Schwarz-weiße Checkliste mit Teilnahmebedingungen für einen Schreibwettbewerb, sauber abgehakt, auf weißem Hintergrund.

Was zwischen Einsendung und Jury wirklich passierte

Was ein Schreibwettbewerb lehrt, wenn man ihn wirklich organisiert

 

Der Ordner war nicht das Problem. 

Ich saß wieder vor einem Ordner voller Texte. Der Ordner hieß nicht „Ordnung“, sondern „Downloads“. So hatte es angefangen.

Manche Dateien hießen wie der Wettbewerb. Andere hießen wie der Computer. Wieder andere trugen nur einen Vornamen, manchmal gar keinen. Ich öffnete, las zwei Sätze, schloss wieder. Suchte den Titel. Suchte das Thema. Suchte die Zeichenzahl. Suchte mich selbst.

Gut gemeint war selten gut gemacht.

Der Wettbewerb lief gut. Wirklich gut. Es wurde gelesen, geschrieben, eingereicht. Ernsthaft, klug, manchmal überraschend. Und trotzdem stolperte ich immer wieder über dieselben Dinge. Nicht aus Bosheit. Eher aus dieser menschlichen Hoffnung heraus, dass es schon passen würde, wenn man es einfach abschickte.

Tat es nicht.

Die Zeichenzahl war keine Meinung.

Viele lasen die Teilnahmebedingungen wie einen Wetterbericht. Grob. Quer. Mit der Annahme, dass es sie am Ende nicht treffen würde.
Die Zeichenzahl war so ein Klassiker. Sie stand dort nicht aus dekorativen Gründen. Sie war kein Vorschlag. Sie war eine Grenze. Wer deutlich darüber lag, lag nicht knapp daneben, sondern draußen. Nicht aus Prinzip. Aus Machbarkeit.

Thema war nicht Titel.

Dann das Thema. Oder besser: der Titel. Beides wurde gern verwechselt.
„Dieser eine Moment“ war kein Titel. Es war ein Rahmen. Ein Arbeitsraum. Wer ihn zum Titel machte, nahm dem Text etwas weg, bevor er überhaupt gelesen wurde. Und mir Arbeit dazu. Denn irgendwer musste den eigentlichen Titel später finden. Spoiler: Das war ich.

Dateinamen waren kein Nebenkriegsschauplatz.

Besonders innig wurde meine Beziehung zu Dateinamen. Wenn jede Einsendung „Dieser_eine_Moment_final_final_neu.pdf“ hieß, entstand keine Romantik, sondern Chaos. Dateien mussten umbenannt werden, Texte zugeordnet, Übersichten gerettet.

Ordnung war kein Selbstzweck. Sie war die Voraussetzung dafür, dass Texte fair und konzentriert gelesen werden können.

PDFs machten niemanden sicherer.

PDFs waren überhaupt so eine Sache. Stand so in den Teilnahmebedingungen. Ich weiß. Selber schuld. Aber ich bin lernfähig. Es wird beim nächsten Wettbewerb anders. Sind wie schreibgeschützte Word-Dokumente. Sie kamen meist mit dem guten Gefühl, etwas besonders Sorgfältiges getan zu haben.
In der Praxis hieß das: Jeder einzelne Text musste erst befreit werden, bevor er überhaupt weiterverarbeitet werden kann. Und irgendwann sollen diese Texte veröffentlicht werden. Gelesen. Gesetzt. Präsentiert. Ohne jedes Mal erst mit der Technik zu ringen.

Ein Text ohne Anmeldung ist ein Text ohne Autor

Und dann gab es Einsendungen per Word oder PDF ganz ohne Anmeldung über das Formular auf den Webseiten von Quintessenz.
Ich hatte dafür eine Teilnehmerliste. Sie war verbindlich. Aus ihr zog ich die Juryübersicht. Wenn ein Name dort nicht auftauchte, hatte ich zwar einen Text, aber keinen Menschen dazu. Keinen Kontakt. Keine Zuordnung. Der Text schwebte herrenlos im Ordner. Sehr unschön.

Warum es künftig klarer wird.

Auf unserer Seite standen Vorgaben. Sie standen dort nicht, weil wir gern Listen machten. Sie standen dort, weil Erfahrung ein schlechter Lehrer war, wenn man sie jedes Mal neu machen musste. Ich fasse uns hier auch an die Nase. 
Beim nächsten Wettbewerb werden diese Vorgaben klarer. Kürzer. Als Checkliste. Zum Abhaken, nicht zum Interpretieren.

Parallel dazu ist die Juryarbeit sauber aufgestellt. Die Kriterien stehen. Sie sind streng. Sie sind klar. Und sie werden in den nächsten Tagen auch öffentlich nachzulesen sein. Nicht, um jemanden zu beeindrucken, sondern um transparent zu machen, wie gelesen wird. Und warum manches weiterkommt und anderes nicht.

Zeit ist die eigentliche Währung.

Ich mag Wettbewerbe. Ich mag Texte. Ich mochte sogar Ordner und Dateien, wenn sie richtig hießen.
Was ich nicht mag, ist vermeidbare Unordnung. Sie frisst Zeit. Je schneller ich fertig bin, um so früher beginnt die Juryarbeit. Und Zeit ist das Einzige, was beim Lesen wirklich kostbar ist.

Der nächste Wettbewerb profitiert davon. Dieser hier auch. Die Texte liegen bereits da. Noch eine Woche und die Jury legt los. Jetzt brauchten sie nur noch Ruhe. Und richtige Dateinamen. 

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