause. Sie lächelte jeden an, ihr Gesicht war verzerrt und grau. Ihre Haare dünn und strohig, ihre Gedanken verschwommen, ihre Augen müde, ihr Lebenswille am Ende. Sie hatte Angst einzuschlafen und nicht mehr aufzuwachen, aber essen konnte sie trotzdem nicht. Sie wollte erst dünn sein.

Der Mut: in mir.

Dreiundvierzig Kilo – 100g weniger und sie würde zwangseingewiesen werden. Ihre Mutter kaufte ihr Flüssignahrung, 800 Kalorien am Tag sollte sie trinken. Aus Angst vor der Zunahme stellte sie das Essen daraufhin ganz ein. Aber irgendwoher – und sie verstand nie, was es war und wie es passierte – kam ein Funke Wille zurück zu ihr. Sie begann, drei kleine Mahlzeiten am Tag zu essen. Nahm sich vor, jeden Tag auf 1200 Kalorien zu kommen. Dann 1500, dann 1800. Langsam konnte sie akzeptieren, etwas Gewicht zuzunehmen. Sie weinte tagelang, schrie und tobte, hasste sich selbst und alles, was sie tat, aber sie gab nicht auf. Etwas in ihr wollte leben.

Die Heldin: ich.

Fünfundvierzig Kilo – sie entschied sich, nicht länger das Opfer ihrer Sucht zu sein. Zu kämpfen, als ginge es um ihr Leben. Und langsam begriff sie, dass es tatsächlich ihr Leben war, das auf dem Spiel stand. Sie aß, sie nahm zu, sie ging raus, versuchte normal zu sein. Sie weinte noch immer viel, aber sie begann zu bemerken, dass es besser wurde. Und sie schwor sich selbst, nie aufzugeben.

Das Leben: es wartet.

Dreiundfünfzig Kilo – heute kämpft sie immer noch. Und mit jedem Tag wächst die Zuversicht, dass sie es irgendwann geschafft haben wird. Die Krankheit wollte ihren Tod und sie ließ die Krankheit zu ihrer Identität werden. Jetzt will sie leben. Und herausfinden, wer sie wirklich ist.

Es ist kalt. Es ist grausam. Es ist scheinheilig. Ich lasse mich nicht mehr dazu bringen, Dinge zu sagen, die ich nicht sagen will, Dinge zu tun, die ich nicht tun will. Die Krankheit: Anorexia Nervosa. Der Mut: in mir. Die Heldin: ich.

Das Leben: es wartet.

Hübsch ist sie, groß und schlank, Modelmaße, die Beine gefühlt endlos. Der Teint ist ebenmäßig, das ganze Jahr über leicht gebräunt. Es ist ihr Erscheinungsbild, das die Aufmerksamkeit aller auf sich zieht und doch ist es nicht ihr genormter, kommerziell umworbener Typus, der sie unvergesslich macht. Es ist diese ganz besondere, taffe Art, die charakteristische Kreativität, welche ihr eine unverblümte Schlagfertigkeit und Wortgewandtheit ermöglicht. Scheinbar perfekt, unbekümmert und sorglos.

Erst kürzlich hat er seinen Dreiundsiebzigsten Geburtstag gefeiert. Die ganze Dorfgemeinde lobt allgemein seine Sportlichkeit, noch so fit in dem Alter, das finden sie fantastisch! Wie er morgens um acht, direkt nach dem Frühstück, mit dem Elektrobike seine tägliche Runde an der frischen Luft dreht, mindestens fünf Kilometer legt er dabei zurück. Oftmals dehnt er die Fahrt noch in das nächstgelegene Dorf aus, um im Supermarkt Einkäufe zu erledigen. Schon seit Jahren verfolgt er den gleichen Speiseplan. Und donnerstags wird gebacken, Vollkornbrot.

Hier im Ort kennt man sich, man grüßt sich auf der Straße. Sein Haus hat vier Stockwerke und einen Wintergarten. Seit der ersten Knieoperation seiner Frau vor sechs Jahren hält diese sich fast ausschließlich im Erdgeschoss auf. Im Untergeschoss befindet sich eine selbstgezimmerte Sauna. Gerne schwitzt er hier im 15-Minuten-Takt, um anschließend im Kneipbecken des Nebenraumes unterzutauchen. Diesen Vorgang wiederholt er täglich mehrmals, die revitalisierende Wirkung erfreut ihn.

