Ihrer Zeit voraus – das Biografierätsel

Ihrer Zeit weit voraus – das Biografierätsel
– Willkommen zurück zum Biografierätsel am 10. Oktober

Das Biografierätsel kommt nun das dritte Mal mit einer kleinen Änderung. Künftig sollen Zeitzeugen fiktiv interviewt werden, bspw. Familienmitglieder, Kollegen oder Freunde, die für uns über unsere Protagonisten aus dem Nähkästchen plaudern wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Sie müssen nun unterscheiden, was erfunden, was geschönt ist und was wahr war (und ist) und natürlich wen wir suchen.
Eines jedoch bleibt: Es gibt immer mehrere Hinweise.  

Die Großmutter:

„Sie war mein ganzer Trost, nachdem ich meinen Sohn so früh verloren habe. Sie war ein zartes Püppchen, als ich sie zu mir nahm. Schöne große, blaue Augen, die so einen aparten Kontrast zu ihrem schwarzen Haar waren. Die Brauen hatte sie auch von ihrem Vater geerbt.

Ach, und welch Trost war das auch für sie hier zu sein, die den Vater so früh verlor und eine solch unangenehme Person als Mutter hat. Ich gebe es offen zu, ich schätze an meiner Schwiegertochter nichts, außer dass sie mir diesen kleinen Schatz zu überließ. Mon dieu – sicher war ich in vielem zu nachsichtig mit ihr in den langen Jahren, aber ich war ihr immer die beste Freundin. (Ich war Deine beste Freundin – sagte sie wohl auf dem Sterbebett)

Habe ich Ihnen erzählt, dass ich sie erst mit 13 Jahren fortließ, denn ich hatte einen guten Platz im Internat gefunden, damit sie standesgemäße Umgangsformen und eine angemessene Bildung erhielt? Non?
Ja, die Klosterfrauen in Paris, sie haben dieses zarte Kind in eine Welt der Märtyrer und Heiligen eingebunden, so dass ich sie nach 3 Jahren wieder zu mir holte, weil sie Nonne werden wollte. Alors! Ich hatte recht. Ein bisschen frische Luft hier auf dem Landsitz, ein Hauslehrer, Bewegung und die Schwärmerei war verflogen. Nun gut, der Lehrer hatte nur bisher Jungen erzogen, aber ich konnte partout keinen anderen hier anstellen, dem ich guten Gewissens meine kleine Enkelin anvertrauen konnte. Meine Gesundheit ließ ja dann auch nach, und ich konnte mich nicht mehr so um sie kümmern.“

Der Hauslehrer:

„Es lag auf der Hand, sie musste Knabenkleidung tragen, die Kleidung für Weibsleute sind im allgemeinen nicht praktisch genug auf dem Lande, auch um damit auf die Jagd zu gehen.“

Die Hauptperson:

„Es kam mir alles ein wenig bizarr vor. Im Kloster durfte ich keinen Schritt allein gehen, und jetzt war ich mir völlig selbst überlassen. Was mich betrifft, so fand ich meine neue Kleidung viel angenehmer zum Herumstreifen, als meine gestickten Röcke, die in Fetzen an allen Büschen hängen zu bleiben pflegten. Und überhaupt: Was ich alles erleben durfte, wo Frauen nicht sonst hinkommen. Es war die köstlichste Freiheit, und ich will darauf nicht mehr verzichten.“

Eine Freundin der Großmutter:

„Welch ein Verlust. Als ihre Großmutter starb, stand die arme Kleine mit 17 Jahren völlig allein da, und dieser unmögliche Mensch – dieser Hauslehrer – überredet sie auch noch zu dieser merkwürdigen Zeremonie. Er öffnete den Sarg des Großvaters ( korr. Vaters!) und das Kind sollte das Skelett küssen. Sie war wohl schon ein wenig verwildert, die arme Kleine, denn sie soll den Mut aufgebracht haben. Ein Skandal!“

Der Ehemann:

„Stellen Sie sich vor, da will dieses Weibsbild die gleichen Rechte wie ich. Unerhört! Sie ist überspannt und verstiegen. Gut – sie ist die Mutter meines Sohnes, aber ich bin ein gestrafter Mann. Jeden Tag schreibe ich auf, was ich vor ihr halte, damit ich nicht daran ersticke. Dieses Bündel wird sie eines Tages erben. Nichts weiter.“

Die Schwiegermutter:

„Nun, da sich mein Sohn von dieser Frau getrennt hat, musste ich nur klarstellen, dass ich unseren Namen nicht auf einen ihrer Bücher sehen möchte, die sie schreibt. Es wäre eine Schande.“

Bemerkungen von Freund und Feind:

„Am Anfang fand ich das unerhört. Ein Weib, das schreibt wie ein Mann. Erst später habe ich den Zugang zu ihr gefunden.“

„Habt Ihr schon gehört? In jedem Salon von Paris wird davon gesprochen. Dieser zarte Mann soll sich mit ihr eingelassen haben. Jeder, wirklich jeder wusste, dass er sie nicht ausstehen kann. Nun ja, ich sehe das so: Er ist so ladylike und sie ein vollendeter Gentleman!”.

Auflösung:
Georges Sand. George Sand * 1. Juli 1804 in Paris; † 8. Juni 1876 in Nohant, Département Indre; eigentlich Amantine Aurore Lucile Dupin de Francueil


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Das wöchentliche #Biografieraetsel sind kleine Fingerübungen zur Unterhaltung. Von Quintessenz Manufaktur für Biografien.

Bildquelle: wikipedia Charles Louis Gratia [Public domain], via Wikimedia Commons


Quellen:
Wikipedia,

http://www.chopin-musik.com/chopin_und_george_sand.php

http://www.br-online.de/kinder/fragen-verstehen/musiklexikon/2009/02546/

http://www.dichterinnen.de/Sand/

http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/george-sand/

 

 

 

 

2 Comments

  1. Renate 10. Oktober 2016 um 10:18 Uhr - Antworten

    Ich denke, es ist Georges Sand. Mit Vornamen Aurore.

  2. Steffi Seitz 10. Oktober 2016 um 09:42 Uhr - Antworten

    Dieses Mal bin ich mir absolut unschlüssig. Sophie von Bawr könnte hinkommen.
    Bin mal auf die Auflösung gespannt.
    Liebe Grüße

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