Hätten Sie es gewusst? Das #Biografieraetsel vom 17. August

Er wurde in Riga, in der Hauptstadt von Lettland im Winter geboren. Auch wenn es nur eine wilde Spekulation ist, so vermute ich, dass er eines der Kinder war, die einfach „passiert“ sind.

Der Vater, Kapellmeister, und seine Mutter trennten sich jedenfalls kurz nach der Geburt, wobei die Mutter allein nach St. Petersburg ging, um dort ihr Leben aufzubauen. Der Kleine blieb bei den Großeltern in Riga, den Eltern seiner Mutter  bis kurz vor seiner Einschulung. Doch dann erinnerte sich die Mutter an ihn und holte den Sohn nach St. Petersburg, doch er hatte solches Heimweh, dass er wieder zurück nach Riga zu den Großeltern durfte, während der Vater als Kapellmeister meist unterwegs war. Der Großvater führte ein Musikhaus, und natürlich kam er so auch zum Klavierspiel.

Als er 10 Jahre alt war, war es der Vater, der sich plötzlich an ihn erinnerte. Der Vater tourte mittlerweile recht erfolgreich durch Deutschland und holte ihn zu sich. Dieses Hin- und her zwischen den Großeltern, dem Vater und seiner späteren zweiten Frau, wird dem Jungen 15 (!) Schulwechsel einhandeln und in der Folge davon besteht er nicht das Abitur. (Wen wundert’s). In der Zeit vor dem Abi schwänzte er und schrieb Gedichte über die Lehrer, vielleicht weil er schon wusste, dass er das nie schaffen würde.

Sein Wunsch war Pianist zu werden, doch so hoch durfte er nicht fliegen, sein Großvater wollte, dass er der Erbe des Musikhauses wird und organisierte eine Lehrstelle in Leipzig. Was jetzt kommt, könnte nicht klassischer sein. Die Lehre ließ er eher lustlos nebenbei laufen und nahm das Geld für den Unterhalt um lieber am Konservatorium Klavier und Komposition zu studieren. In Leipzig wird sich auch zum ersten Mal das Talent zeigen, was ihn später berühmt werden ließ, er ging als Vortragsredner auf die Bühne . Als die Lehre abgeschlossen war, kehrte er nach Riga zurück, arbeitete im Musikhaus seines Großvaters, wobei er lieber auf den Klavieren spielte, anstatt sie zu verkaufen.

Als der Großvater starb, war dies ein harter Einschnitt. Der zweite Mann der Mutter übernahm die Leitung des Geschäfts, obwohl unser Gesuchter der Erbe sein sollte. So verlor er den letzten Rest an Lust an seiner Arbeit, die jetzt wie vorher seine Lehre nur nebenbei betrieb. Er schrieb sich stattdessen ein kleines Unterhaltungsprogramm und konnte für sich kleinere Auftritte bei Vereinen, Abendgesellschaften und Familienfesten orgabisieren. In Riga galt er bald als Geheimtipp. In einem Fahrstuhl lernt er eine junge Italienerin kennen, verliebt sich auf den ersten Blick und heiratet sie ein Jahr später. Sie werden 45 Jahre zusammen bleiben- im Showgeschäft eher ungewöhnlich.
Sie bekommen vier Kinder, ein Sohn wird Regisseur, ein Enkel ist heute ein bekannter Schauspieler.

Wer ist der Gesuchte, der postum eine eigene Briefmarke bekam und noch zu Lebzeiten mit Ehrungen aller Art gewürdigt wurde? Übrigens, sagte einmal seine Tochter im Interview, dass der Vater zu Hause eher ein stiller Mann gewesen sei, so gar nicht lustig …  

Auflösung: Heinz Ehrhardt
 

 

 

 

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Über den Autor:

In den 60ziger Jahren aufgewachsen, die Generation vor mir hatte sauber den Muff unter den Talaren weggekehrt. In den 70ern kamen neue politische, meist grüne, Themen, in der Musik war mehr Avantgarde, Glitter und Pompösrock. Steve Jobs und Bill Gates machten sich auf die Welt zu verändern und das Telefon hatte noch eine Wählscheibe. Man lebte in WGs, führte Diskussionen über Putzpläne, studierte oder machte eine Ausbildung. Man organisierte sich 'offline' nur mit einer mündlichen Absprache und Hilfe einer Uhr. Im Urlaub schrieb man vielleicht Postkarten und knipste Bilder auf Filmrollen und man reiste per Anhalter oder mit dem Zug. Doch die Zeiten bleiben bewegt. Mit meinem Mann leite ich heute Quintessenz – die Manufaktur für Chroniken [ www.quintessenz-manufaktur.de ] und jeden Tag begegnen uns neue Menschen, deren Geschichten und neue Themen.

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