„Immerhin“, sagt mein Mann, ohne von seiner Zeitung aufzublicken. „Unsere Frau Merkel macht sich Sorgen.“

„Ich auch“, seufze ich.

„Wieso?“, fragt die Stimme hinter der Zeitung. „Was hast du mit den Türken zu schaffen?“

„Mit den Türken nicht, aber mit den Schotten.“

„Die heißen Briten, mein Schatz. Die treten aus der EU aus, nicht die Schotten.“ Raschelnd faltet mein Mann zunächst akkurat die Zeitung und danach seine Hände. „Was gibt es zu essen?“

Ein gutes Stichwort. „Unser Sohn ernährt sich falsch. Und Schuld daran sind seine schottischen Freunde.“

„Briten, sie heißen Briten“, korrigiert mich mein Mann. „Nun, die britische Küche ist nicht die beste, aber …“

„Kurz und gut: Sie bringen ihn um, schleichend.“ Nach achtzehn Ehejahren weiß ich, wie man schlichte Gemüter am ehesten erreicht.

„Was? Wer bringt wen um?“ Die Reaktion meines Mannes entspricht nicht ganz meinen Erwartungen.

„Die Schotten!“

„Muss ich mir Sorgen machen?“

„Nicht nötig, das macht schon Frau Merkel für dich.“

„Ach, Frau Merkel macht sich Sorgen um unseren Sohn?“

Ich schließe kurz die Augen: „Nein, sie sorgt sich für dich um die Türken, und ich mich für dich um unseren Sohn.“

Die Tür öffnet sich, und Leon kommt herein: „Hi Mama, hi Papa! Was gibt’s zu essen?“

„Sohn“, richtet mein Mann beschwörend das Wort an Leon, „deine Mutter macht sich Sorgen, wegen der Schotten, sie wollen dich umbringen.“

„Hä? Wie jetzt?“ Leon plumpst wie ein nasser Sack auf einen Stuhl und mustert fassungslos den Überbringer der Todesnachricht.

Mein Mann hebt abwehrend die Hände. „Zu Details frage deine Mutter.“

„Herrgott! Wie kann man nur derart unsensibel sein?“, tadle ich meinen Mann. „Leon, ich muss mit dir über deine Ernährung sprechen.“

„Und was haben die Schotten damit zu tun?“ Leon erscheint mir bleicher als sonst.

„Na, Mäck Wrapp, Mäck Schicken, und dann dieser Big Mäck. Ihr esst doch ausschließlich Hambürger bei diesem Mäck Donald. Auf Dauer ist das nicht gesund, dieses Fasstfutt!“

„Mama. Du weißt gar nicht, wie lecker das ist.“

Mein Mann hebt den Zeigefinger: „Das sagen die Briten auch, aber die haben schließlich Betonmägen.“

„Siehst du? Papa versteht mich.“

„Schön, dass ihr euch so einig seid, dann kocht Papa ab heute.“

Der Zeigefinger meines Mannes sinkt langsam herab: „Äh …“

„Mama, das kannst du mir nicht antun!“, protestiert Leon.

Das werte ich jetzt mal als Kompliment. Dennoch setze ich ein schmollendes Gesicht auf.

„Bitte, Mama“, bettelt Leon, „ich helfe dir auch beim Kochen!“

Das überrascht mich.

„Also, ich finde den Vorschlag sehr gut“, pflichtet mein Mann seinem Sohn bei.

Das überrascht mich nicht.

„Dann fangen wir sofort damit an!“, fordere ich Leon auf, seinen großen Worten ebensolche Taten folgen zu lassen.

Während mein Mann tiefenentspannt an seinem Platz verharrt, bewegt sich Leon mit einer für einen Pubertierenden geradezu atemberaubenden Geschmeidigkeit in die Küche. Getrieben von der Vorstellung, sein Vater könnte es sich anders überlegen, macht sich mein Sohn augenblicklich über die Zutaten unseres Mittagessens her. Meine klugen Vorbereitungen, die meiner weiblichen Intuition entspringen, tragen ihren Teil zum Gelingen bei.

Wenig später beobachte ich mit Zufriedenheit, wie mein Sohn drei seiner selbstgebauten Hambürger verdrückt. Sogar mit Tomate und Salat!

„Und?“, frage ich Leon. „Hat es dir geschmeckt?“

„Mama.“ Nie zuvor habe ihn das Wort in einer solch bedeutungsschweren Art sagen hören. „Das war der beste Burger, den ich seit langem gegessen habe!“ Er formt Zeige- und Mittelfinger zu einem „V“. „Mega!“

Gerade will ich mich an meinem Erfolg erwärmen, da fährt mir mein Mann in die Parade: „Aber nicht besser als beim Schotten!“ Er leckt sich die Reste seines Mittagessens von den Fingern und schaut sich nach einer Serviette um.

Es ist mein kluger Sohn, der mir zur Seite steht: „No Problem, Mama, den kannst du gern nochmal machen!“

Bevor Leon sich in sein Zimmer zurückzieht, schlägt er mir zum Dank kräftig auf die Schulter. Wenn ich ihn aus den Klauen seiner schottischen Freunde befreien kann, will ich es ihm gern nachsehen.

Kurz vor dem Abendessen steckt Leon seinen Kopf durch die Tür: „Tschüs, Mama, ich treffe mich mit Tim!“

„Halt!“, stoppe ich seinen Fluchtversuch. „Und was ist mit Abendessen? Ich habe von heute Mittag noch …“

„Mama, chill mal! Ich esse bei Mecces!“

Der Blick meines Sohnes erinnert mich an meine Mutter, wenn sie aus dem Beichtstuhl kam, nachdem der Pfarrer ihr die Absolution erteilt hatte. ‚Auf zur nächsten Sünde‘, sagte ihr Lächeln. Die Haustür fällt ins Schloss. Ich platze vor Wut und schlinge meine Hände um den Hals von Big Mäc. Ein Röcheln reißt mich aus meinen Mordfantasien.

„Was soll das?“, stöhnt mein Mann.

Ich löse meinen Griff. „Oh, entschuldige, ich dachte …“

Es ist zu spät. Big Mäc hat gewonnen, weder die Kraft meiner Hände noch meine weibliche Intuition kann ihn stoppen. Und der Herrgott schon mal gar nicht. Ich sperre Leon ein, im Keller, drohe ihm mit den schrecklichsten Folterqualen, sollte er noch ein einziges Mal …

„Du hast mich beinahe umgebracht“, beschwert sich mein Mann.

„Typisch!“, fauche ich zurück. „Du denkst nur an dich, während ich versuche, unseren Sohn zu retten!“

„Ah, verstehe, du hättest gern diesen Schotten gewürgt.“

Seine erstaunlich scharfe Analyse stimmt mich versöhnlich: „Ich denke, wir haben uns etwas Leckeres verdient.“

Zwei Stunden später haben wir unser Abendessen durch eine halbe Flasche Eierlikör ersetzt, als sich die Haustür öffnet und Leon hereinkommt. Er sieht sehr blass aus.

„Was macht ihr denn da?“, fragt er erstaunt.

„Ach, wir feiern die Schotten und Papas Überlebenskampf“, erkläre ich ihm. „Du siehst gar nicht gut aus, mein Junge!“

Leon setzt sich. „Mama, ich glaube, ich gehe nicht mehr zu ‚Mecces‘. Danach ist mir immer so schlecht.“

Mein Mann schaut Leon an, als hätte er ihn beim Klauen erwischt. Ich hingegen würde am liebsten auf die Knie sinken und dem Herrn danken.

Wenn er nur kein Mann wäre.

 


Vita Alf G. Hauser

*1964, verheiratet, vier Kinder, ein Hund

Nach verschiedenen Schreibkursen bei einer Autorin (autobiografisches Schreiben, Kurzgeschichten, Romanwerkstatt) gehört das Schreiben von Kurzgeschichten seit einigen Jahren zu meinen Hobbys. Ein Quell meiner Ideen sind mir dabei meine drei pubertierenden Söhne. Grundlage für „Fastfood“ sind ihre sehr speziellen Ernährungsgewohnheiten. Es war einer meiner Söhne, der mich mit damit überraschte, dass er seinen Lieblings-Burgerladen in Zukunft meiden wolle! Und es klang fast zu schön, um wahr zu sein …

