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Es ist kalt. Es ist grausam. Es ist scheinheilig. Es lässt mich Dinge sagen, die ich nicht sagen will, Dinge tun, die ich nicht tun will. Der Name: Anorexia Nervosa. Das Opfer: ich.

Sechsundsechzig Kilogramm – okay, aber mehr sollten es nicht sein, überlegte sie im November. Sie gefiel sich wie sie war, aber es war ja allgemein bekannt, dass man über die Weihnachtsfeiertage zunahm. Also beschloss sie, ein paar Kilo müssten runter. Viermal die Woche ein kleines Workout, keine Süßigkeiten mehr zwischen den Mahlzeiten, und nicht mehr als zwei Portionen beim Abendessen. So würde es klappen, hoffte sie.

Es ist kalt.

Zweiundsechzig Kilogramm – es funktionierte tatsächlich, sie nahm vier Kilo ab und genau dieses Gewicht über Weihnachten auch wieder zu. Noch an Silvester fasste sie den Beschluss, es noch einmal zu probieren – aber diesmal das niedrigere Gewicht zu halten. Denn etwas in ihr sagte ihr, sie sei nur schön, wenn sie wieder abnehme und diesmal die Kontrolle behielt.

Es ist grausam.

Vierundfünfzig Kilogramm – ihr Ziel war inzwischen die Fünfzig. Jedes Kilo, das sie verlor, machte sie stolz und glücklich, sie arbeitete hart dafür: Nicht mehr als 900 Kalorien am Tag, mindestens zwei Stunden Sport. Keine Ruhetage. Doch mit jedem Kilo, das sie verlor, hasste sie sich mehr. Immer mehr Fett fiel ihr auf, sie konnte kaum noch in den Spiegel sehen. Wie ein hässliches Schwein kam sie sich vor. Weniger Essen, mehr Bewegung, nahm sie sich vor, um endlich schön zu sein.

Es ist scheinheilig.

Fünfzig Kilo – ihr Ziel hatte sie damit erreicht, zufrieden war sie noch lange nicht. Ihre Eltern bemerkten, dass sie ein Problem hatte, immer öfter wurde sie auf ihren Gewichtsverlust angesprochen. Sie nahm sich vor, nur noch zwei Kilo abzunehmen, weil sie von einer Frau gelesen hatte, die bei diesem Gewicht in eine Klinik für Essstörungen gekommen sei. Dann müsste sie ja dünn sein. Aber auch das reichte ihr nicht. Noch ein Kilo, dann höre ich auf. Es reichte nicht. Noch ein Kilo, dann erlaube ich mir zu essen. Aber sie erlaubte es sich nie.

Es lässt mich Dinge sagen, die ich nicht sagen will.

Sechsundvierzig Kilo – danke, ich bin satt. Ich habe keinen Hunger. Ich esse zu Hause. Ich habe in der Schule gegessen. Mir schmeckt kein Ei. Ich vertrage keine Milch. Ich bin Vegetarierin. Für mich nur einen Salat. Sie log viel, aber eine Lüge überragte alles: Mir geht es gut.

Dinge tun, die ich nicht tun will.

Sechsundvierzig Kilo – ihre Mutter machte ihr jeden Morgen ein Schulfrühstück, das routinemäßig seinen Weg in den Mülleimer fand. Sie nahm Essen aus der Küche und deponierte es unter ihrem Bett, damit es den Anschein hatte, sie würde etwas zu sich nehmen. Morgen esse ich, nahm sie sich jeden Abend vor, aber mehr als 400 Kalorien am Tag schaffte sie nie. Vor dem Wiegen trank sie, ihre Therapeutin und Eltern belog sie. Ihren Freund quälte sie mit ihrem Verhalten, aber sie konnte es nicht lassen. Sie war süchtig.

Der Name: Anorexia Nervosa.

