Der verschwundene Dialekt meiner sudetendeutschen Oma

Oft hört man (mit Erschrecken) von aussterbenden Völkern und Sprachen. Hier berichte ich nun von dem Idiom eines Völkchens weit abseits vom Amazonas, aber ebenso exotisch wie indigene Spezies der Regenwälder:  Die Sudetendeutschen .

Meine Vorfahren väterlicherseits stammen aus dem Nordböhmischen und benutzten ihr vom sogenannten Hochdeutschen (welches bekanntermaßen auch nur ein Dialekt ist, welcher als Hochsprache definiert wurde) sehr stark abweichendes Idiom noch bis in die Generation meiner Großmutter.
Diese meine Oma Anni legte ihren Dialekt auch nach Vertreibung und nochmaliger Flucht nie wirklich ab. In Gotha hatten meine Großeltern Klinger noch viele Sprecher ihrer Sprache um sich, waren doch viele Verwandte, Geschäftspartner und auch Arbeiter aus der Heimat dorthin nachgezogen. Nach Heppenheim übergesiedelt  war es hingegen für Anni anfangs noch sehr mühsam sich sprachlich zurechtzufinden. Meine Großmutter erzählte mir, als ich klein war, regelmäßig und immer wiederkehrend Geschichten aus ihrer Heimat, und so konnten wir diesen Dialekt alsbald verstehen, und selbst heute benutzen wir Begriffe aus Omas Welt immer noch gern.
Der Sudetendeutsche Dialekt aus der Rumburger Gegend ist geprägt durch ein rollendes – nein grummeldendes R, vielleicht vergleichbar mit dem Englisch texanischer Prägung. Auch werden wie im Bayrischen Vokale willkürlich vertauscht. In der nachfolgen, beispielhaften Aufzählung wird der Leser auch österreichische Wörter finden; kein Wunder, war doch die Gegend lange Zeit Teil der k.und k. Monarchie. Keinerlei Verwandtschaft oder wenigstens Anklänge hat der Dialekt mit dem Sächsischen, obwohl das Heimatdorf meiner Großeltern Alt-Ehrenberg – gerufen „Arrmerrch“ – lediglich 5 km von der sächsischen Grenze und 40 km Luftlinie von Dresden entfernt liegt.

Wischehoder = Scheuerlappen
Hebebehmel = Kran
Borschtewiesch = Besen
Dudelhubel = feiner Gemüsehobel
Treibehölzel = Teigroller
Seeger = Wanduhr
Pootschen = Hausschuhe, Füße
Zieche = Bettbezug
Hietroobraadl = Tablett (Hintragbrett)
Aaräppelmauke = Kartoffelbrei
S Fraas kriegen = verrückt werden
Dr Pummer = Kurzmantel für Herren
Ribisel = Johannisbeeren
Paradeiser = Tomate
Uffduslich = Brotbelag
Schiesepinkel = Gehrock
Dolgern = trödeln
Gapse = Tasche
Brieslich = Schnittlauch
S bleedert = es ist windig
Schmeeten = Sahne, Rahm

Einige Redewendungen haben sich mir eingeprägt, so

„Ock nee jechen!“ – nur mal langsam!

Gottanrufungen  kamen bei Oma Anni häufig vor:

„Oh Jerum doche!“, welches „Mein Gott!“ bedeutet. Ein „Jessas Maaarria!“ (mit der Betonung auf der ersten Silbe von Maria) begleitete ein Missgeschick, und selbst der wohlbekannte heilige Mann wurde verfremdet: „Jessas, Maaria und Jasef!“.

Philosophische Wahrheiten konnte Anni in ihrer Sprache trefflich ausdrücken:

„S kimmt alles am Rande rim!“. Abgeleitet offensichtlich vom Umrühren der Suppe: Alles wiederholt sich ….

