Scharnier, nicht Schloss – Wettbewerb – was bleibt?

Petra Schaberger

Ich bin die Organisatorin – was die meisten mittlerweile wissen. Das sage ich der Vollständigkeit halber, weil es einen Unterschied macht. Ich bin nicht die Jury. Ich habe keine einzige Geschichte bewertet, keine einzige Platzierung vergeben und auch keinen Stift über ein Manuskript gehalten. Ich habe gelesen – ja, weil ich prüfte, ob die Beiträge den Teilnahmevoraussetzungen entsprechen. Ich habe über ein halbes Jahr informiert, geantwortet, Social Media bespielt, die Webseite aktualisiert, Mails verfasst, Mails beantwortet und dann noch einmal Mails beantwortet. Aber: Ich bin das Scharnier, nicht das Schloss.

Das ist wichtig zu wissen, wenn man verstehen will, was danach kam.

Die große Bandbreite der Reaktionen von Teilnehmenden der schreibenden Zunft ist erstaunlich – und natürlich bunt. Es gibt faire, aufmunternde und dankbare Reaktionen auf das Ende des Wettbewerbs, aber auch Rückmeldungen, die ich mir einfach nicht erklären kann. Ich zitiere: „Ich bin sehr enttäuscht. Meine Geschichte hätte einen Preis verdient. Ich bezweifle, dass Ihre Jury von Literatur eine Ahnung hat.“ Was in diesen drei Sätzen alles steckt. Der erste ist so umwerfend ehrlich und menschlich – er ist nachvollziehbar. Satz zwei kippt ein wenig in Anmaßung: das Urteil der Jury zu überschreiben, ohne Kenntnis der Mitbewerber, der Jurydiskussion oder der Bewertungskriterien. „Verdient“ ist moralisch aufgeladen. Und Satz drei ist Angriff: Da man nicht gewonnen hat, muss die Jury inkompetent sein. Ich verbuche es unter Kurzschluss.

Im Kern frage ich mich, warum ein Autor an einem Wettbewerb teilnimmt und wütend reagiert, wenn er nicht gewonnen hat. Auch Autoren, die von mir angeschrieben wurden, dass ihr Beitrag den Vorgaben nicht entspricht, waren mitunter nicht vom Gegenteil zu überzeugen. Es hilft nicht mal, die Teilnahmevoraussetzungen noch einmal einzukopieren und zu markieren. Da ist nichts zu machen – weil man, und hier kann ich nur raten, weiter per Mail kommunizieren möchte oder sich an der Enttäuschung abarbeiten will. So gab es einige, mit denen ich etwa zehn Mails hin und her schrieb – ich bin da ganz nachsichtig, bis zu einem gewissen Punkt. Alle Wettbewerbe werden neben unserer eigentlichen Arbeit abgewickelt, und die zusätzliche Korrespondenz war ein echter Zeitfresser. Manchmal verstand ich, warum viele Wettbewerbe so strikt und unnahbar sind – und da muss ich dann schmunzeln, wenn ich lese: „So schnell, so transparent, so ernstgenommen als Autor:in – das kenne ich nicht so.“

Was ich zum Abschluss hervorheben möchte, sind die positiven Rückmeldungen. Eine kurze Mail oder ein Kommentar auf Facebook oder Blog Q5 – „Super, ich gratuliere!“ – das ist sportlich, fair und sympathisch, weil eben souverän. Solche Rückmeldungen sind es, die mich immer wieder bereit machen, einen weiteren Wettbewerb zu organisieren. Das nächste leicht biografische Thema wird sich finden, und ich darf dann wieder viele Geschichten lesen, bevor ich sie an die Jury weiterreiche. Vorschläge nehme ich hier in den Kommentaren bis Oktober gern entgegen – und ich freue mich auf den Austausch.

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