Fünfundvierzig Kilo – das erste Mal sah sie die Diagnose auf Papier gedruckt und das erste Mal nahm sie wahr, dass sie krank war. Magersucht, sie kannte den Ausdruck. Aber sie, magersüchtig? Dafür müsste sie doch dünner sein. Sie wollte es nicht glauben. Jeder wollte sie überreden, in eine Klinik zu gehen. Sie sei krank. Sie sei tödlich krank. Aber sie wollte es nicht glauben.

Das Opfer: ich.

Vierundvierzig Kilo – sie war schwach. Die Krankheit hatte eine lebende Leiche aus ihr gemacht. Jeden Tag schleppte sie sich müde in die Schule, schaute zu, wie ihre Freundinnen lachten und ihre Pausenbrote aßen, ging wieder nach Hause. Sie lächelte jeden an, ihr Gesicht war verzerrt und grau. Ihre Haare dünn und strohig, ihre Gedanken verschwommen, ihre Augen müde, ihr Lebenswille am Ende. Sie hatte Angst einzuschlafen und nicht mehr aufzuwachen, aber essen konnte sie trotzdem nicht. Sie wollte erst dünn sein.

Der Mut: in mir.

Dreiundvierzig Kilo – 100g weniger und sie würde zwangseingewiesen werden. Ihre Mutter kaufte ihr Flüssignahrung, 800 Kalorien am Tag sollte sie trinken. Aus Angst vor der Zunahme stellte sie das Essen daraufhin ganz ein. Aber irgendwoher – und sie verstand nie, was es war und wie es passierte – kam ein Funke Wille zurück zu ihr. Sie begann, drei kleine Mahlzeiten am Tag zu essen. Nahm sich vor, jeden Tag auf 1200 Kalorien zu kommen. Dann 1500, dann 1800. Langsam konnte sie akzeptieren, etwas Gewicht zuzunehmen. Sie weinte tagelang, schrie und tobte, hasste sich selbst und alles, was sie tat, aber sie gab nicht auf. Etwas in ihr wollte leben.

Die Heldin: ich.

Fünfundvierzig Kilo – sie entschied sich, nicht länger das Opfer ihrer Sucht zu sein. Zu kämpfen, als ginge es um ihr Leben. Und langsam begriff sie, dass es tatsächlich ihr Leben war, das auf dem Spiel stand. Sie aß, sie nahm zu, sie ging raus, versuchte normal zu sein. Sie weinte noch immer viel, aber sie begann zu bemerken, dass es besser wurde. Und sie schwor sich selbst, nie aufzugeben.

Das Leben: es wartet.

Dreiundfünfzig Kilo – heute kämpft sie immer noch. Und mit jedem Tag wächst die Zuversicht, dass sie es irgendwann geschafft haben wird. Die Krankheit wollte ihren Tod und sie ließ die Krankheit zu ihrer Identität werden. Jetzt will sie leben. Und herausfinden, wer sie wirklich ist.

Es ist kalt. Es ist grausam. Es ist scheinheilig. Ich lasse mich nicht mehr dazu bringen, Dinge zu sagen, die ich nicht sagen will, Dinge zu tun, die ich nicht tun will. Die Krankheit: Anorexia Nervosa. Der Mut: in mir. Die Heldin: ich.

Das Leben: es wartet.

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Ungelenk liest sie ein Ahornblatt auf, lässt sich dann schwerfällig auf die Parkbank sinken. Ihre Fingerspitzen reiben das lederne Rotbraun, Relikt des Herbstes im letzten Winterweiß am Wegrand. Tränen tropfen darauf. Tränen, deren Ströme sie längst versiegt glaubte.

„Kann ich Ihnen helfen?“ Sie blickt ins besorgte Gesicht einer älteren Frau. „Nein danke, alles in Ordnung. Es geht schon wieder“, antwortet sie mit mechanischem Lächeln. Müdes, verbrauchtes Lächeln, fürs Umfeld in Monaten eingeübt. Die Frau geht weiter, schaut sich noch einmal um.