In der Schule war sie stets beliebt, die Ausbildung zur Kindergartenpädagogin förderte die soziale Veranlagung. Sie hatte viele Freundinnen, manche naiv oder faul, doch fast ausschließlich immer gut gelaunt. Oberflächliche Erzählungen in den Pausen als begleitende Routine bis zum Abschluss vor ein paar Jahren. Dieses letzte Zeugnis war ein Erfolg.  Nun, mit ihren vierundzwanzig Jahren, blickt sie mit Stolz, jedoch ohne Wehmut zurück. Den gewünschten Job im auserwählten privaten Kindergarten hat sie bekommen und begeistert die Kinder mit ihrer unerschöpflichen, gut durchdachten Auswahl an Spielen.

Niemand kann ahnen, wie gebrochen sie innerlich einmal gewesen ist. Er war es, der sie gebrochen hatte. Er hatte ihr die Kindheit genommen.

Die Wochenenden, die sie stets bei den Großeltern verbringen sollte, waren dazu prädestiniert, ihren Puls zwei Tage lang vor Angst rasant ansteigen zu lassen. Niemand konnte wissen, dass die Verweigerung, den Großvater bei seiner täglichen Radtour zu begleiten, zur Bestrafung führen würde. Ein Schlag ins Gesicht, der die Wange der damals Fünfjährigen bereits zum Glühen brachte. Das vertraute Gefühl der salzigen Tränen, die in Strömen die Wangen nässten, das eigene durchdringliche Schluchzen, dass er unterband. Die zornigen Worte, die er ihr entgegenschleuderte, die Fragen, warum sie bloß seinen Lebensstil nicht teilte und das darauffolgende Auflachen, mit dem er sein verachtendes Unverständnis für sie ausdrückte.

Niemand konnte ahnen, dass er, als sie sechs Jahre alt war, das erste Mal in der Sauna ihre Beine auseinander gedrückt hatte. Sieh hin, hatte er gesagt, als er sie anfasste. Wie die Angst sie packte. Wie sie den Mund hielt, wie die Verzweiflung die Lippen zusammenschnürte und sie still leiden lies. Er sagte ihr, sie müsse ihn ebenfalls anfassen. Niemand konnte nachvollziehen, dass sie den unerträglichen Zwang verspürte, alles über sich ergehen lassen zu müssen. Weil er beliebt war, weil er ihr Großvater war, weil niemand etwas gesagt hatte. Weil ihre Eltern es befürworteten, wenn er sie mit in die Sauna nach unten nahm, weil sie nichts Unangenehmes daran zu sehen schienen. Monatlich tätigte er Überweisungen auf ihr Konto, variierend je nach Folgsamkeit. Bestrafung und Belohnung.

Es hatte vier Jahre gedauert, bis sie zusammengebrochen war. Bitte, ich will nicht hinfahren. Bitte, Mama.

So brach der Kontakt ab. Die Überweisungen endeten, das Taschengeld sei ja ohnehin hoch genug. Bei darauffolgenden Besuchen, nun höchstens zweimal im Jahr, sperrte er sich im Arbeitszimmer ein. Sie weinte, Unverständnis und Furcht vor der ganzen Welt fanden zu diesem Zeitpunkt den Platz in der Kindesseele.

Oft schreckte sie die darauffolgenden Jahre nachts hoch, die Albträume kamen und gingen.

Es gab auch bessere Phasen. Beziehungen, die tiefer gingen als oberflächliches Gerede, baute sie nur schwer auf. Die Umarmungen der Freundinnen in der Schule ertrug sie, ihren ersten Kuss ließ sie über sich ergehen. Oft zuckte sie vor Berührungen weg, Unverständnis ihrer Mitmenschen führte bei vielen zur Entfremdung.

Die Zeit und der eigene Wille halfen ihr zu lernen, damit umzugehen.

Und so steht sie mit ihren vierundzwanzig Jahren vor ihrer Gruppe im Kindergarten, als David zu einem Mädchen sagt, wenn ich dich nicht nackt sehen darf, sperr ich dich im Klo ein. Als er auf die Kleine zugeht und ihr zwischen die Beine greift. Als diese nicht weiß, was sie sagen soll, sie nur flehend ansieht.

