Früher galt es als ein Zeichen von Belesenheit, Bildung und auch Wohlstand eine Enzyklopedie von Brockhaus im Bücherschrank zu haben. Immerhin waren diese Nachschlagewerke sündhaft teuer. Allein sein Name. Der Große Brockhaus. Wie Alexander der Große, oder so.

Auch bei uns zu Hause wuchsen wir mit einem Brockhaus auf. Unsere alleinerziehende Mutter sorgte dafür, denn sie besaß den Ehrgeiz, dass wir aus einem ‘gutem Hause’ kommen sollten und mühte sich tapfer, nach einer Anzahlung den großen Brockhaus nach und nach zu kaufen. Sie hatte hierzu bei einem Buchvertreter einen Kaufvertrag unterschrieben und glaubte nun, ihre Kinder gingen goldenen Zeiten entgegen. Unser Interesse hielt sich jedoch in Grenzen, zumal wir sehr lange immer nur einen Band z. Bsp. Buchstabe A hatten, was die Spannung deutlich sinken ließ.

Meine Mutter erzählte dann und wann mit reichlich schlecht verhüllter Missbilligung, dass der schöne Schein des Brockhaus bei manchen Familen seltsame Blüten trieb. So war es durchaus möglich Buchattrappen des Brockhaus in die Wohnzimmerschrankwand zu stellen. Das war jedoch unter der Würde meiner Mutter. Ihr ging es tatsächlich um die Zukunft ihrer Kinder. Rückblickend tut es mir jetzt fast ein bisschen leid. Vielleicht sollte man dazu wissen, dass meine Mutter Jahrgang 1921 war, durch Kriegszeiten ‘nur’ Mittlere Reife hatte, was sie kränkte und wie alle Eltern wollte, dass es ihren Kindern einmal besser geht. Was würde sie heute dazu sagen, wenn sie wüsste, dass der große Brockhaus nur als Buch ganz eingestellt wurde? Ich kann mir vorstellen, dass sie darüber sehr wehmütig wäre.

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