Wer hat´s erfunden? Die Erfindung des Automobils, die Amerikaner und die Deutschen Erfinder in Amerika.

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Dr. Harry Niemann

Fragt man einen Amerikaner, wer denn seiner Ansicht nach das Automobil erfunden habe, kommt unzweifelhaft der Name Henry Ford aufs Tapet.

Selbst Barak Obama bemerkte in seiner Rede zur Krise der amerikanischen Automobilindustrie, dass ob dieser Tatsache dem Automobil ein besonderer Stellenwert in der amerikanischen Kultur zukäme. Ein Fauxpas. Weiß doch ein jeder, dass Karl Benz mit seinem Patentmotorwagen sowie fast zeitgleich Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach mit der Motorkutsche 1886 das Auto in Deutschland zum Laufen brachten.

Aber auch Amerika hatte lange vor Henry Ford seine Erfinder. George Balwin Selden, ein Rechtsanwalt mit technischem Interesse beantragte schon 1879, beeindruckt von den Motoren, die er auf der Weltausstellung in Philadelphia gesehen hatte, ein Grundpatent für Motorwagen und erhielt dieses auch 16 Jahre später, ohne jedoch je einen Wagen gebaut zu haben. Erst 1895 ließ er sich, nach dutzenden geschickt eingereichten Änderungsanträgen die einzig der Verschleppung dienten, ein Kombinationspatent erteilen. Dieses fußte inhaltlich auf den ersten Überlegungen, war aber dem Stand der neusten Technik angepasst. Selden ging es nicht um den Bau eines eigenen Autos, sondern lediglich um die Kontrolle der anderen Hersteller. Erst 1911 gelang es Henry Ford dieses die amerikanische Automobilindustrie lähmende Patent nach einem neun Jahre dauernden Rechtsstreit zu Fall zu bringen. Er erreichte dies indem er den Bau des bis dato nie gebauten Selden Wagens mit dem zu diesem Zeitpunkt antiquierten Brayton Motor erzwang. Die Kraft des Faktischen überzeugte das Gericht und das Patent wurde für nichtig erklärt. Der erst 1906 gebaute Selden-Wagen ist heute noch im Ford Museum zu sehen.

Henry Ford

Gottlieb Daimler

George B. Selden

Schon 1893 war Gottlieb Daimler mit dem von Wilhelm Maybach entwickelten Stahlradwagen durch die Straßen New Yorks gesaust, – mit immerhin 22 km/h. Das Fahrzeug verfügte über einen Zweizylinder-V-Motor und ein Zahnradwechselgetriebe. Daimler war auf dem Weg zur Weltausstellung in Chicago um dort sein neues Auto vorzuführen, das in Europa die französische Automobilindustrie revolutionierte. Dies war die Sensation der Ausstellung. Mehr im Verborgenen hatte schon zwei Jahre zuvor ein Brüderpaar mit einem durch einen Viertaktmotor angetriebenen Fahrzeug zumindest in Allentown (USA) für Aufsehen gesorgt. Es waren allerdings nicht die Duryea Brüder (Charles und Frank) die später, nachdem sie 1893 ihr erstes Automobil präsentiert hatten, zu einem namhaften amerikanischen Automobilhersteller werden sollten, sondern der 1843 in Deutschland (Odernheim am Glau) geborene Heinrich Nadig und sein Bruder Philipp. Schon seit 1888 hatten beide Maschinenbautechniker mit der selbst fahrenden Kutsche experimentiert. Die wirtschaftliche Grundlage dazu bildete ein florierender Betrieb, der sich auf die Herstellung von Dampfmaschinen und später Benzinmotoren spezialisiert hatte. Für die Nadigs blieb das Experimentieren mit dem Auto ein Hobby. An eine Produktion war nie gedacht. Im Selden-Prozess sagte Nadig aus, dass vor ihm niemand mit einem Verbrennungsmotor betriebenen Fahrzeug amerikanische Straßen befahren habe. Das Fahrzeug ist heute noch im Museum America on Wheels zu bewundern. Zusammenfassend lässt sich konstatieren: Das erste, von einem Viertakt-Motor angetriebene Automobil, auf das ein deutsches Patent erteilt wurde, baute 1886 Karl Benz in Mannheim. Das erste in den Vereinigten Staaten von Amerika fahrende benzingetriebene Fahrzeug baute der deutsche Einwanderer Henry Nadig. Lediglich die Tatsache, schon 1879 ein Patent angemeldet zu haben, dessen Ausführung erst 37 Jahre später erfolgte, kann der clevere Anwalt George Selden für sich verbuchen.

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