Aufreizend, als hätte er eine mit Diamanten verzierte Kette in der Hand, wedelte Jürgen mit dem Autoschlüssel vor den Augen seiner Ehefrau. Gabi zog schmallippig die linke Augenbraue hoch. Gleichzeitig tippte sie mit der Fußspitze hektisch auf und ab.
„Warum hältst du mir verführerisch den Autoschlüssel vor die Nase? Oder sind das erste Anzeichen einer Parkinson-Erkrankung?“, fragte die Mittfünfzigerin mit der kurzen Bobfrisur.
Jürgen verdrehte genervt die Augen.
„Du darfst fahren.“
„Bist du krank?“
Gabi kratzte sich nachdenklich am Kopf. Jürgen und sie waren seit 28 Jahren verheiratet, und zu keinem Zeitpunkt saß die Mittfünfzigerin hinter dem Steuer, wenn sie gemeinsam unterwegs waren. Niemals würde ihr Angetrauter freiwillig seinen angestammten Platz in der Kommandozentrale des Wagens aufgeben. Bisher nahm die Frau mit dem üppigen Busen an, dass sie noch auf dem Totenbett ihrem kahlköpfigen Ehemann den Schlüssel aus der starren Hand entreißen müsste.
Gabi runzelte nachdenklich mit der Stirn.
„Ich soll heute Auto fahren? Kommst du nicht mit zu Britta und Klaus? Klaus wollte dir seine brandneueste Errungenschaft präsentieren: einen Oldtimer. Britta klagt, dass sie ihren Mann seit Monaten nur als ein paar Beine wahrnimmt, die unter einem alten Mercedes hervorschauen.“
Jürgen streichelte über seine Wohlstandskugel. Er kniff die Lippen zusammen. Dann hielt er erneut den Schlüssel in die Höhe, als würde er eine hüftschwingende brasilianische Tänzerin in der Hand halten.
„Du solltest öfter Auto fahren. Wegen der Fahrpraxis. Dann wirst du souveräner.“
Gabi verschränkte die Arme vor ihrem ausladenden Busen.
„Ich fahre selbstbewusst und kompetent. Ausgesprochen kompetent. Ich sorge für ausreichend Abstand und nutze die rechte Spur. Kennst du die rechte Spur?“
Jürgen grinste.
„Hat sich bei mir noch nicht persönlich vorgestellt.“
Gabi verdrehte ihre Augen und begab sich auf die Beifahrerseite.
„Hör auf mit dem Quatsch. Wir müssen los. Britta mag es nicht, wenn Gäste zu spät kommen, und Klaus wollte eine Spritztour mit dir unternehmen. Du darfst seinen Oldie fahren.“
Schwungvoll riss Gabi die Tür auf, warf ihre Handtasche auf die Rückbank und klopfte auffordernd auf den Fahrersitz. Jürgen biss auf seiner Unterlippe herum. Er saugte bis zum Bauchnabel die Luft ein und ließ sie langsam über die Nasenlöcher entschwinden.
Gabi drückte auf die Hupe und schrie: „Brauchst du eine Extra-Einladung? Was ist denn heute los mit dir?“
Jürgen schlurfte auf die Beifahrerseite und hielt Gabi erneut den schwingenden Autoschlüssel unter die Nase. Mit hochgezogener Augenbraue beäugte sie zuerst den Schlüssel, dann ihren Ehemann, der sie mit einem ausladenden Lächeln, das scheinbar auf seinem Gesicht eingefroren war, anstrahlte.
„Willst du mir mit deiner hektischen Handbewegung zu verstehen geben, dass ICH heute Auto fahren darf?“
Jürgen nickte.
„Du willst es dir auf dem Beifahrersitz bequem machen, während ich auf der rechten Seite fahre, mich an die Geschwindigkeit halte und meinem Vordermann nicht in den Kofferraum krabbel?“
Ein dicker Kloß saß in Jürgens Hals. Eine Antwort wollte nicht über seine Lippen kommen. Er war einzig in der Lage, seinen Kopf auf und ab zu bewegen.
Gabi kniff die Augen zusammen, stieg schwungvoll aus dem Auto, schnappte sich den Schlüssel und nahm den Fahrersitz in Beschlag. Sie rückte den Sitz in die passende Position und richtete den Innenspiegel aus. Schweigsam rutschte Jürgen auf den Beifahrersitz.
„Deine Kommentarfunktion bleibt heute ausgeschaltet. Hast du mich verstanden?“, warnte Gabi ihren Ehemann.
„Ja“, gab er kleinlaut von sich. „Ich sitze in aller Seelenruhe neben dir, lasse die Landschaft an mir vorbeiziehen und wechsle bei Bedarf den Radiosender.“
Gabi musterte die Gesichtszüge ihres Mannes, konnte aber keine Kennzeichen einer Krankheit oder beginnenden Wahnsinns erkennen. Just wollte sie den Motor starten, als die Neugierde sie überfiel.
„Spucks aus. Eher fahre ich nicht los.“
„Was ist denn daran derart seltsam, wenn ich die Emanzipation unterstütze und du dir das Steuer überlasse.“
Gabi lachte höhnisch auf.
„Weil es das erste Mal in 28 Jahren ist, dass du, mein Lieber, freiwillig mir den Autoschlüssel in die Hand drückst. Was verheimlichst du vor mir?“
„Nichts.“
„Du warst schon immer ein hundsmiserabler Lügner.“
Aber schlagartig ging Gabi ein Licht auf. Der Brief vom Kraftfahrtbundesamt, adressiert an Jürgen, lag vor zwei Tagen im Briefkasten. Den hatte sie komplett vergessen, nachdem ihr Gatte etwas von „Kfz-Steuer“ gemurmelt hatte und in seinem Arbeitszimmer verschwand. Mit dem rot lackierten Fingernagel des rechten Zeigefingers traktierte sie Jürgen an der Schulter. Er wackelte mit der Nase, wobei sein Schnurrbart sich wie eine dicke Raupe zu bewegen schien. Dann kratzt er sich am Kinn und zog sein Portemonnaie aus der linken Hosentasche. Er schaute Gabi in die olivfarbenen Augen und formte seinen Mund zu einer Schnute.
„Wusstest du, dass die Werrastraße jetzt eine 30er Zone ist?“
„Als Radfahrerin wider Willen ist mir das noch nicht aufgefallen. Wieso?“, fragte Gabi. Aber in ihrem Kopf setzten sich langsam die Puzzleteile zusammen. Eine Woge der Erheiterung flutete von der Bauchmitte aus ihren Körper. Sie fing schallend an zu lachen, wobei ihr fülliger Busen auf- und abwippte. Nach Luft japsend fragte sie ihren Ehemann:
„Zum wiederholten Mal Formel-1-Rennfahrer gespielt?“
„Nur 35 km/h zu schnell“, knurrte Jürgen, der ihr zeitgleich sein geöffnetes Portemonnaie präsentierte, in dem eine unübersehbare Lücke das Fehlen des Führerscheins verdeutlichte, „vom Formel-1-Tempo war ich meilenweit entfernt.“
Gabi tätschelte Jürgen sanft den Oberschenkel, zwinkerte ihm aufmunternd zu und drehte den Zündschlüssel um. Mit einem breiten Lächeln im Gesicht bugsierte sie den Wagen in Richtung Autobahn.
Für den kommenden Monat hätte sie das Sagen in der Kommandozentrale.
Unverhofft kommt oft.

 


Vita

 

Endlich abheben

In ihrer Arbeit verlor Nina oft die Zeit. Die Stunden, Minuten und Sekunden purzelten dann einfach so aus ihrem Kopf heraus, flogen eine Weile durch die Gegend. Mehr als nur einmal hatte Stefan dann das Pflegeheim nach ihr abgesucht. Ein Wunder eigentlich, dass trotz der schweren Aufgaben, die die Pflegerin zu erledigen hatte, der Feierabend von ihr nicht sehnlichst herbeigewünscht wurde.
„Nina, da bist du ja! Schatz, weißt du noch, wir waren zum Essen verabredet“, sagte Stefan schmunzelnd zu seiner Freundin, die im weißen Pflegegewand einer alten Frau in ihr Zimmer half.
„Siehst du – ich sag ja, du hast etwas Besseres zu tun, als mit mir herumzuspazieren“, murmelte die grauhaarige Dame an ihrem Arm.
Nina ignorierte sie, lächelte entschuldigend dem Mann zu, der schon lange aufgegeben hatte, pünktlich bei einer Einladung, in einem Restaurant oder im Kino zu erscheinen.
„Einen Moment, ich bringe Frau Riedl in ihr Zimmer.“
„Schätzchen, die zwei Meter schaffe ich auch mit dem Stock allein – geh ruhig, ich bin morgen genauso da. Ich habe es dir ja gesagt, ich sterbe nicht, bevor ich nicht einmal die Welt von oben gesehen habe. Einmal fliegen … ach“, seufzte Maria Riedl, während sie sich ihren Worten zum Trotz fest an Ninas Arm klammerte.
„So, da wären wir. Ich komme morgen wieder zu Ihnen. Wenn das Wetter passt, gehen wir dann draußen spazieren. Ist ja schön zwischen den Apfelbäumen. Wo würden Sie denn hinfliegen? Ist doch viel gemütlicher hier …“, lächelte Nina geduldig, die den Herzenswunsch der Dame jeden Abend zu hören bekam.
„Na, das ist egal. Einfach einmal die Welt von oben sehen. Ich hätte es viel früher tun sollen, aber es ist nie zu spät. Besser spät als gar nicht. Besser, ich sterbe in der Luft, als mein Leben lang den Boden nicht verlassen zu haben“, erklärte Maria Riedl und ließ sich in ihrem Lesestuhl nieder. „Ich habe dich viel zu lange aufgehalten, Schätzchen, dein Kavalier wartet.“ Mit einem tadelnden Blick fügte sie hinzu: „Wenn du ihn noch länger stehen lässt, sucht er sich vielleicht einmal eine, die ihre Zeit nicht mit alten Frauen wie mir vergeudet.“
Nina schüttelte nur den Kopf, zwinkerte der alten Dame liebevoll zu. Diese wusste ganz genau, dass ihre Pflegerin ihre Lebenserfahrung, ihre Geschichten und Gedanken sehr wohl wertschätzte.