27 Comments

  1. Alois Hirnbichler 8. Oktober 2015 um 21:33 Uhr - Antworten

    Es ist wirklich schade, dass eine Sprache so untergeht. Ich bin erst nach dem Krieg in Franken geboren, aber ich kann mich noch sehr gut an meine Grossmutter und deren sudetendeuschen Dialekt erinnern. Aus der Sprache hörte ich so eine Wärme, Zuneigung und Liebe wie es einfach nur Omi´s können. Ich habe leider später den Dialekt kaum noch gehört und Omi hatte es schwer ihren kleinen Kurzwarenladen mit Nähseiden, Damenstrümpfen und Unterwäsche in Würzburg zu führen.. Sie ist in Franken eine Fremde geblieben.

    • jutta Brutscher 28. Mai 2018 um 19:12 Uhr - Antworten

      das mit dem Fremde bleiben gibts immer noch auch nach zig Geneationen so, ich kenn das aus Kaufbeuren/Allgäu
      da heisst es immer noch die da die Neugablonzer sie bleiben hatl die Fluechtlinge auch wenn sie mittlerweile die Glasindustrie und den Modeschmuck wieder ganz weit nach vorne gebracht haben und viel fuer die STadt Kaufbeuren getan haben.
      ich hänge da immer mittendrin habe Verwandschaft auf beiden Seiten., wohne allerdings gottlob in NRW..
      ich freue mich ueber jeden Alten den ich immer noch Dialekt reden hoere.. Meine Tante hat fruher mal Gedichte geschrieben aber leider sind alle ihre Aufzeichnungen wie durch ein Wunder verschwunden..und sie selber .istscon lange verstorben. ..

  2. Dr. Susanne Lücke 24. Januar 2017 um 22:41 Uhr - Antworten

    Ich stoße jetzt erst auf dieses Blog, da ich gerade einen entsprechenden Text in Arbeit habe. Ich bin in Aussig, tschechisch Ustí, geboren und habe den dortigen Dialekt noch im Ohr. Gerade fiel mir ein abfälliger Ausdruck für nervende Kinder ein: Krepper (so gesprochen; geschrieben vielleicht Kröpper, da der Singular “Kropp” lautet). Kennen Sie dieses Wort? – Ich suche noch nach einschlägigen Wörterbüchern.

    • Dominik Dobner 8. Mai 2017 um 10:08 Uhr - Antworten

      Hallo Frau Dr. Lücke,

      ich bin durch Zufall auf diesen Blog gestoßen, ebenso ein Zufall ist, dass mein Großvater väterlicherseits ebenfalls aus Aussig stammte.

    • hermann 1. Januar 2018 um 09:42 Uhr - Antworten

      grüß Gott !
      da ich 44 in Baunau/Sud geboren bin , beherrsche ich den dortigen Heimatdialekt noch aus dem ff ! Bei dem besagten Ausdruck ” Krepper ” handelt es sich nach meiner Meinung
      um das hochdeutsche Wort Kropf . Im Braunauer Dialekt spricht man es langgezogen aus Kroop und heißt Kropf , also etwas kleines – man verwendete ” kroop ” im Zusammenhang
      mit kleinen oder größeren Kindern / Personen , oft etwas negativ angehaucht : Beispiel – dos is a klenner (kleiner) kroop oder : dos is a bieser(böser) kroop- gemeint ist hier ein etwas
      kleinwüchsiger Erwachsener . Im Singular ein langgezogenes o `kroop und im Plural scnnell ausgesprochen kreppe , also nicht krepper ! Noch ein Beispiel für kreppe im Dativ ver-
      wendet ; dos sein zwee Monsm mit Kreppa übersetzt : das sind zwei Mannsbilder mit Kröpfen
      viel Spaß – leider stieß ich erst heute auf diese seite

    • Ami 9. Juli 2018 um 13:19 Uhr - Antworten

      Meine Oma kam aus Herrnskretschen. Ich erinnere mich noch, dass sie, wenn jemand nicht gut laufen konnte, sagte: Der kreppert rum.

