Sein Fuß rutschte erschöpft und schwer von den Pedalen, als er oben auf dem steilen Hang angekommen war. Er fuhr sich mit dem Handrücken über die feuchte Stirn, die Augen geschlossen. Müde fiel seine Hand zurück auf ihren Platz am Lenker des grauen Fahrrads. Dessen matte Farbe erinnerte nur noch schwach an den einst silbrigen Schimmer. Das Keuchen, das unregelmäßig seine trockene Kehle verließ, war bereits ruhiger geworden, doch ächzten seine schmerzenden Lungen noch immer mühsam nach mehr Sauerstoff. (mehr …)

“The secrets that old cars would know”
(Marc Cohn, Silver Thunderbird)

Ich bin so müde. Neun Stunden Autobahn fordern ihren Tribut. Die Musik hilft nicht. Auch nicht das heruntergekurbelte Seitenfenster.
Der nächste Parkplatz in tausend Metern. Den Motor aus. Türen verriegeln. Die Sitzlehne nach hinten. Der große Ledersitz der Mercedes-Heckflosse ist beim Fahren eine Plage. Kein Seitenhalt und keine Stütze im Kreuz. Aber man kann sich prima darin räkeln. Ich schlafe fast auf der Stelle ein … (mehr …)

Reisen mit leichtem Gepäck.
Auf die Fallhöhe kommt es an. Ich fliege – ich fliege wieder!
Wäre das Wort „damals“ nicht so albern und abgedroschen, weil heutzutage schon inflationär benutzt bei der Betrachtung von Ereignissen, die erst kurz oder nur wenige Jahre zurückliegen – ja, dann würde ich fast schreiben: Damals …Aber es war in meiner Jugend, als wir fliegen konnten, als ich fliegen konnte. Nein, nicht körperlich, aber in Gedanken waren wir, war ich unbesiegbar, unzerstörbar, frei. Über uns, unter uns, neben uns die Welt, die anderen Menschen. Und wir mittendrin – ganz ohne Alkohol und ohne Drogen, nur das natürliche Individuum im Eigenrausch der Unabhängigkeit. (mehr …)

Alte Liebe rostet doch oder: Warum man Nägel mit Köpfen auf die Spitze treiben muss. Eine Betrachtung aus der Dorfschmiede

In der Schule war ich – nun sagen wir mal – begabt. Ich vertrat die Ansicht, wer übt, kann nichts, und ich brauchte nicht zu üben. Die einzig wirklich vergeigte Prüfung war im Fach Russisch. Ich gab einfach einen leeren Zettel ab. Das aber nur auf ausdrücklichen Wunsch meiner Mutter, die meine arrogante Art zu lernen mit einem Segensfluch belegte. (mehr …)

Liebe ist nicht das, was man erwartet zu bekommen,
sondern das, was man bereit ist zu geben.
(Katharine Hepburn)

Erinnerst du dich noch daran, wie wir uns das erste Mal getroffen haben? Daran, wie du stehen geblieben bist, dich langsam umgedreht hast, nur um zu meinen Augen zurückzukehren? Erinnerst du dich an die Wärme in unseren Blicken? Daran, dass wir beide wussten, dass unsere Seelen verwandt sind?
Ich tue es. Und ich tue es immer noch. Jedes Mal, wenn du mich anlächelst, wenn du mir kurz über den Kopf streichst oder wenn du mich wütend anschreist. Solange du nur da bist, nach der Arbeit zu mir zurückkehrst, ist es egal, was du sagst, egal, was du machst. (mehr …)

Sie schritt an Wochentagen den Weg am Strand entlang. Jeden Abend zur selben Zeit. Gegen sechs Uhr, wenn die Sonne unterging. Sein Boot tuckerte, immer wenn sie gerade vorbei ging, in den Hafen. Er rief ihr „Guten Abend, Frau Eleni!“ zu.

Er war stets gut gekleidet. Jedes Mal begleitete ihn nostalgische Musik aus einem Radio. Frau Eleni wusste, er war einer von der seltenen Sorte. Sie lächelte ihm zu und sagte: „Ihnen auch, Kapitän.“ Ab und zu hatte sie auch den Mops ihrer Nichte dabei, wenn diese bei ihr zu Besuch war. (mehr …)

Alles fühlte sich an wie immer. Paul Weiß zog die wasserdichte Hose mit dem robusten Stoff, den selbst Dornen kaum durchdringen konnten, und seine festen Schnürschuhe an. Darüber die wetterfeste Jacke mit den vielen Taschen, in denen alles Platz hatte, was er brauchte, und seinen Hut mit der breiten Krempe, dem man die vielen Jahre der Benutzung bei jedweder Witterung bereits ansah.
Er freute sich wie ein kleines Kind, dass er wieder in den Wald gehen würde, an die vertrauten Plätze, um Pilze zu sammeln. (mehr …)

Gestern schleppte meine Tochter einen Weidenkorb voller Birnen in unsere Küche.

„Weißt du, wie die heißen?“

„So wie du.“

„Woher weißt du das?“, fragte sie mit einer weiteren Birne in der Hand und schon wieder mit anderen Sachen beschäftigt. Ich schaute auf die Birnen, und meine Gedanken wanderten zu den Obstbäumen in den Garten meiner Kindheit zurück, in dem ich gemeinsam mit meinen drei Geschwistern groß geworden bin.

Beim Verstecken spielen war der Kirschbaum mein Lieblingsversteck, wenn er voller Kirschen hing und die Stare noch nicht eingefallen waren. Da das aber alle wussten, schauten sie dort immer zuerst nach. Ich kletterte also erst über die Apfelbäume. (mehr …)

01 August 1955

Die Menschen hatten sich gerade vom Zweiten Weltkrieg erholt. Deshalb beschloss meine Familie, zur „Feier des Friedens“ nach Italien ans Meer zu reisen. Ein spontaner Kurzurlaub also. Ich freute mich riesig und war froh, so eine Reise mit meinen 15 Jahren schon erleben zu dürfen. Da das eine sehr teure Angelegenheit war, hatten viele meiner Freunde nicht solches Glück und würden es in ihrem Leben wohl auch nie haben. (mehr …)

Da ist er wieder! Einer der Fäden, die sich durch mein Leben ziehen und zu einem der Knäuel gehören, die klein aber geliebt in einer Ecke schlummern. In unbeachteten Momenten tauchen sie wie aus dem Nichts an die Oberfläche und zaubern mir ein Lächeln ins Gesicht. Auch sie sind verantwortlich für die immer tiefer werdenden Falten um meine Augen und Lippen. Die Generation Y würde mir vermutlich die regelmäßige Anwendung einer Creme mit hochkonzentrierten Wirkstoffen und niedermolekularer Hyaluronsäure gegen diese Falten empfehlen. (mehr …)