Nichts ist in Ordnung! Er ist tot, tot, tot! Und sie muss weiterleben. Leben? Von einer Sekunde zur anderen ist ihres zerbrochen. Ein unachtsamer Autofahrer, ohrenbetäubendes Krachen, alles verschlingende Finsternis. Er ist tot! Warum nicht auch sie? Der Wille zum Weiterleben harsch erstickt.

Monatelang hatte man sie zusammengeflickt, dann die Reha. Liebevoll umsorgten sie Ärzte, Schwestern. Freunde und Familie bedachten sie mit Trost, halfen ihr, regelten für sie die notwendigen Dinge. All das hatte sie abgestumpft über sich ergehen lassen, hatte zum Schein brav mitgespielt. „Es geht mir schon viel besser“, hatte sie ständig beteuert. Gleich einem Mantra, begleitet von dem unechten, aufgesetzten Lächeln. Geheuchelte Gefasstheit am Grab. Die ihr gereichten Hände, die tröstenden Worte nahm sie mit tränenlosem Nicken entgegen. Doch ihr Wunsch, zu ihm in die Gruft zu springen, mit ihm begraben zu werden, war magnetisch stark. Verlockend zog die ausgehobene schwarze Erde an Herz und Gliedern.

Geduld müsse sie haben, wurde ihr wieder und wieder von den Ärzten versichert. Zwar würde ihr Bein nie mehr vollkommen tauglich werden, doch wenn sie fleißig trainiere, würde es sich erheblich bessern. Als Antwort zeigte sie stets das vorgetäuschte, vermeintlich dankbare Lächeln, kaschierte so die abgrundtiefe Verzweiflung. Ihre Gedanken jedoch kreisten und kreisen beharrlich nur um das Eine: Er ist tot und ich muss ungefragt weiterleben!

Ein endlos sich wiederholender Kehrreim.

Die Trümmer ihres Lebens noch einmal zusammenfügen? Ein neues aufbauen? Für wen? Für was? Wozu? Er ist tot, tot, tot! Nur das hämmert beharrlich in ihrem Kopf, lässt sie jeden Morgen aufs Neue schaudern. Jeder Tag eine sinnlose Herausforderung.

Ein behagliches Heim hatten sie sich geschaffen. Und um ihre tiefe Liebe zueinander zu krönen, planten sie nun, sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Noch waren sie jung.

Der Traum jetzt zerbrochen! Unerfüllt zerstört! Zerplatzt! Mit leeren Händen und leerem Herzen durchwandert sie rastlos Tag für Tag die leeren Räume. Sie verhöhnen sie unerträglich hartnäckig, ohne jedes Mitleid.

Sie stiert auf das Herbstblatt in ihren Händen, reibt es ruhelos ohne Unterlass. Wischt über das Tränennass.

„Als meine Oma gestorben ist, habe ich auch ganz, ganz doll geweint!“ Sie blickt in ein vertrautes Kindergesicht. Woher kennt sie es? Kleine Hände legen sich sanft auf ihre Knie.

„Im Kindergarten haben sie uns erzählt“, fährt das Kind fort, „warum du nicht mehr zum Vorlesen kommst. Das ist ja schrecklich schlimm! Wir sind alle mit dir ganz furchtbar traurig. Aber kommst du trotzdem wieder? Wir warten so, so sehr auf dich!“

Ihre Vorlesekinder! Natürlich! Mit ihnen hatte sie stets unendlich viel Spaß, so große Freude! Tief waren sie ihr ans Herz gewachsen … damals … Inzwischen sind sie ihrem Gedächtnis entglitten.

„Meine Mama ruft schon nach mir.“ Das Kind zeigt auf eine junge Frau am Ende des Parkwegs, die die Arme lachend schwingt. „Ich muss jetzt weg“, sagt das Kind.

Sie antwortet nicht.

„Kommst du wieder?“, fragt das Kind erneut. Sie zuckt apathisch mit den Schultern, bringt dann ihr hartes einstudiertes Lächeln zustande: „Vielleicht…“

„Bitte! Wir kitzeln dich dann alle auch ganz lange ganz feste. Dann musst du wieder lachen“, ruft das Kind flehentlich.