Den Kopf hinter der Speisekarte, legte sich Stefans Stirn in Falten.
„Sag schon, was los ist! – So lange hast du noch nie die Speisekarte studiert!“, forderte Nina ihn auf, nachdem ihm sogar ein tiefer Seufzer entfahren war.
Als würde er hinter einem Schutzschild hervorlugen, ob die Luft tatsächlich rein sei, ließ er langsam die Speisekarte sinken. „Es ist … Diese alte Frau … Ich kann ihren Wunsch zu fliegen irgendwie verstehen. Die Lüfte erobern – der Traum der Menschheit!“ Stefans Gedanken waren unsortiert, trotzdem hatte Nina eine wage Ahnung, worauf er hinaus wollte. Ein bisschen musste sie ihn davor jedoch necken: „Du hasst das Fliegen! Jedes Mal, wenn wir auf dem Weg in den Urlaub sind, beschwerst du dich über die schlechten Airlines, das miese Essen, die trockene Luft …“
„Das ist etwas völlig anderes!“, murmelte er, sah den süffisanten Gesichtsausdruck seiner Freundin und musste lachen. „Da nimmst du mich einfach auf den Arm“, beschwerte er sich, „dabei weißt du immer genau, was ich meine!“
„Ja, du hast Recht … Ich würde ihr ihren Wunsch auch gerne erfüllen, aber sie hat keine Verwandten, die mit ihr fortfliegen würden, und außerdem das lange Warten bei den Sicherheitskontrollen und die unbequemen Sitze und … Ich fürchte einfach, dass es zu viel für sie wäre!“ Ninas Gesicht nahm einen sorgenvollen Ausdruck an.
„Ich glaube, ich habe da eine Idee!“, entwich es Stefan. „Erinnerst du dich an meinen Freund Paul?“
Seine Freundin nickte irritiert.
„Er besitzt ein Sportflugzeug für zwei Personen. Und wenn ich mich nicht täusche, macht er immer bei so einem Benefiz-Fliegen mit. Für behinderte Kin … Ich meine für Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Vielleicht kann ich da mit seiner Hilfe auch etwas für alte Menschen arrangieren …“
Ninas Augen weiteten sich. In einem plötzlichen Glücksrausch beugte sie sich über den Tisch und küsste ihn leidenschaftlich. „Stefan, du bist der Beste! Das würde Maria wirklich die Welt bedeuten!“, japste sie voll Freude.
„Lass mich nur schnell telefonieren … Und bestell mir die Spaghetti Carbonara, falls der Kellner kommt.“
„Wusste ich doch, dass du in Wahrheit genau weißt, was du willst!“, schmunzelte Nina, während er, das Handy aus der Hosentasche fischend, aus dem Restaurant marschierte.

„Willst du es ihr sagen, oder darf ich?“, fragte Stefan mit dem breitesten Grinsen im Gesicht.
„Ich will auf alle Fälle dabei sein!“
„Okay, zusammen?“
„Zusammen!“
Das junge Pärchen marschierte freudestrahlend durch den Speisesaal des Pflegeheims.
„Was grinst ihr denn so hämisch, ihr Turteltäubchen?“, fragte Maria Riedl.
„Wir haben gute Neuigkeiten“, meinte die Pflegerin und lächelte, als wäre es ihr eigener Herzenswunsch, der am nächsten Wochenende in Erfüllung gehen würde.
„Hat er endlich gefragt?“, strahlte die alte Dame. „Ich wusste es, ich wusste es – dass ihr doch heiratet! Dass ich das noch erleben darf!“, freute sich Maria Riedl.
Stefan – knallrot angelaufen – erklärte: „Nein, nein, wir wollen nicht …“
„Das ist zurzeit noch überhaupt kein Thema“, protestierte Nina.
„Aber darum geht es ja gar nicht“, widersprach der Mann.
„Was ist es dann?“, nuschelte Maria, nahm sich daraufhin sofort das unangenehm sitzende Gebiss aus dem Mund.
„Ich habe mit einem guten Freund gesprochen – er besitzt ein Flugzeug, und er hat sich bereit erklärt, Sie für eine Runde über die Stadt mitzunehmen, wenn Sie möchten!“, verkündete Ninas Freund feierlich.
Plötzliches Schweigen erfüllte den Tisch. Marias Augen wurden feucht – dann brach sie in schallendes Gelächter aus. Die Tränen strömten über ihre runzeligen Wangen, die Augen waren nur kleine Schlitze, kaum zu erkennen im faltenüberzogenen Gesicht. Aus dem offenen Mund ragten die wenigen Zähne der 96-jährigen Frau.
Stefan und Nina wechselten einen Blick, der sagte: „Jetzt hat sie den Verstand verloren. Vielleicht war das gar keine gute Idee!“
Das Gelächter hielt an. Zuerst starrte der ganze Raum irritiert zu dem Trio hinüber, dann – nach und nach – stimmten alle – angesteckt von Maria Riedls herzhaftem Gelächter – mit ein.
Erst Minuten später hatte sich die Lage beruhigt, die alte Frau stopfte sich ihr Gebiss zurück in den Mund.
„Das ist ein Wunder! Damit habe ich beim besten Willen nicht mehr gerechnet habe. Ich? In einem Flugzeug?“ Kaum hatte Maria die Worte heraus gepresst, brach sie erneut in schallendes Gelächter aus.
Wieder sahen sich Nina und Stefan an. Dieses Mal war es der Ausdruck, den zwei Menschen teilen, wenn sie etwas wahrlich Gutes zusammen vollbracht hatten.


 

Vita

Viola Rosa Semper, geboren 1996 in Horn, pflückt Ideen aus dem Reich der Fantasie, um sie in die Nährböden eurer Gedächtnisse zu pflanzen und zu pflegen, bis eine ganze Geschichte daraus wächst. Seit 2017 tut sie das hauptberuflich als freischaffende Schriftstellerin und Texterin.
Erzählt wurde allerdings schon viel früher – noch bevor Viola Rosa selbst schreiben konnte, purzelten Märchenfiguren und Abenteuer aus ihrem kaum zu stoppenden Mundwerk. Seit 2015 werden regelmäßig einige ihrer Kurzgeschichten und Gedichte in verschiedenen Anthologien veröffentlicht, darunter auch „Das alte Fotoalbum“, das den
1. PERGamenta Publikumspreis gewann.
Weitere Texte der in Horn und Wien lebenden Schriftstellerin sind auf http://viola.semper.at zu lesen. Außerdem verfasst sie regelmäßig Reiseblogeinträge für ihren Reiseblog.

Instagram: http://instagram.com/violasemper
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Website: http://viola.semper.at
Reiseblog: http://violas-reiseblog.blogspot.com

