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Blog Q5 wird 7 Jahre – ein Interview für Euch mit Einblicken über das Schreiben von Alexander Hoffmann

Unser Blog Q5 hat heute Geburtstag und wird 7 Jahre alt. Dieser kleine Blog hat große und kleine Räder gedreht und heute für Euch alle, die immer schon mal schreiben wollten, Anregungen, Tipps von einem uns viel geschätztem Autor. Alexander Hoffmann lädt Euch ein, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen…

 

Über das Schreiben
von Alexander Hoffmann

Wie ist Ihre Arbeitsweise – Idee, Zettelsammlung, Personen und deren Charaktere, entwickelt sich die Geschichte beim Schreiben, oder ist sie bereits fertig geplant?

Am Anfang eines Roman-Plots steht die Grundidee. Diese baue ich organisch aus zu einem ca. sechsseitigen Plot, inklusive der Figuren und einer schlüssigen Dramaturgie. Großen Wert lege ich auf „Cliffhanger“, also Kapitelenden, die beim Leser Fragen offen lassen und zum Weiterlesen animieren. Danach erfolgt eine grobe Gliederung, parallel dazu wird eine Datei „Arbeit“ angelegt, in der ich immer mal wieder neue Detailideen, gelungene Sprachspiele sowie zu klärende Sachfragen notiere, um sie später abzuarbeiten.
Dann fange ich an, zu schreiben. Ganz konventionell vom Anfang bis zum Schluss. Meine Storys sind komplett durchgeplant, allerdings entwickeln sich während des Schreibens zusätzliche Ideen zu den Figuren und dem Handlungsverlauf, die ich dann integriere. Vom einfachen Drauflosschreiben halte ich nichts, das ist etwas für Genies wie Georges Simenon.

Wie recherchieren Sie die Hintergründe?

Ich recherchiere im Netz, in Büchern sowie Archiven, ich befrage mir bekannte Experten (z.B. in Rechtsfragen oder bei Krimis zu Polizeithemen). Bei strittigen Sachfragen gilt, dass die Fakten nur dann belastbar sind, wenn sie von mindestens zwei, besser drei unterschiedlichen, seriösen Quellen bestätigt werden. Das ist auch das Rechercheprinzip der New York Times.

Wie lange dauert es?

Das ist sehr unterschiedlich, hängt auch von meiner verfügbaren Zeit ab. Den Roman „Brillanter Abgang“ schrieb ich in vier Monaten, die Barre-Krimis ebenfalls in je vier Monaten. Am Roman „Mainopoly“ arbeitete ich mit langen Pausen von 2008 bis 2020.

Wie oft überarbeiten Sie das Skript?

Ich selbst überarbeite das Script mindestens drei- bis viermal. Dann geht es an andere und es folgen noch einmal zwei Phasen der Überarbeitung.

Wie schwer fällt Ihnen zu streichen, gerade die Stellen, die Sie am sehr mochten?

Fällt mir schwer. Aber wenn der Lektor gute Argumente hat, füge ich mich.

Wer liest Ihnen vor der Veröffentlichung und gibt Feedback? Frau, Freunde, Lektorin?

Meine Frau liest als erste. Sie verbindet ästhetisches Gespür mit der kalten Logik der gelernten Maschinenbauingenieurin. Sie ist dazu angehalten, wenig zu loben und möglichst hart zu kritisieren. Das Script geht auch an befreundete Journalisten mit einer ähnlichen Vorgabe. Wenn ein Verlag mein Script akzeptiert hat, folgt noch der Dialog mit der Lektorin oder dem Lektor, doch da kommt nicht mehr viel.

Ein paar Worte zu den Einnahmequellen wie die VG Wort …

Haupteinnahmequelle sind die Verlagshonorare. Die Zahlungen der VG Wort sind überschaubar, aber die nimmt man gerne mit. Bei Vorabdrucken in Zeitungen gibt es ebenfalls ein bisschen was. Lesungen mache ich mehr zur Imagepflege und, um einen guten Draht zu stationären Buchhandlungen zu haben. Ansonsten ist viel Eigenmarketing gefragt, auch im Netz. Der ausschlaggebende Faktor für den Erfolg eines Buchs sind die Empfehlungen von Leser zu Leser. Es lohnt sich, um jeden einzelnen Leser zu kämpfen.

Haben Sie Tipps, wie Sie Verlage ansprechen?

Für Newcomer ist die direkte Ansprache von Verlagen praktisch aussichtslos. Die Verlage werden mit unverlangt eingereichten Manuskripten überschüttet und antworten mit Standard-Absagen, falls überhaupt. Vorsicht bei Pseudoverlagen, die von sich aus Autoren suchen. Die drucken zwar das Buch, doch sie verlangen oft einen horrenden Eigenbeitrag. In der Branche werden diese Zuschussverlage nicht ernstgenommen. Besser ist es, sich einem Literaturagenten anzuvertrauen (Listen dazu gibt es im Netz). Der seriöse Agent arbeitet ausschließlich auf Erfolgsbasis. Bei der Präsentation des eigenen Werks sollte man einen klaren Plot einreichen, dann die Zielgruppe des Werks benennen und eine Leseprobe von in der Regel 30 Manuskriptseiten beifügen. Bitte nicht schildern, dass das Werk von der Gattin oder Mutter etc. als ganz toll empfunden wurde – das ist tödlich.

Alexander Hoffmann

schreibt seit langen Jahren auf professioneller Ebene. Zunächst als Journalist, u.a. bei der „Süddeutschen Zeitung“. Auch in unser Netzwerk der Spezialisten, Profis und Preisträger reiht er sich bei Quintessenz Manufaktur für Chroniken ein. Für uns vornehmlich komplexe Firmenchroniken, Unternehmerbiografien.
Zwei Auszeichnungen: Wächterpreis der deutschen Tagespresse und Theodor Wolff-Preis.

Später Wechsel in die Wirtschaft als Unternehmensberater und in der Folge zahlreiche Sachbücher. Heute aktiv als Kolumnist und Autor von Beiträgen für Zeitungen und Magazine. Dazu die Belletristik mit bisher fünf Romanen. Hoffmann lebt in Frankfurt am Main und Wissembourg (Frankreich).

Ihr braucht ein fachliches Feedback?
Dann hier der Hinweis, dass Ihr Euch an Alexander Hoffmann wenden könnt, der auf Honorarbasis Autoren von Sachbüchern und in der Belletristik berät. (kein Ghostwriting)

Eine Übersicht seiner Bücher und kurze Klappentexte auch vom druckfrischen “Mainopoly” finden Sie hier: https://hoffmannschreibt.de/

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