Jedes Kind bekommt nun ein Blatt Papier. Darauf ist der Umriss eines Menschen skizziert. Grün angemalt werden die Bereiche, an denen man berührt werden möchte, rot werden die Zonen markiert, an denen man nicht angefasst werden darf. Die „Tabu-Zonen“. Die „Stopp-Zonen“. Hier darf man das Stopp auch ganz laut rufen, wo man sich doch sonst oftmals so ruhig verhalten soll. Die Kinder dürfen Bilderbücher zum Thema gemeinsam durchblättern.

Der empörte Anruf einer Mutter, warum ihr Kind mit so vielen Fragen heimkäme, unverschämt sei das.

Als ausgebildete Pädagogin weiß sie, auch damit umzugehen. Ihren Einfluss auf die nächste Generation wird sie zweifellos nutzen.

Sie ist meine Heldin, die meiner Kinder und deren Kinder. Sie ist die Heldin des kleinen Mädchens, das sich nicht traut „Stopp“ zu sagen und die des Jungens, der die Tragweite seines unüberlegten Handelns noch nicht begreifen kann.

„Hätt´st dir halt ´ne andere Mutter ausgesucht! Wir suchen uns unsere Eltern doch selber aus, hätt´st ja nich mich nehmen müssen!“ Die Frau, die mich mit 17 Jahren zur Welt gebracht hatte, verzog ihr Gesicht zu einem schrägen Grinsen. Ich war 18 und diese Aussage hörte ich nicht zum ersten Mal. Ich wusste, dass sie glaubte, was sie von sich gab. Und ich wusste, mit ihr reden konnte man nicht.

Die ersten 18 Jahre meines Lebens waren … nun, dafür fehlen mir auch heute noch die passenden Worte. Nach meiner Geburt hatte mich meine Mutter so schwer vernachlässigt, dass ich fast gestorben wäre, doch ich wurde gerettet. „Gerettet“ – das ist ein schönes Wort, ein tröstliches. Es feiert das Überleben, das I n-Sicherheit-Sein. Es verleiht die Hoffnung, dass es besser wird, dass die schlimme Zeit vorbei ist. Doch wenn ich auf meine Kindheit zurückblicke, dann sage ich es lieber so: Ich überlebte.

Die zwei Jahre, die folgten, verbrachte ich bei meinen Großeltern – bis meine Großmutter starb. Mein Großvater war überfordert mit den eigenen noch jugendlichen Töchtern und dem dreijährigen Enkelkind – und so kam es, wie es kommen musste: Eines Tages fuhr eine fremde Frau in einer verrosteten roten Ente vor, sprach kurz mit meinem Großvater, verfrachtete mich ohne Erklärung ins Auto und startete den Wagen. Ich weiß noch, wie mein Großvater in der Tür zum einzigen Zuhause stand, das ich kannte, und sich die Hände an seiner Bäckersschürze abwischte, während er mir nachsah und in der Heckscheibe kleiner und kleiner wurde.

Aus der fremden Frau, die meine Mutter war, war in den Jahren, die ich bei meinen Großeltern leben durfte, kein neuer Mensch geworden.
Sie ließ mich meine Kindheit hindurch ganze Tage und Nächte allein. Wenn ich, wie so oft, von einem Albtraum schweißgebadet aufwachte, schrie und weinte, kam Niemand. Nein, „Niemand“ ist nicht falsch geschrieben. Diese Leere, dieser „Niemand“, wurde fast zu Jemand, jemand, der immer da war, wenn meine Mutter es nicht war. Zuerst versuchte ich diesem „Niemand“ zu entgehen, suchte bei Kuscheltieren Trost und Zuwendung und weinte so lange weiter, bis schließlich nichts mehr in mir war – keine Verzweiflung, keine Sehnsucht, keine Hoffnung. Wieder überlebte ich – und lernte, dass Stofftiere eben doch nur Dinge waren, in ihnen kein Leben, keine Wärme, keine Fähigkeit zur Bindung. Ich war allein.
Zu essen bekam ich nur, wenn meine Mutter für sich kochte. Den Rest der Zeit musste ich mich selbst versorgen – auch, wenn das bedeutete, „ihre Sachen zu klauen“, wie sie das nannte. Nachdem sie mich dessen zum ersten Mal beschuldigt hatte, nahm ich nur noch geschnittenes Brot aus der Plastikpackung und einen möglichst kleinen Löffel Gelee aus dem Marmeladenglas, weil ich hoffte, meine Mutter würde die Scheiben nicht zählen und das Glas nicht wiegen. Zur nächtlichen Einsamkeit gesellte sich die Angst, die sich mir tagsüber an die Fersen heftete.
Meine Mutter schlug mich, schrie mich an, benutzte Schimpfwörter statt meines Namens, lachte mich aus. Einmal warf sie einen Topf mit kochendem Essen von der heißen Herdplatte nach mir, ein anderes Mal zerrte sie mich in ihr Zimmer, schubste mich herum und brüllte mich nieder.