Gestern hatte Ralf seinen Bruder nach Hause geholt. Als er nun, das Tablett in den Händen balancierend, durch den holzvertäfelten Flur schritt, kam ihm das Haus bereits verändert vor. Es war noch immer dunkel, groß und voller Staub. Doch es war Leben zurückgekehrt. Wenn auch nur für kurze Zeit.
Die wehenden Vorhänge begrüßten ihn. Langsam ging er auf die Terrassentür zu, spürte bereits die Wärme, die ihre Finger nach ihm ausstreckte.
Draußen empfingen ihn ein Rauschen und Zwitschern und Zirpen, ein Tanz und ein Reigen und Leben. All diese Farben. Für einen Moment blieb er stehen. Der Himmel. Gebadet in ein tiefes Rosa, ein flüchtiges Lila. Davor die schwingenden Baumwipfel, die Blumenbeete. Die Bienen und Hummeln, die von Blüte zu Blüte hüpften, die einen verträumt summend, die anderen angestrengt brummend.
Gerüche. Der undefinierbare Geruch von Wärme, die Süße der Blumen, der Rauch des Grills vom Nachbarn. Ein Sommerabend. Ein wunderschöner –
„Verdammte Scheiße.“
Ralf erschreckte sich so sehr, dass er beinahe das Tablett fallenließ. Nur mit Mühe gelang es ihm, es mit einem lauten Klirren unsanft auf dem Glastisch abzusetzen, ehe er sich vorwurfsvoll zu dem Liegestuhl umdrehte, auf dem sein Bruder vorgeblich schlief. Doch Karl sah ihn hellwach an, die dunklen Augen bohrten sich feurig und drängend in seine.
„Warum kann ich nicht im Winter sterben? Was soll denn das? Da fühlt man sich doch wirklich verarscht.“
Ralf drehte sich wortlos um und goss seinem Bruder ein Glas Wasser aus der Karaffe ein. Dann setzte er sich neben ihn.
„Versuch es zu genießen. Es gibt nichts schöneres als das hier, meinst du nicht auch?“, murmelte er schließlich.
„Ach hör mir auf damit.“, winkte Karl unwirsch ab. „Da will mich jemand verkackeiern und ich weiß es.“
Ralf schwieg, hatte er doch in den letzten 65 Jahren gelernt, dass man mit seinem Bruder nicht diskutieren musste. 65 Jahre. Das war einiges. Bald würde es niemanden mehr geben, den er so lange kannte.
Da saßen sie nun beide und hingen ihren Gedanken nach. Irgendwann streckte Ralf die Hand zur Seite und streichelte das warme Fell des Collies, der zwischen ihren Stühlen auf seiner weichen Decke lag. Müde hob Balu den Kopf und blinzelte ihn an, ehe er seine Schnauze mit einem lauten Seufzen wieder in eine Falte in seiner Decke steckte. Karl hatte es nicht ausgesprochen, bis heute nicht. Aber Ralf wusste: Das war das schlimmste für ihn. Den Hund im Stich zu lassen, nachdem Balu in seinem ganzen Hundeleben nicht ein einziges Mal von Karls Seite gewichen war. Ralf konnte das nicht von sich behaupten, und er bedauerte es. Aber 65 Jahre waren eine lange Zeit. Menschen machten Fehler, sie lebten sich auseinander, sie empfanden Neid und Eifersucht. Sie hatten Geheimnisse.
Der Himmel wurde dunkler, die Bienen und Hummeln ruhiger. Derweil nahm das Zirpen zu, es schien die Luft zu füllen. Dazu sangen die Vögel.
„Es… gibt einen Grund, warum ich nie geheiratet habe.“
Fast hoffte Ralf, sein Bruder würde schlafen. Er hatte leise gesprochen, absichtlich, damit sein Bruder ihn nicht hörte. Doch als er zu ihm hinübersah, blickte er wieder in Karls dunkle Augen.
„Denkst du noch immer, das wüsste ich nicht?“ War es ein Lächeln, das Karls Lippen umspielte? Genau konnte Ralf es nicht erkennen, dazu war es bereits zu dunkel. Nun folgte ein Hustenanfall seines Bruders, nach dem dieser sich halb aus seinem Stuhl erhoben hatte, um mit den Fingerspitzen nach der Zigarettenpackung zu fischen, die auf dem Tisch lag. Als er sich schließlich Eine zwischen die Lippen geschoben und angezündet hatte, sah er wieder zu seinem Bruder hinüber und lachte keckernd, als er Ralfs missbilligenden Blick sah.
„Du wirst einem sterbenden Mann doch wohl nicht seine einzige Freude verbieten? Wo ich mir nun Schwester Mariannes schwingenden Prachthintern nicht mehr jeden Tag ansehen kann?“
Ralf warf nur die Hände in die Höhe und schwieg. Das war nun wirklich eine Diskussion, die keinen Sinn hatte.
„Aber nun zu dir.“, nahm Karl das Gespräch nach einigen tiefen Zügen wieder auf. „Du warst gerade mitten in deiner Lebensbeichte. Bitte, ich will dir das Vergnügen nicht nehmen.“ Wieder lachte er. Dieses ansteckende, freche Lachen. So hatte er bereits als Knabe gelacht, und so lachte er noch heute.
„Es… es ist nicht so wichtig.“ Der Mut hatte Ralf verlassen. Sie sollten endlich miteinander reden, über alles. Das hatte er sich vorgenommen. Dafür mussten sie die nächsten Wochen nutzen. Doch nicht heute Abend. Bloß nicht.
„Natürlich ist es das.“ Karl trat die Zigarette mit seinem braunen Schlappen auf den Steinen aus. „Erstaunlich, dass ich das überhaupt noch erleben darf.“, er klatschte kurz in die Hände. „Seit so vielen Jahren warte ich darauf, dass du mir erzählst, dass du eine Schwuchtel bist, und nun, wo ich in den letzten röchelnden Zügen liege, willst du einen Rückzieher machen?“
Das Rauschen der Bäume, das Zirpen der Grillen. Und doch nahm Ralf nur vollkommene Stille war. Er war froh über die Dämmerung, froh, weil sein Bruder sein Gesicht nicht richtig sehen konnte.
„Du…“, setzte er schließlich an, aber Karl unterbrach ihn sogleich.
„Mensch. Natürlich habe ich es gewusst. Und ich weiß nicht einmal seit wann. Es war einfach immer da. Aber du kriegst ja das Maul nicht auf. Ein sterbender Mann hat nicht viel Zeit, du Egoist.“ Er lachte. Ralf spürte, wie die Anspannung von ihm abfiel. Ein Kribbeln breitete sich in seinem Nacken aus.
„Ich habe so viel nachgedacht in den letzten Monaten. Warum spricht man denn nicht miteinander? Warum fragt man nicht mehr? Warum vergeht ein ganzes Leben, bis man Dinge ausspricht? Warum muss erst einer von uns sterben? Warum?“ Bei den letzten Worten war Karls Stimme nur noch ein Krächzen. Wieder begann er zu husten, diesmal dauerte der Anfall länger. Danach lehnte er sich in seinem Stuhl zurück, strich sich fahrig über die Stirn und murmelte schließlich etwas, das verdächtig nach „Verdammte Scheiße“ klang.
„Du… es macht dir nichts aus? Ich meine… es hat dich nie gestört?“ Ralf fiel erst jetzt auf, dass er nervös an dem Bändchen herumzupfte, mit dem das Sitzkissen an seinem Stuhl festgebunden war. Er versuchte es zu unterlassen, fing jedoch Sekunden später von neuem an.
„Hätte ich dich sonst abkommandiert, um mich zu pflegen und mir den Hintern abzuwischen?“ Wieder dieses Lachen. Doch schon bald ging es erneut in den Husten über, den krachenden, hässlichen Husten. Laut und zerstörend und böse. Am Ende dieses Anfalles sagte Karl nichts mehr. Er saß nur dort, den Kopf leicht nach vorn gebeugt. Ralf sah in der Dunkelheit nur seinen Umriss, dennoch spürte er, dass die Kraft seinen Bruder verlassen hatte. Plötzlich und ohne Vorwarnung wurde er von einer Welle der Zuneigung erfasst, wie er sie schon lange nicht mehr empfunden hatte.
„Ich bring euch ins Bett. Na kommt.“ Karl widersprach nicht, als Ralf ihm unter die Arme griff und ihn aufrichtete. Das war ein deutliches Zeichen dafür, wie erschöpft er war. Ralf spürte, wie sein Bruder sich gegen ihn lehnte, als er ihn ins Haus geleitete. Drinnen war es still. Nur Balus Krallen verursachten ein Klackern auf dem Parkett, als er ihnen unaufgefordert folgte.

Ralf blickte auf den Stuhl neben sich. Er war seit dreizehn Tagen leer. Langsam erhob er sich. Das Knacken seiner Knie weckte Balu, der nun ebenfalls aufstand. Zärtlich fuhr Ralf durch das Fell des Hundes, während dieser seinen Kopf an Ralfs Bein rieb. Nach einer Weile gingen sie gemeinsam ins Haus.


Vita

Leander Milbrecht ist 26 Jahre alt und lebt seit fünf Jahren in Berlin. Er hat an der Freien Universität Germanistik studiert und jobbt derzeit in einer Bar. Die vielfältige Inspiration, die Berlin einem bietet und die Hassliebe, die sie in einem weckt, verarbeitet er in seinen Geschichten.

Seine Mutter reichte ihm das Kuvert.
Er öffnete es.
Es war ein Trauerbillett, umrahmt mit einem schwarzen Rand. Ein Zwanzig-Euro-Schein war darin. Irritiert las er:

Du hast all mein Mitgefühl!
Dann nahm er verwundert den Zwanziger heraus. “Was soll denn das?“
„Ja, und der Hunderter? Wo ist denn der Hunderter?“, fragte sie erschrocken.
Er wedelte mit dem Schein. „Es war nur der drinnen!“
„So was! Das ist mir aber zu blöd. Ich muss die Kuverts verwechselt haben!“
Er sah sie verständnislos an.
„Nein, dass mir so etwas passiert!“, meinte sie. „Einer Bekannten, der Sophie, ist doch der Mann gestorben. Ich muss ihr dein Kuvert geschickt haben.“
„Na, dann nehm ich mal den Zwanziger. Danke Mutter.“
„Was sich die denken muss!“
„Wieso? Ein Hunderter ist doch nicht schlecht!“
„Na, was ich auf das Billett geschrieben habe.“
„Was denn?“
Sie schüttelte nur den Kopf. „Soll ich sie anrufen?“, fragte sie dann. „Die Sophie.“
„Keine Ahnung“, meinte er nur und wandte sich wieder seiner Zeitung zu.
„Die wird meinen, dass ich geschmacklos bin.“
„Höchstens senil.“
„Ja! Senil! Wenn man alt ist, ist man gleich senil heutzutage.“
„Was stand denn drauf? Sag halt.“
„Ich hab die Karte schon länger in der Schublade gehabt. Ich weiß gar nicht mehr, was drauf war. Sie war halt bunt und lustig. Ich glaub, es stand Alles Gute darauf, oder Glückwunsch. Mein Gott! Und ihr Mann ist gerade gestorben. Ist das peinlich!“
„Schon gut. Du bist vierundachtzig, Mutter.“
„Versauf das Geld aber nicht gleich! Hab ich dazu geschrieben.“
„Na, die wird schauen, wenn sie das liest. Die Sophie.“ Er lachte, sah dann von seiner Zeitung auf. „Was heißt da: Versauf das Geld aber nicht gleich?“
„Sieh dich doch an! Eine Wampe hast du! Willst du mir sagen, das kommt nicht vom Saufen?“
„Hör mal, Mutter …“
„Ich geb dir doch nicht Geld, damit du es zum Wirt trägst. Du sollst was Sinnvolles damit machen, das habe ich damit gemeint.“
„Mit dem Hunderter, den deine Freundin Sophie hat?“
„Genau! Jetzt halt nur mit dem Zwanziger von ihr. Die Sophie säuft ja nicht. Und so ein Begräbnis kostet. Das weiß ich nur allzu gut. Wie mein Franzl damals starb … das war nicht leicht. Der Zwanziger hätte ihr schon geholfen.“
Pause.
„Wampe!“, wiederholte er geistesabwesend ihre Worte und starrte in die Zeitung.
„Seit du in Pension bist, seh ich dich überhaupt nicht mehr. Du könntest mich ja wieder einmal besuchen“, meinte sie, schlürfte den letzten Rest Kaffee und stellte scheppernd die Tasse ab. „Ich geh dann wieder. Mein Zug fährt. Du kannst dich von deiner Zeitung eh nicht trennen.“
Er stand genervt auf und umarmte sie kompliziert.
„Verlauf dich nicht auf dem Weg zum Bahnhof.“
„Könntest mich ja begleiten. Deinem Bauch würde es auch nicht schaden.“
„Du hast ja Recht. Ich besuch dich. Bald. Versprochen.“
„Das ich das noch erleben darf. Nächste Woche?“

Er nickte, gab ihr einen Kuss auf die Stirn. „Ja, nächste Woche.“

„Bist ein braver Bub.“
Dann trat sie einen Schritt zurück und besah sich ihren Sohn nochmals eingehend.
„Ich bin mir sicher, dass du dein Zipferl gar nicht mehr siehst beim Lulumachen“, sagte sie dann kopfschüttelnd.