  3. Anna 26. Januar 2017 um 09:16 Uhr - Antworten
  4. Anna 26. Januar 2017 um 09:18 Uhr - Antworten

    Kroppzeug! http://universal_lexikon.deacademic.com/98609/Kroppzeug — Es gibt doch sudetendeutsche Wörterbücher. Einfach googeln ,-) auch unter Germanistik. – Inzwischen gibts wohl fast keinen Menschen mehr, der das spricht …

  5. Rudolf Franko 25. August 2017 um 15:56 Uhr - Antworten

    Nu bei uns drheime gabs immer Karfenadeln mit Mauke, meine Mutter aus Nixdorf bei Rumburg lebt noch und mir Ihr zusammen bekommen ich noch ein Gespräch im Dialekt hin, fast alle andern vu drheime sind aber schon gestorben. Ich hab mir ein Wörterbuch besorgt damit ich die Texte und Gedichte meiner Vorfahren auch verstehen kann…

  6. Thomas Klinger 25. August 2017 um 17:33 Uhr - Antworten

    Lieber Herr Franko!

    Meine Großeltern und mein Vater waren gerade mal 10 km entfernt in Altehrenberg ( “Arrmerrrch”). / Stare Krecany!
    Nixdorf tauchte in den Erzählungen meiner Großmutter auch auf, aber ich weiß nicht mehr in welchem Zusammenhang. Vielleicht fragen Sie Ihre Mutter nach den Klingers und Menzels aus Armerch….

    Schreiben Sie mir doch bitte auf info@quintessenz-manufaktur.de, welches Wörterbuch Sie haben:

    Mit freundlichem Gruß
    Thomas Klinger

  7. Jörg Sawertal 19. Oktober 2017 um 20:11 Uhr - Antworten

    Meine Großeltern stammten aus Straußnitz. In der Nähe von Laipa.
    Gapse und Pootschen kenne ich auch noch.
    Mit Gapse war eine Hosen,-oder Jackentasdhe bezeichnet
    Und Antel – Ente
    Musche – Tasche
    Laberwürschte -Leberwürste.

    Ja schade daß dieser Dialekt ausstirbt. Für mich hat er etwas anrührendes was mich an meine Kindheit und an meine Großelerten erinnert.

  8. Uwe Blaettner 14. November 2017 um 19:58 Uhr - Antworten

    Meine Ahndeln mütterlicherseits stammen aus Nordböhmen aus der Stadt Arnau an der Elbe, nördlich von Königgrätz und östlich von Trautenau und sprachen und sprechen aber, teilweise noch auf Grund ihrer Wiener und Prager, ihrer christlichen und jüdischen Wurzeln weniger die ländlich-deutsch-schlesische Spielart der Sprache als vielmehr ein hoffärtiges Schönbrunner-Prager-Hofrats- oder “Kanzleisudetendeutschböhmisch”, keine ganz einheitliche Sprache, vielleicht ein “K&K-Bildungsbürger-Soziolekt”; Abteilung Südost, Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts, so wie Franz Kafka, Sigmund Freud, Karl Kraus, Friedrich Torberg, Max Reinhardt, Ferdinand Porsche, Lore Lorentz und in jüngerer Zeit vielleicht noch Otfried Preussler, Fritz Muliar und Georg Kreissler im Alltag geredet haben mögen.
    Aber auch das kann für einen 1962 in Schwaben geborenen Sudetenbayern (Vater Alt-Schwabinger) wie mich ein warmer und behaglicher sprachlicher, Identität und geistige Heimat schenkender Schoß sein, aber leider auch einer, den es bald gar nicht mehr geben wird.

