Lieber Joshua,

ich bin es, dein Zukunfts-Ich. Du fragst dich sicher, was ich dir zu erzählen habe, aber habe noch ein wenig Geduld. Ich möchte dir berichten und mitteilen, was alles passieren wird in der Zukunft und inwieweit es dich beeinflussen wird. Es ist noch nicht allzu lange her, jedoch immerhin schon sieben Jahre, da warst du 15 Jahre alt. Du kannst mir glauben, dass in diesen sieben Jahren äußerst viel passiert ist. Ich möchte dir zu Beginn eine Warnung aussprechen. All das, was ich dir berichte, ist genau so passiert und enthält auch Wahrheiten, die nicht immer die bequemsten sind. Ein paar von ihnen sind schwer zu verdauen, aber du wirst daraus lernen. Schon bald wirst du dich auf eine Party begeben und im Jugendrat der Stadt Meckenheim aktiv sein. Du wirst dich sehr freuen und auch dem Alkohol etwas näher kommen. Du nimmst dir vor, ein, zwei Bier zu trinken. Rückwirkend wäre es besser gewesen, wenn du dabei geblieben wärst. Den Jugendrat fandest du schon immer faszinierend, ein Organ der Stadt Meckenheim, was den politisch motivierten Jugendlichen die Möglichkeit gibt, sich mit anderen zusammenzutun und auszutauschen. Jedoch gehört auch eine Party pro Jahr dazu. Zurück zu dem Bier. Du kannst deine Finger nicht von dem Alkohol lassen und beginnst langsam die euphorische Wirkung zu spüren. Du tanzt und lachst, wirst immer offener. Die dröhnende Musik macht es nicht besser, du legst nach und nach. Dir wird mulmig werden, doch du wirst dir weiter das Bier und jetzt auch die Feiglinge in deine Kehle flößen. Du versuchst aufzustehen, schaffst es aber nicht. Inzwischen bist du so betrunken, dass dich die anderen Jugendratsmitglieder stützen und hinaus begleiten, denn du bist in allen Belangen nicht mehr fähig. Ich werde nie vergessen, wie du erbärmlich versuchst den Weg zum Neuen Markt entlang zu torkeln, dabei fast jeden Meter stolperst und schließlich mitten im Zentrum des Neuen Marktes deinem Schicksal zum Erliegen kommst. Eine wahrlich mickrige und traurige Gestalt, die dort liegt. Glück hast du, denn einige Kameraden aus deiner Stufe finden dich. Sie können ihren Augen nicht trauen. Der sonst so liebe Joshua, soll vor ihnen mit einer Alkoholvergiftung liegen? Kopfschüttelnd rufen sie deine liebenswerten Großeltern an, bei deinen du bereits seit deiner Geburt bist. Sie werden einen riesigen Schock bekommen. Ihr Enkel liegt dort auf den kalten Pflastersteinen, seine Schulkameraden schämen sich ebenfalls, manche lachen und verhöhnen ihn. Es kommt, wie es kommen muss. Der Krankenwagen wird gerufen und du wirst abtransportiert. Du kannst dich am nächsten Morgen an nichts mehr erinnern, findest aber in der Hose noch einen vollen Feigling. Beschämt fragst du die Schwester, was denn passiert sei, obwohl du bereits wusstest, was geschehen war. Sie erklärt dir, dass du eine Alkoholvergiftung erlitten hast. Schon bald werden deine Großeltern eintreffen und dir ins Gesicht sagen, wie enttäuscht sie doch von dir sind. Du wirst diesen Augenblick niemals vergessen und er wird dir zeigen, dass man dem Alkohol gegenüber stets vorsichtig sein sollte. Ein Jahr später, mit 16, werde ich sehr stolz sein. Du warst stets in dem Bann deiner Klassenkameraden, die immer fragten, warum du denn nicht bei deinen Eltern wohnst. Du wusstest natürlich die Antwort, aber welcher Jugendliche traut sich schon, sich zu öffnen. Deine Eltern waren gesundheitlich nicht in der Lage gewesen, dich aufzunehmen und großzuziehen.

Du wirst feststellen, dass sie zwei ganz wundervolle Menschen sind, die jedoch mit ihren Problemen stets zu kämpfen haben. Deinen Großeltern wirst du für ewig dankbar sein, denn mit 16 erkennst du so langsam, dass es keine Rolle spielt, wo man erzogen wird oder von wem. Du fängst also an, deinen guten Freunden zu erzählen, was es mit der ganzen Sache auf sich hat. Sie werden es verstehen, sie werden verstehen, warum du immer gezögert hast. Gehe also auf jeden Fall diesen Schritt und habe keine Angst. Du wirst es nicht bereuen! Allerdings kommt auch noch ein weiteres Problem auf dich zu. Du wirst oft gehänselt und beleidigt, denn du bist für fast alle anderen zu dick! Leider gibt es sehr wenige Menschen, die hinter den Joshua in dem Joshua schauen werden. Du wirst sehen, dass das Äußerliche meist der Maßstab ist. Es nimmt dich mit, wenn wieder über dein Gewicht geredet wird. Du wirst mit aller Macht versuchen, es nicht nah an dich heran zu lassen, doch dir gelingt es nicht. Es ärgert dich und stimmt dich traurig. Doch, lieber Joshua, ich kann dir bestätigen, die Zukunft bringt dir Leichtigkeit!

Die überschüssigen Pfunde und deine Kritiker, wirst du alle hinter dir lassen können. Deine Entwicklung wird Schritt für Schritt positiv sein. Du wirst erfahren, dass wo ein Wille ist, auch ein Weg ist. Du wirst es schaffen, auf dein Wunschgewicht von 70 kg zu kommen, nachdem du zu einem Zeitpunkt mal 100 kg gewogen hast. Viel Sport, eine gesunde Ernährung und die Unterstützung deiner Familie und Freunde, lassen dich glücklicher und freier werden. Was die Zukunft noch bringen wird, möchte ich nicht verraten. Sei überrascht!

Dein Joshua

 


Joshua Clausnitzer

2013 fing ich mit dem Schreiben von zumeist Gedichten an.
Seit 2016 bin ich offiziell Autor, am 15.3. erschien mein erster Gedichtband: ,, Wortspiele und andere Kuriositäten ”
im August-von-Goethe Literaturverlag.

www.facebook.de/joshclausnitzer