 


 

Vita Andreas Perner

Schreiben ist Telepathie (lt. Stephen King, und er hat natürlich Recht). Ich bin gespannt, welche Gechichten von mir die Zeit überstehen!

Was gebe es über mich, als Autor, zu sagen?

Z.B. dass ich seit ziemlich genau drei Jahren wieder schreibe (nachdem ich als 17 Jähriger damit aufgehört habe). In diesem Frühjahr eine meiner Kurzgeschichten in einer Anthogie erschienen ist. Und ich mit Freude weiterhin dran bleiben werden. Und einen Verlag für einen Roman/Erzählung suche, wenn jemand also einen wüsste …

 

 

Wir kannten ihn schon, als wir noch Kinder waren. Er war mit unserem Dorf verwachsen; kein Tag verging, an dem er nicht über unseren Marktplatz den Hügel hoch zur Kirche St. Gertraud geeilt wäre, unter buschigen Augenbrauen auf seinen Weg starrend, den Mund zusammengepresst.

Wenn wir ihm so nahe kamen, dass wir den muffigen Geruch, der seinem Umhang entströmte, wahrnehmen konnten, scheuchte er uns knurrend mit einer heftigen Armbewegung wie lästige Fliegen zur Seite. Nie habe ich ihn lächeln sehen, nie ein freundliches Wort an jemand richten hören. Und das will etwas heißen, stand er doch bei allen kirchlichen Festen dem Pfarrer zur Seite, Jahr um Jahr, Weihnachten, Ostern, Taufen, heilige Kommunion, Hochzeiten. Immer derselbe griesgrämige Gesichtsausdruck, immer dieselben Altmännersandalen. Braun, vorne wie ein Gitter geschlossen, unverwüstlich, darin sehnige Altmännerfüße mit beigen Socken.

Es umgab ihn eine seltsam traurige Unheimlichkeit, so dass wir ihm nicht einmal Streiche spielten wollten. Unserem Pfarrer schon – der war offen, lustig und klar. Aber dem Küster? Niemals.

Unser Dorf ist nicht groß. Ein paar Einfamilienhäuser und fünf Bauernhöfe, ein Wirtshaus, die Kirche. Sie ist aus dem 18. Jahrhundert und Weltkulturerbe, weshalb ein großer Parkplatz vor dem Ortsschild angelegt wurde, um der Touristenströme Herr zu werden. Der Hof meiner Familie, ich habe ihn gerne mit meinem Mann übernommen, hat eine wunderbare Lage: direkt hinter der Kirche, unterhalb des Kirchhügels, und es leben hier vier Menschen, drei Pferde, 11 Hühner, ein Hund und zwei Katzen.

Ja, diese Katzen.

Bella hatte ihren Namen verdient. Eine schwarzglänzende Schönheit mit klugen Bernsteinaugen, lediglich die Pfotenspitzen waren so weiß wie mit Puderzucker bestäubt.

Unsere ganze Familie fragte sich, wie wohl ihre Babies aussehen würden – es konnte nun nicht mehr lange dauern. So machten wir uns auch keine Sorgen, als wir Bella ein paar Tage nicht zu Gesicht bekommen hatten. Auch am dritten Tag nicht; sie würde wohl ein besonders ruhiges Eckchen gefunden haben.

An Tag vier saß Bella deutlich erschlankt in der Küche vor ihrem Napf, ihr beträchtlicher Appetit ließ mich zweimal Futter nachfüllen. Ich selbst hatte leider keine Zeit, und so beauftragte ich meine Töchter, die Augen nach Bellas Versteck offen zu halten. Doch leider ohne Ergebnis.

Am nächsten Tag hatte ich Kirchendienst. In der kühlen, morgendlichen Stille, noch ohne Besucher, staubte ich Kerzenleuchter ab, zupfte Welkes aus dem Blumenschmuck und genoss es, den hohen, hellen Raum ganz alleine für mich zu haben. Einige Minuten in mein Tun versunken, meinte ich, aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahrzunehmen, lautlos, ein Schatten auf kühlen Fliesen. Ich blickte mich um, vernahm nichts als Weite und Stille und beschloss nach einigen Atemzügen, mich getäuscht zu haben.

Nicht getäuscht hatte ich mich bezüglich der Stimmen, die mit einem Mal aus der Sakristei drangen. Schrubberschwingend näherte ich mich der angelehnten Tür und lauschte: etwas undeutlich zwar, aber ja, das war Griesgram, der etwas von „Blasphemie“ und „ausräuchern“ knurrte, und dann unser Pfarrer mit Kanzelstimme: „Friedhelm, ich muss dich doch nicht an den heiligen Franziskus erinnern! Nichts wird hier ausgeräuchert!“

Während ich noch darüber nachsann, dass der Küster tatsächlich einen Namen hatte, rauschte dieser mit rotem Kopf und muffigem Umhang auf seinen braunen Sandalen an mir vorbei. Der Pfarrer wollte ihm wohl hinterher; lächelte jedoch, als er mich bemerkte, legte einen Finger auf die Lippen und bedeutete mir, ihm um den Altar herum zu folgen. Vor einem der fünf handtellergroßen Lüftungsschächte, die unter den Altar führten, kniete er nieder und deutete hinein.

Und da traute ich meinen Augen nicht.

Im Halbdunkel lagen sie, sechs winzige Katzenbabies, die Augen fest zusammengekniffen, dahinter, ein eleganter Halbkreis, Bella, deren bernsteinkluge Augen zu sagen schienen: Ach, ihr Menschen.

Nachdem wir uns mit knackenden Knien wieder erhoben hatten, wollte ich zu einer Entschuldigung ansetzen. Doch der Pfarrer winkte ab. Er meinte, es sei ja nur eine Frage von Tagen, dann sei das Gotteshaus wieder katzenfrei – und Bellas Babys seien gewissermaßen unter göttlichem Schutz zur Welt gekommen. In diesem Moment erinnerte er mich stark an Don Camillo, diesen streitbaren Padre mit dem großen Herzen.

So besuchte ich jeden Abend das Katzenversteck, und bald konnte ich das leise Maunzen schon beim Betreten der Kirche hören.

Nach einer Woche hörte ich nichts mehr. Nichts, keinen Laut. Kein Kratzen, kein Maunzen.

Ein Blick in den Lüftungsschacht bestätigte: keine Kätzchen, keine Bella, lediglich ein paar feine, schwarze Haare.

Mir wurde kalt. Denn natürlich hatte ich die Worte des Küsters nicht vergessen. Mit Wut im Bauch und Angst im Herzen verließ ich die Kirche und fing an zu rennen, rannte den Kirchhügel hinunter durch den herbstlichen Nebel, durch die Kälte, die an meinen Armen hochkroch, durch Matschpfützen vom gestrigen Regen, rannte, flog beinahe in die Gasse, in der der Küster wohnte. Haus Nr. 11. Der Klingelknopf aus Messing fühlte sich an wie Eis, als ich jetzt Sturm läutete, zweimal, dreimal, ich stampfte noch zusätzlich mit dem Fuß auf den Gitterrost.

Endlich erschien das Griesgramgesicht an dem kleinen Glasfenster in der Tür, an die meine schon erhobene Faust schlagen wollte. Er öffnete, und kaum hatte er die Zornesröte auf meinen Wangen gesehen und meinen völlig aufgelösten Gesamtzustand, hob er einen Finger an die Lippen. Ich keuchte noch „Was …?“, „Wie …?“, bevor er mich ins Haus zog und sorgsam die Tür schloss.

Ich war noch nicht zu Atem gekommen und ließ mich von ihm am Arm ins Wohnzimmer schieben. Vage registrierte ich Wärme, Trockenheit, Behaglichkeit, ein Kaminfeuer.

Aber da war noch etwas.

Ein flacher Korb mit einer roten Decke, darin Bella, schnurrend, um sie ihre entzückenden Jungen. Eine Riesenwelle der Erleichterung schwappte über mich, spülte Angst und Zorn leise fort. Ich starrte auf das friedliche Bild, wandte langsam den Kopf zum Küster, den ich mein Leben lang kannte. Auch er blickte auf die Katzenfamilie. Sein Gesicht versuchte, sich an ein Lächeln zu erinnern.