Fürs Leben habe ich von meiner Mutter wenig gelernt – fürs Überleben viel. Heute, fast 30 Jahre später, erzähle ich nur noch selten von dem Schlimmen. Ich habe aufgeräumt, habe das Bedürfnis nicht mehr. Und doch war es mir wichtig, hier und heute noch einmal zurückzuschauen in mein Gestern und Vorgestern. Denn an diesem Abend, an dem mir meine Mutter abermals sagte, ich hätte sie mir ja nicht aussuchen müssen, veränderte sich der Lauf der Welt.

Damals lebten wir in einer klitzekleinen Wohnung. Darin konnte ich den Blicken meiner Mutter nicht entgehen, egal wie sehr ich es auch versuchte. Und so wunderte es mich nicht, als ich an diesem Abend auf dem Weg in die Küche plötzlich von meiner Mutter am Arm gepackt wurde. Sie riss mich herum und schrie mich an: „Ich hab dir schon tausendmal gesagt, du sollst meine Sachen in Ruhe lassen!“ Bevor ich wusste, wie mir geschah, schoss eine Hand auf mein Gesicht zu. Und da passierte es: Zum ersten Mal in meinem Leben wurde ich wütend! Diesmal wendete ich meinen Blick nicht ab, ich hielt dem ihren stand! Diesmal fiel ich nicht in mich zusammen, ich richtete mich auf! Eine Kraft, die ich nicht kannte und die doch aus den Tiefen meiner selbst zu kommen schien, schoss hinein in jede Faser, jede Zelle meines Seins. Mir war, als würden sich meine Schutzmauern, die beim Anblick meiner Mutter zu bröckeln begonnen hatten, wieder zusammensetzen, jedes Staubkorn, jedes Steinchen den Weg zurückfinden an seinen ureigensten Platz.
Plötzlich schnellte mein Arm nach oben. Ich bekam das Handgelenk meiner Mutter im Flug zu fassen. Meine Finger umklammerten es, gaben keinen Millimeter nach. Und für den Bruchteil einer Sekunde stand die Erde still.
Ich atmete tief und gleichmäßig, blinzelte nicht. Das linke Augenlid meiner Mutter zuckte, ihre Pupillen weiteten sich. Dann verzerrte sich ihr Gesicht. Sie zitterte.
Ich lockerte meinen Griff, gab ihr Handgelenk frei. Ihr Arm fiel leblos nach unten, baumelte an ihrer Schulter.
Ich hob meine Hand und holte aus. Meine Mutter kniff die Augen zusammen, drehte den Kopf zur Seite, duckte sich. Als nichts geschah, öffnete sie die Augen einen Spalt breit und sah sich um, meine Hand noch immer neben ihrem Gesicht in der Luft. Sie atmete flach.
„Wenn du mich noch einmal schlägst“, sagte ich mit klarer, fester Stimme und betonte dabei jedes Wort, als wäre es ein eigenständiger Satz. „Wenn du mich noch einmal schlägst, schlag ich zurück.“ Meine Mutter schluckte. „Hast du das verstanden?“ Sie nickte.

Woher diese Kraft so plötzlich kam? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Aber eines wurde mir an diesem Abend glasklar: Meine Mutter konnte ich mir zwar nicht aussuchen, aber die Welt anhalten, das konnte ich! Und sie in neue Bahnen lenken! Und seitdem gehört mein Leben mir!

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