Für einen Augenblick herrscht Stille. Während das Kind sie unentwegt eindringlich anblickt, widmet sie sich mit gesenktem Kopf erneut dem Herbstblatt.

„Ja“, erwidert sie plötzlich entschlossen, „ich komme bald zu euch!“. Dieses Mal mit einem ehrlichen, weichen Lächeln. Sie weiß, dass sie ihr Wort halten muss, die Kinder nicht enttäuschen darf. Und das wird sie auch tun. Gleich wenn sie nach Hause kommt, wird sie nach neuen lustigen oder verzaubernden Kinderbüchern im Internet surfen und in den nächsten Tagen im Buchladen herumstöbern.

Sie spürt, wie ein winziges Glimmen von Mut in ihrem zersplitterten Herzen aufflammt.

Das Kind springt winkend davon: „Wir kitzeln dich dann ganz, ganz dolle! Versprochen!“, ruft es noch einmal zurück.

Da entringt sich ihrer Brust unerwartet ein kleines, scheues Lachen, fast nur ein Glucksen. Das erste seit unermesslich langer dunkler Zeit…

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Freiheit ist Gerechtigkeit.

„Die Angeklagte wird freigesprochen. Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse.“
Monas Beine zittern, ihre Finger umklammern die hölzerne Anklagebank, damit sie nicht umfällt. Der Richter erzählt jede Menge über Haustyrannen und Notstand. Juristisches Geschwätz, das sie nicht versteht.
„Herzlichen Glückwunsch, Frau Ruß. Sie sind jetzt frei.“
Die Worte von Herrn Spieker, ihrem Verteidiger, klingen mitleidig. Mona nickt mechanisch. Frei. Als sie auf ihre Hände schaut, meint sie, das Blut zwischen ihren weiß hervorstehenden Fingerknöcheln noch zu sehen.

Freiheit ist der Mut der Verzweiflung.

Monas Finger umklammern das Heft des Messers.
Ich bringe dich um. Dieses Mal bringe ich dich wirklich um! Seine Worte hallen durch ihren Kopf. Ihr ist schlecht und ihr zugeschwollenes linkes Auge pocht unangenehm.
„Diesmal nicht“, murmelt sie. Er schnarcht und dreht den Kopf zur Seite. Mona schaut ihn fest an und sticht zu. Mehrmals. Das Laken sieht aus, als sei sein billiger Rotwein darauf ausgekippt. Sie erbricht sich zitternd neben das Bett.

Freiheit ist ein Neuanfang.

Presselichter flammen auf. Mörderin. Mörderin. Mörderin. „Verzweifelte Frau tötet nach jahrelanger Misshandlung ihren schlafenden Mann – und wird freigesprochen.“ Der Reporter zitiert den reißerischen Titel, bevor er ihr das Mikrofon unter die Nase hält.
Herr Spieker schiebt sich zwischen Mona und die Presseaasgeier und bringt sie zu einem Nebenausgang.
„Passen Sie auf sich auf“, sagt er. Mona sieht ihm hinterher und hat keine Ahnung, wohin sie gehen soll. Was sie machen soll. Wie sie auf sich aufpassen soll. Sie lächelt, ganz vorsichtig, als sie nach draußen schleicht, und die Sonne über ihrem neuen Leben lacht.

Freiheit ist eine Bürde.

Mona lächelt die Verkäuferin versteinert an.
„Ich möchte nicht neugierig sein, Frau Ruß, aber…“
Mona will die Hände auf die Ohren pressen, um die Worte nicht mehr zu hören. Frau Weiler möchte nicht neugierig sein. Ebenso wenig wie Frau Müller, die Friseurin und Herr Polka, der Metzger oder Janet, die Fitnesstrainerin. Mona sieht die Neugierde in ihren Blicken, den Ekel, die Faszination.

Freiheit ist eine Illusion.