In die Stille, die nur vom Knistern des Feuers begleitet wurde, sagte er stockend: „Es war so kalt. Und ich habe mich erinnert. Meine Frau, vor vierzig Jahren ist sie gestorben, hat Katzen sehr geliebt. Und ich meine Frau.“


Vita

 

 

Ich wurde stutzig, als ich sah, wie Bertha zum Schrank ging und das Geschirr mit dem Goldrand herausholte, was sie nur zu besonderen Gelegenheiten tat, Tassen, Teller, Kaffeekanne, Sahnekännchen und Zuckerdose, alles ganz vorsichtig, als fürchte sie, etwas zu zerbrechen. Wozu denn so viele Umstände, wollte ich rufen. Doch es hatte mir die Sprache verschlagen.
Wie es schien, wurden mehrere Gäste erwartet. Sie deckte für zwölf, mehr gingen nicht um den Tisch herum. Selbst mit zwölf wurde es schon eng. Ab und an wischte sie sich mit dem Handrücken über die Augen. Wenn es ums Feiern ging, war Bertha immer in ihrem Element. Warum sie weinte, war mir schleierhaft.
Als Erstes kam der Pfarrer. Ich wunderte mich, wieso Bertha ihm nicht sofort die Tür vor der Nase zuschlug. Sie wusste genau, dass ich auf Pastoren allergisch reagierte. Doch sie tat ganz freundlich, ja, sie katzbuckelte regelrecht vor ihm, sagte, bitte, hier entlang, Herr Pfarrer, nehmen Sie doch Platz, Herr Pfarrer, und dann führte sie ihn zu meinem angestammten Platz und brachte ihm ein Glas von meinem besten Sherry. Auf Ihr Wohl, Herr Pfarrer. Dass ich nicht wütend aufsprang und ihn eigenhändig durchs offene Fenster warf, war ein Wunder. Ich regte mich immer auf, wenn es um Kirche und Pastoren ging, und obwohl ich mir jedes Mal sagte, bewahre jetzt bloß die Ruhe, verlor ich am Ende doch immer die Beherrschung. Diesmal blieb ich gelassen. Eine Erfahrung, die mich mit dem neuen, in gewisser Hinsicht sehr eingeschränkten Zustand, in dem ich mich befand, ein wenig versöhnte. Kaltblütig beobachtete ich, wie der Herr Pastor hässliche Flecken im Gesicht bekam, je mehr er dem Sherry zusprach. Geschieht ihm recht, dachte ich und rieb mir die Hände – oder hätte es getan, wenn es mir möglich gewesen wäre. Doch in meinem neuen Zustand konnte ich mich weder erheben noch die Hand rühren, sondern war in allem auf den Beobachterposten verbannt. Ich lag, wie mir jetzt erst bewusst wurde, auf einem seidenen Kissen in einer Art Bett, was mich überraschte, da ja Gäste anwesend waren. Immerhin brannten Kerzen, was die Sache etwas feierlicher machte, auch wenn mich der Geruch der Lilien störte, die jemand hinter meinem Kopf platziert hatte. Ich hatte schließlich nicht Geburtstag. Die Sache mit dem Pfarrer ging mir nicht mehr aus dem Sinn, ich versuchte, Bertha ein Zeichen zu geben, aber sie beachtete mich nicht.
Einer nach dem anderen trudelten nun die übrigen Gäste ein, sie sprachen alle sehr leise, als sie ins Zimmer traten, sogar der Bremer Willi flüsterte, der sonst immer brüllte, als ob er auf dem Markt Fische verkaufen wollte. Dann saßen alle da, nippten an ihren Getränken und blickten betreten zu Boden. So richtig in Schwung kam das Ganze nicht. Indessen war ich zufrieden mit meinem Posten, denn aus der liegenden Perspektive eröffneten sich mir ganz neue Einblicke. Ich sah zum Beispiel, wie der Mauser Sepp unter dem Tisch das Knie der Meyer Käte packte und wie sie es nicht nur zuließ, sondern ihm ihr Knie zuwandte, als wollte sie ihn einladen, noch fester zuzufassen. Das war also die Frau, die mir jahrelang geschworen hatte, niemand als ich dürfe sich in diese Regionen vorwagen. So viel zur Treue der Frauen. Überhaupt war es damit nicht weit her, wie ich erkannte. Der Ganzer hatte immer mit der Tugend seiner Frau geprahlt, aber ich konnte deutlich sehen, wie ihre Hand, je weiter das Fest fortschritt, immer näher zum Rücken des Pastors wanderte, und als sie endlich das verbotene Gelände betreten hatte, predigte er ihr nicht etwa das Ende der Welt, sondern nickte ihr auch noch aufmunternd zu. Eins ist sicher: Wenn sie mich das nächste Mal schief ansieht, werde ich ein paar Worte fallen lassen, die ihr das Blut ins Gesicht treiben sollen. Rache ist süß.
Trotz der gedämpften Stimmung fing das Ganze an, mir Spaß zu machen. Je mehr die Gäste tranken, desto deutlicher kam ihr wahres Gesicht zum Vorschein, Runzeln, Altersflecken, Warzen und Äderchen. Selbst die Meyer Käte, die mir doch immer so knackig erschienen war, entpuppte sich nach drei Glas Sherry als alte Vettel. Sollte ein anderer sich zu ihren Knien vorwagen. Mir war der Appetit vergangen. Ich richtete den Blick auf meine beiden Enkel, die immer so lieb sagten, Opa Martin, bei dir ist es doch am schönsten. Doch auch sie verloren auf einmal alle Unschuld. Hoffentlich kriegen wir was, sagten sie und grinsten wie kleine Teufel. Offenbar schien es darum zu gehen, irgendein Erbe anzutreten, auch die Erwachsenen sprachen über nichts anderes. Es dauerte eine Weile, bis ich begriff, dass es sich um mein Vermögen handelte, das sie zu erben hofften. Moment, dachte ich, da habe ich wohl auch noch ein Wörtchen mitzureden. Sie taten ja, als wäre ich gar nicht vorhanden. Dann begann Bertha zu weinen.
Hört doch auf, sagte sie, er ist ja nicht mal unter der Erde, und ihr redet nur vom Erbe.
Brave Frau, dachte ich.
Aber Bertha war noch nicht fertig.
Denkt nicht, dass ich traurig bin, sagte sie, ich bin nur mit den Nerven runter. So ein Todesfall bringt einen total durcheinander. Im Grunde sollte ich dem Himmel danken. Ihr wisst alle, wie geizig Martin war. In zwanzig Jahren habe ich kein einziges neues Kleid kaufen können, ich war nie im Theater oder im Konzert, nicht mal im Kino. Damit ist jetzt Schluss. Ich hab es schwarz auf weiß: Der Hauptanteil von Martins Vermögen geht an mich.
Ein allgemeines Geschrei erhob sich, jeder erinnerte Bertha daran, wie er ihr geholfen hatte, weißt du noch, vor vier Jahren, als ich dir die vierhundert Euro vorgestreckt habe, und so weiter und so weiter. Ich lachte mir ins Fäustchen, denn ich wusste ja, dass von einem Vermögen gar keine Rede mehr sein konnte. Innerhalb von einem einzigen Jahr hatte ich alles, was ich in mehr als zwanzig Jahren zusammengespart hatte, ratzeputz ausgegeben. Jeden Freitag gegen elf ging ich in ein bestimmtes Haus, wo jemand auf mich wartete, und natürlich kam ich nie ohne ein Präsent. Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Ich habe es nicht bereut. Wenn es gerecht zuginge in der Welt, hätte Ina, die mir so viele Wohltaten erwiesen hat, heute mit am Tisch sitzen müssen. Stattdessen saß der Pfarrer auf meinem Platz, erhob sich und hielt eine Rede. Ich fürchtete, er werde anfangen, von dem Tag zu erzählen, an dem er mich mit seiner Haushälterin erwischt hatte. Doch jetzt nannte er mich ein Vorbild für alle Bürger der Stadt. Wie viel bekam ein Pfarrer für seine Lügen? Umsonst machte er das nicht. Beinah hätte ich laut aufgelacht. Keinen Pfennig würde er bekommen. Es war nichts mehr da. Umgewandelt in Liebkosungen, die kein Himmel mir je würde bieten können. Auch Bertha würde enttäuscht werden. Sie spendierte ja nur so großzügig Kuchen, Brot und Wein, weil sie hoffte, dass ein Vermögen auf sie wartete. Geschieht ihr recht, dachte ich. Hätte sie nicht ein klein wenig traurig sein können meinetwegen? Und die anderen? Nicht die Spur von Trauer. Aber ich würde ihnen den Spaß schon verderben. Es sollte mein letzter Streich werden. Sie würden alle leer ausgehen, sogar Bertha, die gerade eine Goldrandtasse betrauerte, die jemand hatte zu Bruch gehen lassen. Tja, meine Liebe, eine neue wird es nicht geben. Nie mehr.
Im Großen und Ganzen war ich zufrieden mit diesem Fest, zu dem sogar der Pastor gekommen war, der gesagt hatte, er werde mein Haus nie wieder betreten. Er trank seinen Sherry und bekam rote Flecken im Gesicht, die ihn noch hässlicher machten, als er ohnehin schon war. Auch die anderen sahen bald ziemlich derangiert aus: Die Meyer Käte keuchte wie eine, die auf dem letzten Loch pfeift. Der Ganzer Karl saß leichenblass vor seinem Glas, weil er inzwischen gemerkt hatte, wohin die Hände seine Frau unterwegs waren. Wie hatte der sich mir gegenüber immer aufgespielt. Jetzt war er so klein mit Hut. Auch die anderen schrumpften zusehends. Endlich hatte ich sie alle durchschaut. Niemand von ihnen sollte mich in Zukunft mehr einschüchtern. Ich hätte jubeln mögen, dass ich diesen Tag noch erleben durfte. Dass ich bereits tot war, spielte am Ende keine so große Rolle. Nobody is perfect. Von dieser kleinen Misslichkeit abgesehen war es mein größter Tag. Einen schöneren werde ich nicht erleben.


