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Mein Winter 1969 – Gastbeitrag von Rosa Ananitschev

Manchmal, eigentlich sehr selten, versuche ich mich in Gedichten. Da ich dieses Literaturgenre nicht beherrsche, kommt auch meistens nichts Gutes dabei heraus. Ab und an jedoch gefällt mir das, was ich mir da zusammenreime. „Schneesturm“ ist eines dieser meiner „Raritäten“.
Wer mich gut kennt, weiß, dass ich sehr kälteempfindlich bin und den Winter nicht mag. Ja, ich bin in Sibirien geboren und man sollte meinen, ich wäre mit dieser Jahreszeit bestens vertraut. Aber damals – im Dorf, wo ich aufwuchs – da war der Winter noch richtig zauberhaft und abenteuerlich, wenn auch etwas zu lang. Die Zeit meines Erwachsenendaseins (bis zur Ausreise im Dezember 1992 nach Deutschland) verbrachte ich in Omsk – in einer großen, schmutzigen, stinkenden Stadt, wo das Wort Winterzauber meistens fehl am Platz war.
Zurück zu dem Gedicht. Entstanden 1994, ist es sicher nicht perfekt und entspricht nicht allen Regeln des Dichtens, aber ich finde, es gibt sehr gut die Stimmung eines fünfzehnjährigen Mädchens wieder, das viel mit sich und dem Leben zu kämpfen hat, in einem seiner schönsten Momente.

 

Schneesturm

Im Gestern ist der Frost geblieben,
Der Winter aber noch in vollem Gange,
Der Wind hat seine kalte Wut vertrieben
Für kurze Zeit.
Was will ich mehr von ihm verlangen?
Er schenkt mir einen Schneesturm heute –
Mein Lieblingswetter. Mir zur Freude!

Der Wind ist sanft und trotzdem kräftig.
Er wirft mir feine Nadeln ins Gesicht.
Er tobt und wirbelt mit Gelächter
Im Hexentanz.
Das macht er ganz bestimmt für mich!
Ich tanze mit dem Wind durch Schnee
Ich spüre keinen Druck in mir. Nicht mehr!

Ich fühle mich wie neu, bin aufgelebt.
Die kleinsten Sorgen sind verschwunden.
Mein Herz ist rein und unbeschwert,
Gedanken klar.
Mein Feind in mir ist festgebunden.
Wie herrlich ist das – frei zu sein,
Wenn im Herzen – Sonnenschein.

Der Wind beruhigt sich fast plötzlich.
Am Abend wird es still. Es schneit.
Die Flocken fallen weich und zärtlich
Auf mein Gesicht,
Wie Teilchen aus der Ewigkeit …
Nur 15 Jahre bin ich hier,
Auf dieser Welt. Mein Leben liegt vor mir.

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