60 Jahre BRAVO

Da entfährt es nun manchem „Was soo alt schon?“ Meist jenen, die in den 60ern und 70ern selbst Leser waren.

Am 26. August 1956 startete die BRAVO noch als Film- und Fernsehmagazin für Jugendliche,  bis dahin etwas völlig Neues. Mit bald 16 Millionen verkaufter Magazine war die BRAVO ein extrem erfolgreiches Blatt, das sich um Stars und die Musik wie Rock und den später aufkommenden Pop kümmerte – sie war das Bindeglied zwischen Star und Fan. Wer etwas über seinen Star wissen wollte, blätterte aufgeregt in der neuen Zeitschrift und Stars, wie Elvis Presley aber auch Schauspieler waren die Highlights. Marketingstrategen der Plattenfirmen bzw. die Gruppen waren froh, wenn die Bravo Bands begleitete. Kein Wunder bei der Auflage. Sogar die Beatles arbeiteten mit der BRAVO zusammen. Heute, in Zeiten von Twitter, Facebook, Instagramm und Co, erzählen die Stars direkt ihren Fans, was es Neues gibt.

Ein anderes Standbein waren die Dr. Sommer-Rubriken, in denen man die sexuelle Aufklärung unter die Jugend brachte. In den prüden 60er Jahren ein steter Quell für Skandale, wobei den Erwachsenen die Doppelmoral nicht bewusst war, wenn sie ebenfalls Fernsehmagazine oder Wochenblätter wie „Praline“ oder „Quick“ mit Frauen in knappen Bikinis und großer Oberweite kauften.

In meiner Generation, in den 70ern, war „Dr. Sommer“ der Anlass für typisches Teenie-Schreien, mit einer Mischung aus Entsetzen und Entzücken, wurden die Fragen und Antworten gelesen.
Natürlich gab es keinen „Dr.Sommer“, sondern dahinter steckte  ein Team von Sozialarbeitern und Psychologen. Es gab auch mal eine Ausgabe, die nach Protesten der Eltern und Kirche auf den Index gesetzt wurde. Die Eltern der Leser teilten sich in zwei Gruppen. Die Einen, die den Kindern das „sündige Heft“ erlaubten, und so taten als bemerkten sie das nicht und heimlich heilfroh waren, jetzt ihre Sprösslinge nicht selbst aufklären zu müssen und die anderen, die schlichtweg verboten „so einen Schund“ zu kaufen und zu lesen.

DrSommerVorrubrik

Dr. Christoph Vollmer, der Vorgänger des Dr. Sommer-Teams

Was hat es genützt? Nichts!

Meine Mutter gehörte zu denen, die damit nicht umgehen konnte. Sie war sicher überfordert und so verbot sie mir das Heft. Nebenbei –  wovon hätte ich es auch kaufen sollen? Ich bekam kein regelmäßiges Taschengeld. Manchmal steckte bei Besuchen der Onkel einem was ins Sparschwein, aber das blieb immer ein sehr mageres Tier, zumal ich versuchte das Geld raus zu schütteln. Ab und an gelang mir das.
Einige meiner Schulfreundinnen hatten es besser und bekamen 2 DM Taschengeld pro Monat. Das reichte für eine Ausgabe. Sie kostete 1 DM und dann hatten sie noch eine Mark übrig. Wenn die neue Zeitschrift herauskam, sah man in den Pausen 8 oder mehr Mädchen sich über das Heft beugen. Vorteil für die, die das Heft kauften – sie rangierten in der Beliebtheitsskala ganz oben. Das war die Chance für manche Bohnenstange, Dicke, oder Brillenschlange. Ja – wir waren nicht nett.

Natürlich waren wir alle Fans von irgendwem. Gemeinsam liebten wir Sweet, T-Rex etc. aber dann gab es die Mädchen die Bernd Clüver aus der Hitparade mit Dieter-Thomas Heck anhimmelten, aber die große Mehrheit stand damals auf David Cassidy. Es ist schon klar, dass es der attraktive Junge und vielleicht nicht so sehr seine Musik überzeugte.

Stars in Scheibchen – der BRAVO Starschnitt

Ich hingegen musste noch ein wenig warten, bis das Fieber auch mich ergriff: Gilbert O’Sullivan. Meine Schwester hatte mir eine Platte geschenkt, da stand er mit Bergmannklamotten drauf und irischer Batschkappe. Nichts glamouröses wie es in den 70ern Pflicht für Sänger war. So kam er mir auch nicht vor und dennoch war ich enttäuscht. Ich hätte gern auch mal mit meinem Star angegeben. Dann plötzlich, wie aus dem Nichts kam „Get down“ – Gilbert hatte nun Locken und schoss in den Charts ganz nach oben. Nachdem ich lange deren Neckereien ertragen hatte, zeigten sich meine Freundinnen großzügig: Den Starschnitt von Gilbert aus der BRAVO durfte ich haben. Der Star in Häppchen, eine clevere Salamitaktik von BRAVO – so sicherte man den Absatz.

Als ich ca. 38 Jahre alt war, rief mich meine ältere Schwester an, sie hätte hier jetzt was für mich. Sie brachte sie eine große Plastiktüte mit, in der ich neben vielen Kindergartenzeichnungen auch den Starschnitt von Gilbert O’Sullivan wiederfand. Ich war wirklich gerührt, ich hatte nicht gewusst, dass sie das für mich aufgehoben hatte. Vorsichtig packte ich aus und danach wieder ein, und bis heute ist dieser Schatz noch in meinem Besitz.

 

Der Ipod der 60er

Der Ipod der 60er

 

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