Ich saß vor 21 Jahren mit meinem Neffen in der Küche, und der Junge sprach im Ton von „Ich Tarzan, Du Jane“  und aufreizend  langsam, um seiner begriffstutzigen und ahnungslosen 34-jährigen Tante die schöne neue digitale Welt verständlich zu machen, damit sie ganz vorne mit dabei und mitspielen konnte.

Das Internet wie wir es kennen, hatte gerade begonnen laufen zu lernen und meine Neugier –  Entschuldigung, es heißt ja Wissensdurst – lässt mich manche Kröte tapfer schlucken, hier ging es schließlich um  das Große und Ganze, die Zukunft, um Dinge die Emails und Internet hießen, die eine hemmungslose  Freiheit „zu reisen“ versprach. Es hat ihm aber auch sichtlich Spaß gemacht, mich entgegen meiner sonstigen Gewohnheit mal sprachlos zu sehen.

Ich weiß es noch ganz genau, welch Aufregung mich befiel, als er mir versicherte, dass wenn ich in die Tastatur einen Brief schreibe, dass dieser an am anderen Ende der Welt nach einer Sekunde da sei. Himmel! Ich kam aus dem Staunen nicht mehr raus.

Doch zurück, noch war es nicht so weit. Zunächst war es ein geschenkter 286er PC, der nur dazu diente Geschichten zu schreiben, eine bildliche Oberfläche und die Maus waren noch Zukunftsmusik für mich. Aber der Fortschritt ließ sich nicht mehr aufhalten, und auch bei mir zogen dann die nächsten, meist abgelegten Modelle meiner Freunde ein, und eines Tages auch ein Modem. Dieses Einwahlgeräusch, pfeifend und auf eine Tonspur kippend, die einer quietschenden Kreide auf der Tafel sehr nah kam war trotzdem aufregend.


Man wählte sich noch mit Compuserve oder AOL ein und so ein kleiner Internetspaziergang konnte sehr  teuer werden, wenn man vergaß auf die Uhr zu schauen, weil man sich gerade verlaufen hatte. Ich kannte einen, der konnte deshalb mal die Miete nicht zahlen. Einer meiner ersten Erfahrungen war, dass ich damals in einem Online-Kurs mit einem Chinesen chatten konnte. Potzblitz. Das war genauso spektakulär wie damals einen Anruf aus Amerika zu kriegen. Ein Übersee-Gespräch, heijeijei..

Schnell war ich auf einer der ersten Plattformen angemeldet: In FunCity. Es war eine Cartoonstadt, mit Briefkästen, Chatrooms, und es brach eine herrliche Zeit an. Ich lernte Menschen kennen, mit herrlichen Humor und exotischen Nicknames wie „Onkel Tott“,  „Zimba“ oder „Nona“.  Ich kann daher den Erfolg von Facebook und den anderen sozialen Netzwerken gut verstehen. Der Austausch ist es, und natürlich gibt es viel Unwichtiges. Aber auch  etwas Beständiges. Denn Nona ist immer noch da, nein, nicht in Funcity, das haben wir damals schnell verlassen, weil die ersten digital Nativs begannen auch ihre ersten Schritte zu machen. Heute ist sie in Facebook und betreibt dort ihren Firmenaccount.

 

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