  9. Bönisch Peter 2. Dezember 2017 um 01:57 Uhr - Antworten

    Ich bin 1943 in Lindenau Kr. Böhmisch Leipa geboren und spreche unseren für mich über alles geliebten Dialekt noch sehr gerne aber leider für mich allein und habe niemanden mehr mit dem ich in meiner Mundart ratschen kann ! Wohne nähmlich in Meck. Pomm und viele Sudetendeutsche sind schon verstorben. Wo und wie kann ich mich informieren ?

  10. Maria 11. Dezember 2017 um 22:59 Uhr - Antworten

    Jesses Kraiz, Måria, Steinsepp un’ Antonfichte, un’ Thomås wår ach nooch a Heiliga!

    So flucht man bei uns daheim, oder drückt auch gerne Erstaunen aus. Hier darf das gerne als Erstaunen interpretiert werden. 😉

    Ich grüße, Maria mein Name, 18 Jahre jung. Meine Wurzeln liegen ebenfalls im Sudetenland und ich spreche unseren Dialekt “Vu Dahoim“ auch noch fließend.
    Ich stoße jetzt erst auf deinen Blog, und fühle mich direkt heimisch, diese “Vokabeln“ finden bei uns tägliche Anwendung.

    Ich finde den Eintrag hier wirklich berührend, denn du hast vollkommen recht, Dialekte sterben aus, und ich bin mit dem Sudetendeutschen aufgewachsen. Meine Oma hat mir noch, bevor ich richtig anfing zu sprechen, Sudetendeutsch beigebracht, somit sprach ich unseren Dialekt, bevor ich Hochdeutsch lernte.

    Meine Oma kommt aus dem ehemaligen Kreis Bären, um genau zu sein aus Herlsdorf (jetzt Heroltovice). Liegt bei Stadt Liebau.

    Meine Mutter spricht ebenfalls fließend, sowie mein Onkel. Wir unterhalten uns immer im Dialekt, wechseln im Gespräch, wenn andere Leute anwesend sind, auch fließend.
    Meist wird man dann gefragt, was das denn für eine komische Sprache sei, immer sehr amüsant.
    Ich betreibe seitdem ich sechzehn bin Ahnenforschung und verschriftliche seit ich fünfzehn bin nach und nach die Geschichte meiner Oma, ebenso wie die Geschichten der anderen Vertriebenen, die noch leben und in erreichbarer Nähe wohnen.
    Wir halten noch immer jedes Jahr ein Heimattreffen ab, und können in diesem Jahr noch immer 14 Anwesende verzeichnen.
    Das Treffen ist für alle Herlsdorfer, die hier in unseren Land-Kreis kamen. Für das ehemalige Dorf meiner Oma also eine stolze Zahl.

    Ich schätze es liegt wohl an meiner Erziehung, da ich den größten Teil meiner Kindheit bei meinen Großeltern verbrachte, aber dieser Eintrag hier hat mich bewegt.
    Irgendwo ist das Sudetenland auch meine Heimat. Im Herzen zumindest, denn ich habe es mir, wie einige andere hier, ebenso zur Aufgabe gemacht, die Geschichte, die Sprache, die Bräuche und die Kultur weiter zu tragen.

    Ich danke dir für diese Erinnerung an die Sprache, auch wenn wir etwas anders reden. 😉
    Es bleibt aber das Gefühl, nicht alleine zu sein, nicht die letzte Generation zu sein.

    In diesem Sinne:

    Die besten Grüße,
    Maria

  11. Jürgen Schmidt 18. Dezember 2017 um 17:40 Uhr - Antworten

    Jürgen aus dem böhmischen Erzgebirge 18.12.2107

    mein Heimatort und die Orte meiner Mutter und meiner Großeltern liegen direkt an der sächsischen Grenze im Kreis Marienberg.
    Auf sächsischer Seite – die Orte sind nur druch den Grenzbach getrennt – sprach man früher, vor 1945, fast die die gleiche erzgebirgische Mundart, wie auf der böhmischen Seite.
    Das ist das große Glück, dass die Mundart unserer Eltern und meine Kindersprache noch heute in den Grenzdörfern des Erzgebirges gesprochen wird. Wenn ich also meine heimatliche Mundart hören und sprechen möchte, so kann ich dorthin fahren und mit etwas Eingewöhnungszeit gelingt es mir, mittels der aufgefrischten “Heimatsprache – Heimatdialekt” mich wirklich heimisch zu fühlen. Auch die Erzgebirgslieder des bekannten Liedermachers Anton Günther helfen, die elterliche Mundart zu pflegen, obwohl Anton Günther die Sprache um Gottesgab und St. Joachimsthal in seinen Liedern festgehalten hat.Da gibt es zwischen dem Ost- Mittel- und Westerzgebirge auch recht große Unterschiede.
    Andere sudetendeutsche Regionen sind da viel schlechter dran. Diese Mundarten sterben unwillkürlich in den nächstenJahren aus.Pflegen wir unsere Muttersprache so lange es irgendwie geht.
    Grüße von Jürgen.

  12. Angelika Bergmann 18. Dezember 2017 um 17:59 Uhr - Antworten

    Egerländisch????? Im Egerland nicht mehr vorhanden, ganz wenige alte Menschen sprechen es noch!! Wer weiss schon heute noch Ausdrücke z.B. wie galing – schnell????? Ich bin in Unterreichenau bei Falkenau/Sokolov aufgewachsen unter Kindern, dessen Väter blieben , da Kohle gefördert werden musste! Nun sind diese weggestorben oder doch noch ausgesiedelt. Vielleicht spricht man diesen Dialekt noch in Rehau oder Schriding, also auf der deutschen Seite.. Aber drüben im Egerland ist der Dialekt verschwunden.

    A.Bergmann

  13. Horst Weber 18. Dezember 2017 um 18:06 Uhr - Antworten

    Ist ja erstaunlich, dass sich die Enkelgeneration der Vertriebenen noch für sudetendeutsche Dialekte interessiert. Ich bin 1939 in Karlsbad geboren und im Erzgebirge (Bergstadt Platten), aufgewachsen, sodass ich zwischen dem erzgebirger und dem egerländischen Dialekt unterscheiden kann. Ich habe beide Idiome in meinem autobiografischen Roman “Der böhmische Türmer” in Dialogform verwendet, wobei mir diverse Heimatzeitschriften und die Liedersammlung von Anton Günther eine große Stütze waren.
    Im Internet ist das Buch noch antiquarisch verfügbar (Literaturkritik von Karl Markus Gauß), Restexemplare noch in meiner Reserve, falls sich jemand dafür interessiert. Eine Neuauflage ist geplant, aber ich weiß nicht, wann die Entscheidung “ausgereift” ist.

  14. Rüdiger Bauer 19. Dezember 2017 um 11:37 Uhr - Antworten

    Rüdiger Bauer, 19. 12. 2017
    Regelmäßig lese ich die Nachrichten der Sudetendeutschen Landsmannschaft aus Österreich, die seit dem Erscheinen meines Buches “”Wie und Warum wir so waren? – Erinnerungen an Damals, Schicksalsjahre 1925 – 1945” zu meiner laufenden Lektüre gehören. Ich stamme aus dem am Fuße des Erzgebirges liegenden früheren sudetendeutschen Städtchen Komotau, Geburtsjahrgang 1925. Seit einigen Jahren ergötze ich mich mit großem Vergnügen immer wieder aufs Neue an meinem Heimatdialekt. In der Komotauer Zeitung, die von der Landsmannschaft des Heimatkreises Komotau und des Mittleren Erzgebirges in zweimonatlicher Folge herausgegeben wird. Hier erscheinen ab und zu Beiträge in meiner heimatlichen Mundart. Ich muss gestehen, dass es mir manches Mal nicht ganz leicht fällt, den geschriebenen Dialekt meiner Schulzeit in sprachliche Originalität umzuformen und gleichzeitig den hochdeutschen Sinngehalt klar zu deuten. Aber die mir wohlbekannten Arzgebarchlieder von Anton Günther habe ich noch bestens drauf: “Wenn’s draußn wieder schneit, do hommer unnre Freid, s’fengt üweroll ze waweln o, s’is draussn gute Schnneschuhboh, und liecht auf unnrer Höh s’erste Finkla Schnee, nort schnoll mr unre Schneeschu aa un forn davo….”