Vita

 

Angefangen hat es, als der Kühlschrank kein Bier mehr bestellte. Dachte mir: Shit, der smartCooler® ist kaputt. Aber da war das rote, blinkende Info–Hologramm über dem Flaschenhalter:

»Ihre Leberwerte sowie das Urinscreening geben digitalHealth Anlass zu Besorgnis. Der Konsum von alkoholhaltigen Getränken wird eingeschränkt. Sie können die Tür erst schließen, wenn Sie der Maßnahme zustimmen. digitalHealth bittet um Verständnis und kommt für etwaige Schäden an den verderblichen Gütern im Kühlschrank nicht auf. Sagen Sie ‚o.k.‘, wenn Sie die Bedingungen akzeptieren, und schließen Sie die Tür.«

Seit nun fast fünf Jahren nervt digitalHealth, das bundesweite Gesundheitsnetzwerk. War lange nicht viel zu bemerken von Einmischung und Kontrolle: Hinweise auf gesündere Lebensmittel, Warnung vor zu wenig Bewegung usw. und Bonuspunkte bei der Krankenversicherung, wenn du smartMeter®-Armbänder trägst. Vor einem Jahr aber dann, baatsch: smartHome® und smartCar® wurden Pflicht, alle Autos und Wohnungen mussten mit Gesundheits– und sonstigen Apps nachgerüstet werden. Gab einmalig einen Zuschuss, die Kosten konnte man von der Steuer absetzen.

Okay, mein Kühlschrank bestellt also kein Bier mehr, hol’ ich es mir halt selber!

Schnappte mir fix das Rad mit dem alten Kinderanhänger, und ab ging’s Richtung Getränkemarkt. Radeln war gut, brachte Gesundheitspluspunkte. Und die brauchte ich dringend, um die Negativpunkte wegen Tiefkühlpizza oder Nikotin auszugleichen. Denn die Sensoren im smartHome® waren sehr fein eingestellt, vom Rauchmelder bis zur Toilettenkeramik.

Dann im Getränkemarkt. Ich, lässig, wuchtete einen Kasten Bier in den Einkaufswagen, schob ihn zur Kasse. Die mpass®–NFC erfasste die Ware und rief die Zahlungsdaten der Karte ab; alles normal, total easy. Doch dann leuchtete über der Kasse ein Hologramm rot auf: »Für diesen Kunden ist derzeit keine Geldfreigabe für alkoholische Getränke möglich.”

Ich schob den Kasten unsanft zurück ins Regal. Ließ mir doch von so einem aufgeblasenen Mikrochip an der Kasse oder im Kühlschrank nicht vorschreiben, was ich zu trinken habe und was nicht. Mein Ziel: also erstens ein kaltes Bier aus dem smartCooler®, und zweitens es den Siliconheinis zu zeigen! Max fällt mir ein, klar, Max, kennst du! Der kann für mich doch das Bier besorgen.

Am nächsten Morgen also wieder zum Getränkemarkt, radeln, klar! Max war schon da. Max trank ja keinen Tropfen Alkohol. Echt! War aber trotzdem ein guter Kumpel. Und der hatte mit dem Einkauf von Alkohol und so keine Probleme. Geht rein, schiebt den »Auer Edelstoff« durch die Kasse, raus und fertig. Wir packten die Kiste in den Fahrradanhänger, und dann zack! ab nach Hause.

Im smartHome® angekommen, war das Bier warm wie Pferdepisse. Ich also Kühlschranktür auf und fünf Flaschen in den Kühlschrank gestellt. Dann schloss ich die Kühlschranktür.

Die prompt wieder aufschwang!

Dazu ein Info–Hologramm: »Die Überprüfung der Etiketten hat ergeben, dass es sich hierbei um alkoholische Getränke handelt. digitalHealth unterbindet deshalb zu Ihrem eigenen Wohl die Einlagerung des Bieres. Die Tür kann erst wieder geschlossen werden, wenn das Bier aus dem smartCooler® entfernt worden ist. digitalHealth bittet um Verständnis. Sagen Sie ‚o.k.‘, wenn Sie die Bedingungen akzeptieren, und schließen Sie die Tür.«

Ich fluchte wie ein Kesselflicker, stellte das Bier wieder in den Bierkasten und öffnete frustriert eine lauwarme Flasche. Ich dachte an Rache. Und ich hatte einen Plan!

Also wieder zum Getränkeshop. Und wieder mit dem Rad plus extra Umweg: Ich wollte bei digitalHealth Schönwetter machen. Dann relaxed eine Kiste »Hopfentrunk alkoholfrei” rein in den Einkaufswagen und ohne Probleme durch die Kasse geschoben …

Im smartHome® zurück, ließ ich mir vom smartCook® eine große Tasse Tee bereiten. Trank ich sonst nie! Aber das hat er nicht bemerkt, der Blechheinz, dafür ist er zu blöd. Ich stellte die dampfende Tasse auf den Tisch und hielt je eine Flasche vom normalen und vom alkfreien Bier über den heißen Dampf. Vorsichtig löste ich die Etiketten ab. Vertauschte sie, und zack! war das Vollbier ein Bleifrei. Dann die Stunde der Wahrheit: Ich öffnete den Kühlschrank und stellte die getürkte Bierflasche rein. Mit Bedacht schloss ich die Tür, wartete, wartete, und … Plop, mit einem sanften Ton schwang die Türe des Kühlschranks wieder auf.

Das Hologramm informierte mich – arrogantes Stück Sch…:

»smartCooler® hat Manipulationen an den Etiketten der Flaschen entdeckt. Die Manipulationen lassen mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 80 % darauf schließen, dass sich alkoholhaltige Getränke in den Flaschen befinden. digitalHealth fordert Sie deswegen auf, die Flaschen zu Ihrem eigenen Wohl zu entfernen. Die Tür kann erst geschlossen werden, wenn die manipulierten Flaschen aus dem smartCooler® entfernt worden sind. digitalHealth bittet um Verständnis. Sagen Sie ‚o.k.‘, wenn Sie die Bedingungen akzeptieren, und schließen Sie die Kühlschranktür.«

Verdammte Axt! So saß ich nun auf zwei ungenießbaren Kästen Bier: eines lauwarm, das andere alkoholfrei. Resignierend öffnete ich einen »Hopfentrunk”, der mit ohne Alkohol …

Aber aufgeben gab’s nicht: Ich versuchte es mit einer Onlinebestellung – die Kartenzahlung per Karte oder PayPal wurde verweigert; Umfüllen des Bieres in Milchflaschen – die Sensoren des smartCoolers® meldeten Spuren von Alkohol auf den Flaschen. Zuletzt versuchte ich die Software des Kühlschranks zu hacken. Klappte aber auch nicht, dabei hatte ich die Anleitung auf YouTubePrime ganz genau verfolgt.

Da meldete eines Tages der Kühlschrank, dass sich Blut– und Urinwerte normalisiert hätten und einem »maßvollen” – wie er sich ausdrückte – »Biergenuss nichts mehr entgegenstünde«.
Dass ich das noch erleben durfte! Jetzt raus mit den Wasserflaschen und rein mit dem »Edelstoff«. Skeptisch schloss ich die Kühlschranktür. Sekunden verstrichen, einige Minuten: Nichts passierte, die Tür blieb geschlossen!

Ich sofort ins smartCar, ließ das Auto sein Sprüchlein aufsagen von wegen Bewegung, Fitness und so weiter und sofort und fuhr zu unserem Metzger um die Ecke: Es sollte eine Siegesfeier werden mit Max und den anderen Kumpels. Und eine Grillparty wäre genau das Richtige gewesen: Spareribs, eingelegte Nackensteaks und Würstel aller Art. Ich besorgte noch Barbecuesoßen, Fladenbrot, Kartoffeln – und diverse grüne Salate, naja, Gesundheitspunkte eben.

Als ich meine Einkäufe im Auto verstaute, ging mir das smartCar® wieder gehörig auf den Keks mit Warnungen zu richtiger Ernährung, Bewegungsmangel und dem metabolischen Syndrom.
Unbeeindruckt fuhr ich schnell noch beim Getränkemarkt vorbei und holte fünf Kästen »Edelstoff«. Vergnügt brachte ich die Einkäufe ins Haus: stellte das Bier in den Kühlschrank, verstaute die Beilagen und legte das Grillfleisch ins Kühlregal.

Aber kaum dass ich die Tür des SmartCoolers® geschlossen hatte, schwang sie wieder auf, und ein Hologramm informierte mich:

»smartCooler® kann die Lagerung von Fleisch und Fleischprodukten nicht gestatten. Ihre Blutfettwerte und die Gefahr eines metabolischen Syndroms sind zu hoch. Fleisch und Wurst muss zu Ihrem eigenen Wohl entfernt werden. Die Tür kann erst wieder geschlossen werden, wenn die Fleischwaren aus dem SmartCooler® entfernt worden sind. Um Folgeschäden zu vermeiden, rät digitalHealth, Fleisch und Fleischprodukte komplett zu entsorgen. Sagen Sie ‚o.k.‘, wenn Sie die Bedingungen akzeptieren, und schließen Sie die Kühlschranktür.«


Vita Johann Seidl

– „Komm in den totgesagten park“, hat der Verleger gesagt. „Na, das fängt ja schon mal fulminant an“, hat er gesagt. „Da hat man richtig so … wie heißt das noch? … Na, Bilder im Kopf. Ja“, hat er gesagt, „aus Ihnen wird mal was ganz Großes. Aber ehrlich, dann „Der reinen wolken unverhofftes blau / Erhellt die weiher und die bunten pfade“, na also ihm gefalle das ja, sicher und vom Inhalt sei das ja auch … aber ob man das nich’n bisschen eindringlicher aufbauen könne? Toter Park, stiller Weiher, das habe natürlich was. Aber doch jetzt keine Helligkeit! Und, mein Gott, nix Buntes! „Die späten rosen welkten noch nicht ganz …“, das fände er dann wieder au-ßer-ge-wöhnlich, also, toll, hat der Verleger gesagt. Denke man, naja, „an was Gruseliges halt … vielleicht an … ja warum denn nicht … an Vampire!“ Das ganze „annere Blumegelump“ drumrum müsse natürlich weg, hat der Verleger gesagt …

– Ja, und? Jetzt spann mich doch mal nicht so auf die Folter. Wird er dein Gedicht nun drucken?

