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Der Geruch der Sommerferien in den 60er und 70ern

Der Sommer und speziell  die Ferien, rochen für viele Kinder in den 60ern nach dem heimischen Schwimmbädern. Wenn man darauf zu radelte oder lief, ließ einem die Vorfreude schneller radeln, wenn man den weithin zu hörenden ‚Sound‘  von Spielen, Wasserplatschen hörte.

In meiner Klasse waren es nur wenige Familien, die weit reisten und ja, diese Schüler wurden erst nach den Ferien beneidet, solange  hatte man 6 Wochen ungetrübten Spaß während man zu Hause blieb. Es roch nach Chlor und ‚Creme 21‘, dem heißen Plastik der Schwimmreifen, den trockenen Grasflächen, dem undefinierbaren Geruch der Umkleidekabinen, nach nassen Handtüchern und nach Mama, wenn sie mitkam.

Allein durfte ich nicht in das am anderen Ende der Stadt liegende Freibad, und meistens musste ich meine sechs Jahre ältere Schwester beknien, dass sie mich begleitete. Es war auch mit der Straßenbahn ein langer Weg. Es gab auch noch ein anderes Bad, aber ich wollte in dieses, denn dort saß manchmal mein Onkel an der Kasse und winkte uns durch. Das hieß, wir hatten das Eintrittsgeld gespart, welches dann meist für ein Wassereis oder lange Waffeln ausgegeben wurde.  Das Freibad hatte aber noch eine Besonderheit: Es gab ein riesiges Fenster, wo man die untere Hälfte der Schwimmer sehen konnte.  Sehr verwegen für die damalige Zeit.

Abends zu Hause, roch es auf der Wäscheleine immer noch ein wenig nach Chlor der nur kurz ausgespülten Badeanzüge. Müde, mit leicht trockenem Ziehen auf der Haut, aber nach Apfelshampoo duftend, aß man glücklich das lecker riechende Leberwurstbrot und freute sich, dass man ein wenig länger aufbleiben durfte. Die restlich verbliebene Energie verbrauchte man mit quengeln und bitten, ob man morgen wieder ins Freibad durfte. Ja, so rochen die Sommerferien.

Ich freue mich auf Kommentare und eigene Erinnerungen … 🙂

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