    Mit landsmannschaftlich- weihnachtlichen Grüßen
    Rüdiger Bauer

  15. Nicola 22. Januar 2018 um 17:38 Uhr - Antworten

    Hallo,

    gerade war ich auf der Suche nach Information zum Sudetenland. Die Familie von meinem Papa als auch die Familie meiner Mama kommt aus dem Sudentenland. Die Familie meiner Schwiegermutter ebenso.
    Familie von Papa (Waldschnitz, Aussig)
    Familie von Mama; (Olitzhaus und Aich, Karlsbad)

    Leider sind bei uns alle verstorben, die den Dialekt noch gesprochen haben. Ich kenne nur einzelne Ausdrücke davon.
    Z.B. nossa survus! (ich weiss nicht, wie man es schreibt) und jesses …

    Ich würde gerne mehr Informationen sammeln zu meiner Herkunft.
    Ein Bruder meiner Oma ist in Tschechien geblieben. Die Familie wohnt in Prag.

    Habt ihr Tipps, wie ich zu mehr Informationen komme?
    Ich möchte dieses Jahr gerne die Ort ebesuchen, auch wenn es die Dörfer oftmals gar nicht mehr gibt, leider.
    LG Nicola

    • jutta Brutscher 28. Mai 2018 um 18:54 Uhr - Antworten

      Hallo, versuches mal bei der Landsmanschaft der Sudentendeutschen…. oder in neugablonz beim Heimatverein, vll. koennen dir die weiterhelfen,
      denn in Neugablonz ist eine Menge der Gablonzer Glasindustrie wieder nachdem Kreig ansässig gewesen und sindsiewohl immer noch… Sollen auch Aktivsein in der Voelkerverständigung mit den Tcheschen ….

  16. Werner Plichta 17. März 2018 um 20:58 Uhr - Antworten

    als kleiner Junge aus Liberec (Reichenberg) sprach ich fliessend den SD-Dialekt, nach dem Krieg nur noch tschechisch , später geflohen in die Schweiz, wo ich Schiitzertütsch lernte
    trotzdem blieben einige Wörte in Errinerungen – weiss aber nicht wie man sie richtig schreibt. z.B.
    schiine Hux = schöne Hochzeit
    Areplmauke = Kartoffelpüree
    Aale Moon = alter Mann
    Mountsch = Montag
    Pronz = Kartoffelpuffer
    bin mir aber sicher, ich würde das SD-Deutschwieder schnell verstehen!!

  17. Thomas Klinger 19. März 2018 um 00:43 Uhr - Antworten

    Ach, zu den Wochentagen fallen mir noch ein:

    – Suntsch = Sonntag,
    – Freitsch = Freitag und
    – Dursch = Donnerstag.

    Der Donnerstag ist mir auch wegen des Gründonnerstag in Erinnerung. Wir Enkelkinder wurden nämlich nicht an Ostern beschenkt, sondern am Gründonnerstag. Man erschien also am Gründonnerstag bei den Großeltern und Tanten und sagte folgendes Sprüchlein auf: “Gelobt sei Jesus Christus- mir komm ok zum Griendursche!”. Worauf man dann ein Packl mit Süssigkeiten bekam.

    • Rudolf Franko 17. April 2018 um 15:57 Uhr - Antworten

      Also wenn scho: Mir komm ok zum Gründursche gib was in mein Bettelsack das ich au was zum tragen hab laß mich ned so lange stiehn ich muß a Häusle weiterziehn gib grüne oder weise das was die Hühner sche….!