– Gedicht? Drucken? Einen ganzen Roman soll ich draus machen. Zwielicht. BISS im Totgesagten Park. Sowas halt. Das würd dann weggehen wie Popcorn im Schweinestall. Hat der Verleger gesagt … Einen ganzen Roman, Mann! Dass ich das noch erleben darf …

 

*nach dem Gedicht von Stefan George:

Komm in den totgesagten park und schau:
Der schimmer ferner lächelnder gestade.
Der reinen wolken unverhofftes blau
Erhellt die weiher und die bunten pfade.

Dort nimm das tiefe gelb, das weiche grau
Von birken und von buchs, der wind ist lau.
Die späten rosen welkten noch nicht ganz.
Erlese küsse sie und flicht den kranz.

Vergiss auch diese letzten astern nicht.
Den purpur um die ranken wilder reben
Und auch was übrig blieb von grünem leben
Verwinde leicht im herbstlichen gesicht


 

Vita

Dass ich das noch erleben darf, dass das dass am Anfang und das dass nach dem Beistrich in einem Satz richtig geschrieben sind, fehlen Lektor Hanno Patzer aufgrund fehlender Fehler beinahe die Worte. Das dass, das man früher mit scharfem ß geschrieben hat, ist nach Beistrichen der häufigste Fehler, setzt er in Gedanken bewusst ironisch nach und bringt das Dass-Dilemma damit auf den Punkt. Das dass und der Deppenapostroph, eine Einserbank. Allein die zwei sichern mir meinen Job. Sofern es jemand überhaupt noch wert findet, sein Geschriebenes lektorieren zu lassen. Wie’s scheint, sind Rechtschreibfehler inzwischen nämlich zu Kavaliersdelikten avanciert. Korrekter gesagt devalviert. In Zeiten von Fake News stört es offensichtlich niemanden mehr, dass – da ist es schon wieder! – die vor Fehlern nur so strotzen. Dabei gibt es doch Rechtschreibprogramme. Damit könnte man zumindest das Schlimmste verhindern. Steckt nicht umsonst schon im Namen drin, das Wort Amme. Die hätten echten Nährwert, nachdem so viele dermaßen schwach auf der Brust sind, was die rechte Schreibe betrifft. Aber nein, stattdessen wird im stillen Kämmerlein auf Fehlerteufelchen komm raus dahingetextet und unkontrolliert drauflospubliziert. Schon klar, Fehler sind menschlich. Aber wenn ich sehe, wie vermehrt schlampig und unbeholfen in die Tasten gehauen wird, ohne das Getippte am Display auch nur eines prüfenden Blicks zu würdigen, trifft mich auch nach Jahrzehnten als Lektor immer öfter der Schlag. Umbringen wird mich aber wohl etwas anderes, und zwar meine Apnoe. Da möchte ich mir nicht mal ausdenken, wie viele Prozent der Otto-Normal-Bevölkerung das auf Anhieb richtig schreiben könnten. Oder auch nur aussprechen.

Geht es nach meinem Hausarzt, werde ich mir darüber allerdings bald keine schlaflosen Nächte lang mehr meinen Kopf zerbrechen müssen. Der behauptete letztens allen Ernstes, dass ich gefährdet wäre. Anlagerisiko Bauchfett. Gefolgt von mahnenden Worten. Gesunde Ernährung. Mehr Bewegung. Weniger Alkohol. Mit dem Rauchen aufhören. Ich fragte ihn spontan nach einer Überweisung zum Ohrenarzt. Wir lachten beide. Soll ja angeblich gesund sein. Und Selbsthilfe ist bekanntlich der beste Weg zur Besserung. Als wüsste ich nicht am besten, was mein Körper braucht. Schließlich kenne ich mich von klein auf. Ich habe alle Phasen mit mir durchgemacht. So manche Nacht auch. Damals als Teenager. Vieles wiederholt sich. Die schlaflosen Nächte. Sie häufen sich in letzter Zeit. Und ich dachte, das hätte ich durchgestanden. Habe ich wohl auch. Denn inzwischen verbringe ich sie liegend. Im Bett. Hellwach. What the hell?

Der nächste Tag. Gelaufen statt gejoggt. Hat mir mein Arzt empfohlen. Walken oder Joggen. Wegen dem Gewicht. Oder auch des Gewichts. Und aufgrund der vielen Arbeit im Sitzen. Laufen sei schlecht für die Gelenke, hat er gemeint. Den Sehnen gibt’s der Herr im Schlaf, witzelte ich wohlwissend um mein gestörtes Verhältnis zu geordneter Nachtruhe. Typisches Helene-Fischer-Syndrom, diagnostizierte der Herr Doktor Weiß. Unrhythmische Atemaussetzer. Ein Teufelskreislauf. Im Wachzustand schaffe ich das mit der Atmung unbewusst. Das bedrohliche Schnaufen im Stiegenhaus ist hingegen gesteuert. Bloß nachts, da lungere ich herum und wälze mich in den Bröseln der Kekse, die ich beim Fernsehen noch verschlungen habe. What a peeling! Und rückenfettend zugleich. Dazu vor dem Einschlafen noch ein Coffee to go. Laufen soll ich ja nicht. Während mir 52 Szenen aus dem Film „Schaflos in Seattle“ durch den Kopf gehen, mähen die gezählten Schafe den Rasen. Sie sind allesamt schwarz. Und dunkel die Nacht. Da sind sie grau. Die Katzen. Und mir graut es schon vor morgen. Da muss ich ins Schlaflabor. Verkopft. Verkabelt. Verschlaucht. Am nächsten Morgen geschlaucht aufwachen. Ich weiß eh schon, was da rauskommt: „Herr MMag. Patzer, Sie schnarchen. Das wäre so weit ja noch nicht schlimm.“ Haha, der ist gut. Meine Frau ist da ganz anderer Meinung. „Ihre Atemaussetzer, die machen mir viel mehr Sorgen.“ Na toll, damit lüftet er jetzt aber ein Geheimnis, der Herr Primat. Behandelt er mich womöglich wie einen Aussetzigen? „Alle paar Minuten sind Sie atemlos, die gesamte Nacht hindurch.“

Jawohl, ja, er hat mich ertappt. Ich verbringe jede Nacht mit Helene. Ganz ohne Eifersuchtsszenen von meiner Greta. Die weiß, dass unter meiner Atemmaske alles nur Visage ist. Visage… auch schon wieder so ein Wort, da sind mir schon die kuriosesten Schreibweisen untergekommen, wie Wiesasche. Aber die deutsche Rechtschreibung, die ist ohnehin nicht mehr das, was sie nie war. Auf der wird auch andauernd mit beharrlicher Erfolglosigkeit herumgedoktert. Und zu allem Überdruss führt der deutsche Rechtschreibrat jetzt auch noch das große ẞ ein. Der einzige Buchstabe ohne Großform bislang. Eine jahrhundertelange Benachteiligung ungeheuerlichen Ausmaẞes wurde nun endlich beseitigt. ẞenẞationell! Das bringt’s natürlich voll, wo doch zumindest jedes zweite Wort im Duden mit einem ẞ beginnt. Ganz abgesehen davon brauchen wir nun alle neue Tastaturen. Es lebe die Wirtschaft! Es zetert wie immer der Lektor. Muss ich doch, weil der Grislibär, der ist jetzt auch wieder los. Und Ketschup und Majonäse schreibt man wieder rot-weiß-wie. Aber was rege ich mich auf? Ich hab’s ja schon immer gewusst: Guter Rat ist teuer. Hauptsache, beim Herrn Doktor Weiß werden in Zukunft nicht nur Ernährung und Bewegung großgeschrieben, sondern in diversen Dokumenten und vor allem auf seiner Ordinationsplakette auch sein Nachname, oh Wonne, oh Freude, endlich korrekt mit ẞ.

Ganz ruhig, Bronco! Da muss ich gar nicht erst mehrmals überschnaufen. Das sind die wirklich wichtigen Dinge des Lebens. Mir waren und sind diese Hin-und-Her-Reformen trotzdem viel zu oberflächlich. Daher tauche ich jetzt unter, möglichst lange. Möge die Apnoe mit mir sein. Als mein Steckenpferd bleibt sie mir jedenfalls erhalten, die deutsche Rechtschreibung. Und wer weiß? Vielleicht habe ich ja den längeren Atem und erlebe den großen Wurf bei einer der nächsten Reformen doch noch…


 

Vita

Gerhard Benigni wurde am 26. April 1973 in Villach (Österreich) geboren. Dort lebt, arbeitet und schreibt er auch. Zahlreiche seiner Kurzgeschichten wurden bereits in namhaften Literaturzeitschriften und Anthologien veröffentlicht. Seine erste Kurzgeschichtensammlung „Fertigteilparkettboden. Im Niedrigenergiereihenhaus.“ ist 2015 erschienen, sein zweiter Prosaband „Der Usambaraveilchenstreichler auf dem Weg zum Südpol“ 2016 und sein drittes Buch „i“ im Mai 2017.
www.gerhardbenignialleineistdochvielzukurzalshomepagename.at