„Du bist Abschaum.“ Tritt. „Ein Niemand.“ Tritt. „Eine billige Hure.“ Tritt. „Ein nutzloses Dreckstück.“
Ted schwenkt die zerbrochene Weinflasche über ihr. Mona kauert in der Ecke.
„Du wirst mich nie los, nie! Außer du verreckst“, lacht er. Fußtritt. Lachen. Fußtritt.
„Aber selbst dafür bist du zu blöd.“ Rettende Schwärze.

Freiheit ist die bittere Pille der Flucht.

Mona verlässt die Party, auf der sie nur ihrer Freundin Silke zuliebe ist. Silke, die fröhlich lacht und ihr ein Sektglas in die Hand drückt.
„Gut, dass du ihn endlich los bist.“
Silke, die ihren so attraktiven Kollegen aus dem Tennisclub vorstellt und dabei zwinkert. „Hab‘ doch mal Spaß.“, „Lach‘ doch mal.“ „Leb‘ doch endlich.“ Als ob das ginge.
Mona ist so wütend, dass der Kokon der Gleichgültigkeit ein bisschen aufbricht. Nicht viel. Aber so weit, dass die kalte Luft, die vom Rhein weht, hineinkriecht und sie ruft.

Freiheit ist die Verlockung des Loslassens.

Mona sitzt auf dem breiten Geländer der großen Rheinbrücke. Das Wasser lockt mit süßem Vergessen. Komm schon. Du willst doch vergessen. Panta rhei. Alles fließt. Fließ fort mit mir. Sei frei. Keine Blicke mehr, keine Fragen.
„Sie sollten da runterkommen, sonst fallen Sie noch.“
Eine alte Frau mit öliger Mütze und tiefen Furchen im Gesicht zerrt an ihrem Ärmel.
„Was geht Sie das an?“, fährt Mona sie an.
„Ich weiß, wer Sie sind.“ Die Frau mustert sie. Ihr Blick ist wissender, als Mona lieb ist.
„Na toll.“ Mona dreht ihr wieder den Rücken zu.
„Glauben Sie, es ist besser, wenn einen niemand kennt?“, fragt die Frau. Ihre Stimme klingt bitter.
„Dann könnte ich wenigstens neu anfangen“, murrt Mona und sieht sie doch wieder an. Ihr Murren ist halbherzig.
„Man kann das Leben nicht zurückspulen und neu bespielen wie eine alte Kassette. Man kann es nur ändern. So wie Sie damals. Machen Sie doch was draus.“
Ihr Blick gleitet suchend über Monas Gesicht. Die kalte Luft vom Wasser lockt nicht mehr, sie lässt Mona frösteln.
„Geben Sie ihm keine Macht mehr“, sagt die Frau. Dann schlurft sie weiter.
Mona rutscht ein Stück zurück, weg vom Wasser. Sie schaut in den Himmel. Die Sterne leuchten hell in der klaren Nacht. Ab und an werden sie von einer Wolke verdeckt. Es kümmert sie nicht. Sie funkeln einfach weiter und warten, bis die Wolke vorbei zieht.

Freiheit ist der Geschmack der Hoffnung.

„Ich habe beschlossen, es noch mal zu versuchen. Das mit dem Leben. Gewinnen hat Ted nicht verdient“, beendet Mona ihre Erzählung in der Gruppe. Jedes Wort hat ihren Schutzkokon ein bisschen mehr zerrissen, und als er am Ende komplett aufbricht, fühlt sie sich nicht nackt. Sie ist erleichtert. So als hätte er sie gar nicht geschützt, sondern ihre Brust eingeschnürt.
„Das erste Mal ist es am schwersten“, meint Lisa, ein Mädchen mit Narbe auf der Wange und leuchtenden Augen, später zu ihr. „Aber dranbleiben lohnt sich. Es kann auch ziemlich gut sein, das mit dem Leben.“
Mona lächelt ganz leicht. So schmeckt also Hoffnung.

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