4.9
(11)

Euch will ich mit meiner Erinnerung an einen Streit ein wenig zum Schmunzeln bringen. Den hatte ich 1985 mit meiner 6-jährigen Tochter Anna.

Natürlich gibt es in Familien immer wieder Streit. Zoffen ist das Salz in der Suppe, man weiß genau, was den Anderen ärgert, doch die Versöhnung kann ein wirklich süßer Nachtisch sein.

Erinnerungssplitter …
Intelligent streiten.

Ich musste mir auf die Zunge beißen, um nicht anerkennend loszulachen. Meine damals 6-jährige Tochter hatte lange überlegt, wie sie Rache üben konnte und hatte dabei ordentlich Intelligenz und Subversion an den Tag gelegt.
Wegen des täglichen immer wiederkehrenden Streits um „Haare kämmen, Zähne putzen, ab ins Bett“ . Wie immer verließen mich nach einer halben Stunde gut Zureden die Argumente und ich kürzte das mit einem herzhaften: „Keine Wiederrede!“ dann endlich ab. Sie stapfte wütend aus der Tür.

Rückblick:

Wenigen Wochen zuvor hatte ich meiner Freundin Rosl zugesagt, ihr bei in Ungarn stattfindenden Sprachkursen bei der Betreuung der Kinder der Teilnehmer – inklusive ihrer drei und meiner Tochter – zu helfen. Ich hatte mich vorbereitet und viel Bastelmaterial mit an den Plattensee gebracht, und auch das Gelände war für Kinder traumhaft. Ein weitläufiger Garten mit einer Holunderhecke, einem riesigen Nussbaum, Wiese und eigenen Flachbungalow. Einfach, aber gerade diese Schlichtheit war ein Traum.

An jenem Tag hatten wir in Plastikformen Gips gegossen, und nach dem Trocknen die Figuren angemalt. Meine Tochter hatte sich eine der Figuren, eine Gans mit Schleife um den Hals ausgesucht.

Sie wusste, dass ich Schleifen an erwachsenen Frauen ablehne, ich bin der Meinung, dass es Frauen wieder klein macht, im schlimmsten Fall zum „braven Mädchen“, das immer „ja“ sagt. Aber es musste ja ihr gefallen und nicht mir.

Nach unserem Streit kam Anna mit gekämmten Haaren und wahrscheinlich nur wenig geputzten Zähnen zurück, die Gipsgans in den Händen. Sie legte sie auf den Tisch und verließ mit einer großen Würde den Raum. Beim Hinausgehen sagte sie noch: „Die lege ich mal auf Dein Grab!“

Und da stand ich, verbiss mir das Lachen, bewunderte ihren Gedankengang, dass ich mich ja dann nicht mehr wehren konnte und sie damit endlich auch mal die Macht des letzten Wortes hatte.

So weich gespült rief ich, dass ich jetzt vorlesen würde. Wer Lust habe, könne kommen.
Meine Tochter war die erste – kuschelte sich an mich, und ja, damit war alles zwischen uns gesagt und wir konnten den Tag versöhnt beenden.

Wieviele Sterne möchtest Du für diesen Beitrag vergeben ?

Klicke bitte auf einen Stern, um zu bewerten.

Durchschnittliche Bewertung 4.9 / 5. Menge der Abstimmungen 11

Dies ist die erste Bewertung