  18. Siggi 1. April 2018 um 21:17 Uhr - Antworten

    Ich würde gern mal wissen ob auch jemand aus dem ehemaligen Sonneberg jetzt slunecna dabei ist?

  19. Malou 5. Mai 2018 um 10:36 Uhr - Antworten

    Meine Oma kommt auch aus dem Sudentenland. Als Kind habe ich Sudentendeutsch immer “Ocke-Sprache” genannt. Lexikalisch bereichernd, viele Ausdrücke findet man auch in Österreich. (Bsp. Paradeisa) – “Als Böhmen noch bei Östreich war…..” Schade finde ich aber, dass viele Sudentendeutsche ein Problem mit dem Dativ und Akkusativ haben… (Wir wünschen UNSEREN Freund Josef Schmidt gute Fahrt und EIN guten Rutsch ins Neue Jahr” — ehhm…)

  20. Franz Patzelt 21. Mai 2018 um 06:55 Uhr - Antworten

    Och Gott näh, harcht ock mou ha!

    Eech be ochtnvirtsch ei Bayern of de Welt komm und ho midm Sudetenlande eigentlich nischt on Hute – bis of doos, wos ma meine Mudda und mei Vota on mei Kappl gesteckt hon.

    Meine Eltern stammen aus Nordböhmen, aus der Gegend von Tetschen-Bodenbach (Datschn-Boudnboch). Beide sind schon verstorben und mit ihnen ist auch ihre Sprache ins Land der ewigen Stille verschwunden. Aber ihr Echo hängt noch im Raum, speziell der Wortschatz und Tonfall meiner Mutter, die sich nie „sou richtsch“ an das Hochdeutsche oder gar den hiesigen Dialekt gewöhnen wollte. Mit dazu beigetragen haben wohl auch die zahlreichen Landsleute (meist Frauen), die hier in unserer Gemeinde eine „floselnd“ kommunizierende Schar bildeten. Das O in floselnd spricht man offen wie einen Vokal zwischen A und O, die Schweden schreiben dafür ein A mit kleinem O darüber.
    Jo, jo, dos Flosln und da Floslkuchn: Mit flosln ist das lockere Gespräch gemeint, beispielsweise an der Kaffeetafel, wozu man den richtigen Kuchen, einen Floslkuchn eben, verspeiste. Passt ock oof! Da Kuchn is softsch und kleckert leicht! Mouhn, Bowidl, Quark und Rosinkn missn tüchtsch ofn Dägboudn drof geheiflt sein. Bei gewissen Zusammenkünften konkurrierten die Damen in „Floslkuch-Schlachten“ miteinander. Jede hatte ihr Spezialrezept.
    So vergehen die Zeiten! Ich könnte mich noch – zwar stockend – an einem Geflosle beteiligen. Wie gesagt, es ist das heimelige Echo der mütterlichen Sprache. Der über allen anderen Wörtern thronende Ausdruck ist das OCK – halt ock de Gusche, sei ock brav, soa ock neij imma ock!

  21. jutta Brutscher 28. Mai 2018 um 18:47 Uhr - Antworten

    lach wie schoen das zu lesen, meine Grosseltern väterlicherseits und mein Vater haben noch so oder ähnlich geratscht.. Ich habe uach immer noch den Klang der Sprache im Ohr, speziell wenn meine Grossmutter mal wieder u Besuch war und mein Vater undseine Mutter nach2 Tagen so geredet ahben daswir nueschte mehr verstanden haben. Meine Vorfahren kamenaus der Gegend um GAblonz herum Morchenstern genauergesagt, Leider sind alle mittlerweiel verstorben und wie gesagt der Dialekt ist nimmer daheme nur noch im Herzen.

    Danke fuerden kurzen Augenblick des Gluecks und Erinnerns
    J. Brutscher geb. Ullrich

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