Lost places – Der Eisenwarenladen

Vielleicht kennen es die, die bereits Enkel haben und vielleicht hat er etwas mitgebracht, das man reparieren soll, oder man hat versprochen mit ihm etwas zu bauen. Noch guter Laune steigt man ins Auto und fährt in den nächsten Baumarkt.

Wie meist, riesig groß und mit langen Gängen. Der Enkel hüpft noch gut gelaunt nebenher bis zu dem Gang, wo man stehen bleibt.  Man sucht, geht den Gang langsam rauf und runter und wieder rauf, prüft, liest, nimmt Schachteln von den Haken und legt sie zurück. Nach einer viertel Stunde wird es dem Enkel dann zu langweilig. Er will andere Gänge ankucken und man bittet ihn hier zu bleiben und er fragt:

Findest Du nicht, was Du suchst? Sie antworten: Ja, schon, aber die Schachteln sind so groß, ich brauche doch nur drei Schrauben.“ Wer jetzt das Glück hat, dass es in seiner Stadt noch einen Eisenwarenhandel gibt, kann kurz entschlossen dorthin fahren und auf dem Weg seinem Enkel folgendes erzählen. Spannendes wie: Als ich jung war, gab es in unserer Stadt noch drei Eisenwarengeschäfte. Toll waren die, die hatten einfach alles, jede kleinste Schraube und wenn nicht, haben die mir auch kleine Mengen bestellt. Man kam dorthin, erzählte dem Ladenbesitzer oder auch einfach seinem 15- jährigen Lehrling, was man bauen wollte und dann wussten die schon bescheid. Ich musste nicht wie eben lange suchen, ach das war toll. Du wirst es gleich selbst sehen, denn wir fahren da jetzt hin.“

Jetzt an dieser Stelle wird jeder aufgeweckte Enkel die Chance wahrnehmen, eine unangenehme Frage zu stellen, wie: „Aber wenn der so toll ist, warum fährst Du dann nicht gleich dorthin?“ und wenn man dann ein wenig verlegen zugibt, dass der Laden eben irgendwie vergessen worden ist, weil man dort nicht parken konnte, oder er nur ein kleines bisschen teurer war, kann man sich fast sicher sein, dass der Junge  sofort weiterfragt. Und wer kann es ihm schon verdenken, denn meist sind die Sympathien eben immer mit David und nicht mit dem Goliath. Er wird argumentieren, dass man auch mit dem Rad dorthin kann, und letztens gerade Mama gesagt hat, dass die großen Packungen eben auch nicht immer billiger sind. Dann wird man seufzen und fortfahren: „ Stimmt. Der Laden, wo wir jetzt hinfahren, der ist als einziger übrig geblieben. Du wirst sehen, da gibt es bis zur Decke alte Holzschubläden, zerkratzt von der Zeit und den Leitern, die angelehnt stehen. Jede Schublade hat vorn ein kleines Schild. Darauf steht, was drin ist, aber eigentlich – und hier muss mancher Großvater bewundernd lächeln –  eigentlich wissen die ohne Hinsehen, wo was liegt. Wie ein Äffchen ist früher der alte Schmidt hochgeklettert und hat mir die drei Schrauben rausgeholt und und wieder unten in ein kleines Papiertütchen gesteckt. Mein Vater, Dein Urgroßvater, hat damals auch schon beim alten Schmidt gekauft . Meist hat er die drei Schrauben auch noch auf die Rechnung meines Vaters gesetzt, die am Ende des Monats per Post kam. Handgeschrieben und getippt.“ Vielleicht seufzt jetzt ihr Enkel und sagt dann grinsend:“ Boah, das ist toll, ich wollte ich könnte das auch bei manchen Sachen.“

 

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